Hennes & Mauritz

Arbeitskampf in Indien

Hennes & Mauritz

Arbeitskampf in Indien

Modekonzern stoppt wegen Corona Aufträge, Arbeiterinnen in Zuliefererländern sollen dafür zahlen.

Zulieferer von Hennes & Mauritz entlässt 1.200 Beschäftigte, nachdem die Modekette wegen der Covid-19-Pandemie einen Auftragsstopp verhängt hatte!

Über Nacht hat das indische Textilunternehmen Gokuldas Exports (GE) den Betrieb in der Fabrik ECC-2 geschlossen. Rund 1.200 Beschäftigte – fast alles Frauen, die für den Mindestlohn von umgerechnet gut 100 Euro im Monat schuften mussten – standen von einem Tag auf den anderen auf der Straße.

Die Fabrik in Srirangapatna im südindischen Bundesstaat Karnataka hat bislang vor allem für die Handelskette Hennes & Mauritz (H&M) Kleidung hergestellt, die dann in den Modegeschäften in Europa und anderswo verkauft wurden – im laufenden Jahr war der in Schweden beheimatete Konzern der einzige Auftraggeber.

Die Unternehmensführung von Gokuldas Exports begründete die Schließung am 6. Juni 2020 damit, dass H&M im Zuge der Coronavirus-Pandemie seine Aufträge storniert habe. Ohne andere Kunden sei man deshalb zur Einstellung der Arbeit gezwungen gewesen.

Die Beschäftigten wollen sich damit nicht abfinden:

Die globale Bekleidungs- und Textilindustrie reitet auf dem Rücken von Millionen Arbeiterinnen und Arbeitern, überwiegend Frauen, die mit flexiblen Verträgen und schlechten Arbeitsbedingungen beschäftigt werden, um die riesigen Gewinne zu erzielen.

Statement der GATWU

Wie indische Medien berichteten, versammelten sie sich unter freiem Himmel vor der Fabrik und harrten dort auch über Nacht aus.

Die Textilarbeitergewerkschaft GATWU, der die meisten Beschäftigten von GE angehören, kritisiert das Verhalten der beiden Unternehmen.

Die Arbeiterinnen hätten seit 2014 ununterbrochen Mode für H&M hergestellt, GE habe dafür allein im vergangenen Jahr einen Gewinn von umgerechnet rund 4,5 Millionen Euro ausgewiesen, H&M habe 2019 einen Profit von knapp 1,6 Milliarden Euro ausgewiesen.

Die Gewerkschaft schreibt auf ihrer Homepage: „Selbst in normalen Zeiten macht es die globale Modeindustrie den Arbeitskräften in armen Ländern –  die Kleidung herstellen für Menschen in reichen Ländern –  schwer, mit dem Armutslohn zu überleben, der ihnen gezahlt wird. Da der globale Bekleidungshandel zum Stillstand gekommen ist, haben die Unternehmen das Erwartete getan: Sie haben dafür gesorgt, dass die Arbeiter die Risiken tragen, während das Kapital die Gewinne beansprucht.“

Im April hatte es aus der H&M-Zentrale noch ganz andere Töne gegeben:

Man werde „Aufträge, für die die Produktion bereits gestartet ist, nicht stornieren“, wurde am 1. April eine Unternehmenssprecherin im Branchenportal „TextilWirtschaft“ zitiert. Das gelte für die Endfertigung aber auch für Materialien und Rohstoffe.

Auch bereits gefertigte Ware werde man abnehmen, „und zwar unter den vereinbarten Bedingungen“. Darüber hinaus arbeite man auf allen Ebenen daran, „die Situation aus der Perspektive von Mitarbeitern, Unternehmen und Umwelt bestmöglich zu managen“.

Der Einsatz von Fabriken Dritter wie GE zur Produktion erlaubt es Unternehmen wie H&M, sich öffentlich gegen die Verletzung von Arbeiterrechten zu positionieren, aber jede finanzielle oder rechtliche Verantwortung zu umgehen.

Statement des NTUI

Die Realität sieht anders aus:

Wie die Gewerkschaft GATWU mitteilt, hat GE seinen Beschäftigten, die wegen der Ausgangssperren und der Einstellung öffentlicher Verkehrsmittel zur Eindämmung der Covid-19-Pandemie nicht arbeiten konnten, kein Gehalt gezahlt. Wer zur Arbeit erscheinen konnte, erhielte nur 50 Prozent des vereinbarten Lohns. Das sei ein klarer Verstoß gegen eine Anordnung des indischen Innenministeriums vom 29. März 2020, so die GATWU.

Gokuldas Exports argumentiert, dass H&M bereits erledigte Aufträge noch nicht bezahlt und keine neuen erteilt habe. Ob das stimmt, lässt sich nicht überprüfen – H&M verweigerte gegenüber der Gewerkschaft jede Auskunft.

ver.di hat reagiert und vom Konzern verlangt, den Status von Bestellungen und Zahlungen an GE offenzulegen sowie neue Aufträge an das Unternehmen zu vergeben, um den Betrieb der Fabrik in Srirangapatna sicherzustellen. Zudem unterstützt ver.di die indischen Kolleginnen und Kollegen bei der Forderung nach einem Eingreifen der Regierung des Bundesstaates Karnataka.

GE selbst wird aufgefordert, alle illegalen Aktionen gegen die Beschäftigten zu beenden und den Betrieb der ECC-2 unverzüglich wiederaufzunehmen sowie alle ausstehenden Löhne zu bezahlen.

„Als Gesamtbetriebsrat erwarten wir, dass H&M seinen Einfluss nutzt, damit die Beschäftigten bei den eigenen Zulieferern nicht unter der Krise leiden.

Statement des Gesamtbetriebsrats bei H&M an die Geschäftsführung

Am 17. Juni 2020 hat außerdem auch der Gesamtbetriebsrat von H&M die Geschäftsführung von H&M schriftlich aufgefordert, Verantwortung entlang der Lieferkette zu übernehmen: 

„Die Beschäftigten produzieren für H&M und machen es möglich, dass wir Bekleidung verkaufen können. Die Corona-Pandemie bedeutet für sie aktuell Arbeitslosigkeit und in vielen Fällen Perspektivlosigkeit und auch Hunger, weil Löhne ausbleiben.

Wir sind solidarisch mit unseren Kolleg*innen und fordern H&M auf, endlich zu handeln!"

Der indische Gewerkschaftsbund NTUI, dem auch die GATWU angehört, kritisiert das Verhalten der multinationalen Handelskonzerne insgesamt und von H&M im Speziellen:

„Schweden, wo H&M registriert ist, hat zahlreiche Maßnahmen zur Eindämmung der Krise angekündigt, um Kosten zu reduzieren, Liquidität zu stärken und den Zugang zu Finanzhilfen zu erleichtern, um Unternehmen den Weg durch die Krise zu ermöglichen und den Verlust von Arbeitsplätzen zu reduzieren.

Aber keine dieser sozialen und finanziellen Leistungen wird an die Arbeiter weitergegeben, die von den multinationalen Konzernen entlang ihrer weltweiten Lieferketten einsetzt, und ganz bestimmt nicht in den ärmeren Ländern.“

Bereits Anfang Mai hatten hierzulande Beschäftigte der Modeketten H&M, Zara und Primark  die Unternehmen aufgefordert, einen Beitrag zur Unterstützung ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Zulieferbetrieben zu leisten.

H&M bleibt bisher stur und sagte schließlich sogar ein Vermittlungsgespräch ab:


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