Amazon

Streik trotz Corona mit neuen Aktionsformen

Tausende Amazon-Beschäftigte legten die Arbeit nieder.
06.07.2020
Amazon-Beschäftige protestieren in Bad Hersfeld

Zurück auf die Straße – mehr als 2.000 Kolleginnen und Kollegen von Amazon haben in den letzten Juni-Tagen eindrucksvoll gezeigt, dass sie sich auch durch das Coronavirus nicht davon abhalten lassen wollen, für ihre Rechte einzutreten. Auch der sorglose Umgang der Unternehmensleitung mit der Pandemie und dem Schutz der Menschen hat in den vergangenen Wochen dazu beigetragen, die Wut der Beschäftigten zu steigern.

Nachdem es zunächst eine bundesweite Aktionswoche „Gesundheit vor Profit“ gegeben hatte, bei der an zahlreichen Standorten der Ruf nach einem Tarifvertrag für gute und gesunde Arbeit erhoben wurde, hatte Orhan Akman, bei ver.di verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel, angekündigt, die Gangart zu verschärfen, „denn Amazon zeigt bislang keine Einsicht und gefährdet die Gesundheit der Beschäftigten zu Gunsten des Konzernprofits“. Er unterstrich: „Wenn das Unternehmen geglaubt haben sollte, dass wir es aufgrund der Coronavirus-Pandemie in Ruhe lassen, hat es sich getäuscht. Bei ver.di aktive Kolleginnen und Kollegen brennen darauf, ihren Unmut über die Politik von Amazon und dessen fahrlässigen Umgang mit der Gesundheit der Beschäftigten zum Ausdruck zu bringen.“

 

Die hohe Beteiligung an dem zweitägigen Ausstand spricht eine deutliche Sprache. Auch im achten Jahr des Arbeitskampfs bei Amazon lässt die Energie der bei ver.di aktiven Amazon-Beschäftigten nicht nach, was bis über die Grenzen Deutschlands hinaus registriert wird. Medien aus aller Welt berichteten über den Streik, unter anderem in Großbritannien, Mexiko, Russland, Griechenland, Polen, den USA und anderen Ländern.

Die internationale Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, der auch ver.di angehört, solidarisierte sich mit den Streikenden. „Heute sind alle Augen auf Deutschland gerichtet, wo sich die tapferen Arbeiter*innen für sichere Arbeit, einen Tarifvertrag und ein Ende der brutalen Arbeitsbedingungen einsetzen“, erklärte UNI-Generalsekretärin Christy Hoffman. „Der unglaubliche Reichtum und die Macht von Amazon sind während der Pandemie gewachsen, während die Arbeitsbedingungen weit dahinter zurückblieben.“

Tatsächlich wurde aus mehreren Orten gemeldet, dass sich mehr als zu anderen Gelegenheiten auch bislang nicht in der Gewerkschaft organisierte Kolleginnen und Kollegen an dem Streik beteiligt haben, es gab Dutzende Neueintritte in ver.di. Dabei musste der Ausstand unter erschwerten Bedingungen stattfinden: Um die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern, wurde auf große Kundgebungen und die Einrichtung von Streiklokalen verzichte. Doch es gab kreative Lösungen: In Werne, Rheinberg und Bad Hersfeld versammelten sich die Kolleginnen und Kollegen mit ihren Autos zu Streikversammlungen im „Autokino-Format“.

 

In Leipzig legten am Dienstag rund 80 Fahrzeuge mit einem kilometerlangen Autokorso durch die Innenstadt vorübergehend den Verkehr lahm. Dadurch gestörten Passant*innen wurde über Lautsprecher zugerufen: „Mag sein, dass Sie jetzt ein paar Minuten warten müssen – die Kolleginnen und Kollegen von Amazon warten seit sieben Jahren auf den Tarifvertrag!“

 

Nicht alle Amazon-Standorte konnten diesmal am Streik teilnehmen. Weil etwa im bayerischen Graben die behördlichen Auflagen einen wirksamen Ausstand praktisch unmöglich gemacht hatten, unterstützten die Beschäftigten dort mit einer Fotoaktion den Kampf um besseren Gesundheitsschutz und einen Tarifvertrag: Sie ließen sich mit dem dazu erstellten Aufkleber ablichten und zeigten so Gesicht gegen die scheinbare Übermacht des Konzerns.

 

Und der Kampf wird weitergehen – bis Amazon gezwungen ist, auf die Beschäftigten zu hören und die geforderten Tarifverträge abzuschließen. Es geht um Gesundheit vor Profit! Wir bleiben dabei: Schließt euch zusammen, seid solidarisch – auch jenseits von Ländergrenzen! Eure Gesundheit ist wichtiger als Profit!

Gemeinsam bis zum Tarifvertrag! Gebt uns Rückendeckung in eurem eigenen Interesse: als ver.di-Mitglied und damit als Teil unserer Basis. Denn je mehr wir sind, umso stärker können wir Druck machen!
Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

Jetzt aber los – für angemessenen Gesundheitsschutz und faire Arbeit bei Amazon!


Ich will mehr Infos zu ver.di!

 

Solidaritätserklärung der Kolleginnen und Kollegen in Italien

Brandizzo, 4. Juli 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir haben von eurem Streik an einigen Amazon-Standorten in Deutschland aufgrund der zahlreichen Covid-19-Fälle unter den Lagerarbeitern gehört. Wir schätzen eure Initiative und möchten euch unsere volle Solidarität aussprechen. Wir arbeiten in der Auslieferungsstation DPI2 in Brandizzo bei Turin, Italien. Im März mussten wir ebenfalls eine sehr schwierige Situation durchstehen, als das Amazon-Management das Problem unterschätzte, Versammlungen erlaubte und vom Tragen von Masken abriet, ohne die Produktionsmenge zu reduzieren. Wir mussten deshalb darum kämpfen, mit den höchsten Sicherheitsvorkehrungen arbeiten zu können.

Wir denken, dass es nützlich ist, eine Verbindung zwischen den verschiedenen Arbeitern und Gewerkschaften bei Amazon in Europa zu schaffen, um Informationen und Vorschläge auszutauschen und um vielleicht auch eines Tages Initiativen zu gründen, um gemeinsam zu mobilisieren. Gerade in dieser Zeit sehen wir klar die Notwendigkeit für eine Europäische Gewerkschaft, um uns den Herausforderungen stellen zu können, die die großen Unternehmen in Europa den Arbeitern aufbürden.

Einer der Slogans von Amazon ist: Denke groß, arbeite hart, mach Geschichte. Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wir arbeiten in dieser Weise, aber immer im Interesse der internationalen Arbeiterklasse!

Die besten Wünsche für euren und unseren Kampf!

Unternehmens-Gewerkschaftsvertreter von AMAZON ITALIA TRANSPORT s.r.l. und ICTS ITALIA s.r.l. in DPI2- Brandizzo – Italien

 

Mehr Infos zu ver.di bei Amazon auf unserer Übersichtsseite:

Monster küsst Aktive an Streikposten
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