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Gewerkschaften fordern Maßnahmen gegen Amazon

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Gewerkschaften fordern Maßnahmen gegen Amazon

Brief an EU-Kommission verlangt Untersuchung illegaler Praktiken
Amazon auf einem Smartphone Gerd Altmann / Pixabay Amazon Handy

30. September 2020. Vertreterinnen und Vertreter von Gewerkschaften aus 15 europäischen Ländern, die zusammen mehr als zwölf Millionen Beschäftigte vertreten, haben in einem gemeinsamen Schreiben an die EU-Kommission gegen die Überwachung der Belegschaften durch den Handelskonzern Amazon protestiert. In dem Brief, der auch vom ver.di-Vorsitzenden Frank Werneke und ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger unterzeichnet wurde, wird die Kommission aufgefordert, „eine Untersuchung über möglicherweise illegale Tätigkeiten von Amazon gegen Beschäftigte dieses Unternehmens in Europa“ einzuleiten.

In den vergangenen Wochen hatte es wiederholt Enthüllungen über die Bespitzelung von Kolleginnen und Kollegen durch den Tech-Giganten gegeben. So offenbarte eine Studie, wie Amazon-Mitarbeiter*innen in den USA kontrolliert und überwacht werden. Demnach gibt es ein eigenes Team, das Kommentare von Beschäftigten in den sozialen Netzwerken auswertet. In einer laut Amazon „versehentlich“ veröffentlichten Stellenanzeige hatte der Konzern sogar Geheimdienstler gesucht, die das Unternehmen bei der Abwehr von Gefahren unterstützen sollten. Eine dieser Bedrohungen: Gewerkschaften.

In dem Schreiben an die EU-Kommission heißt es deshalb: „Die von Amazon geplante Intensivierung der Arbeitnehmer-Überwachung in Europa und in der ganzen Welt ist ein weiterer Beleg dafür, dass die EU-Einrichtungen die Geschäfts- und Arbeitsplatzpraktiken von Amazon auf dem ganzen Kontinent genauer untersuchen müssen, da wir vermuten, dass sie gegen die für unsere Bürgerinnen und Bürger in Europa geltenden Arbeitsgesetze, Datenschutzgesetze und Persönlichkeitsrechte verstoßen.“

Oliver Roethig, Regionalsekretär der internationalen Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, der auch ver.di angehört, fordert deshalb sofortiges Handeln: „Das vom reichsten Mann der Welt geführte Unternehmen spioniert einige der am schlechtesten bezahlten Arbeitnehmer in der EU aus. Gestützt auf seine Daten-Monopolmacht führt Amazon den Angriff auf die Rechte der Arbeitnehmer an, um deren Bemühungen zur Verbesserung ihrer Bedingungen zunichte zu machen.“ Für UNI-Generalsekretärin Christy Hoffman zeigen die jüngsten Enthüllungen, „wie tief verwurzelt die antigewerkschaftliche Ideologie dieses Unternehmens ist“. Hoffman weiter: „Wir haben auch von der Angst der Beschäftigten gehört, am Arbeitsplatz ihre Stimme zu erheben, und wir haben gesehen, dass Vergeltungsmaßnahmen gegen Gewerkschaftsbefürworter ergriffen werden. Es ist jedoch erfreulich, dass sich Amazon-Angestellte trotz schmutziger Tricks des Unternehmens weltweit für ihre Rechte einsetzen. Wir sind stolz darauf, ihnen dabei zur Seite zu stehen.“