Zukunft im Handel

Handelsverband Deutschland fordert Innenstadtfonds

Zukunft im Handel

Handelsverband Deutschland fordert Innenstadtfonds

ver.di spricht von Doppelbödigkeit und kritisiert strukturelle Fehlpolitik des HDE.
Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel Kay Herschelmann Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter der ver.di im Einzel- und Versandhandel

Der Handelsverband Deutschland (HDE) hat den maroden Handel selbst mitverschuldet – Jetzt fordert er einen staatlichen Unterstützungsfonds!

ver.di wirft dem HDE Doppelbödigkeit vor: Dieser fordert die Einrichtung eines "Innenstadtfonds" in Höhe von 500 Millionen Euro, um damit vermeintlich der Verödung der Innenstädte entgegenzuwirken.

"Tarifflucht, immense Flächenexpansion auf der sogenannten grünen Wiese, immer mehr Einkaufscenter, verlängerte Öffnungszeiten und Preiskriege haben den Vernichtungswettbewerb im Handel massiv beschleunigt", erklärte dazu am 27. Juli 2020 Orhan Akman, bei ver.di verantwortlich für den Einzel- und Versandhandel.

"Der Unternehmerverband HDE hat diese verfehlte Politik mitgetragen und oftmals selber gefördert, zeigt sich nun aber verwundert über das Ladensterben in der Branche und das Veröden der Innenstädte."

Solange der HDE an dieser strukturellen Fehlpolitik festhält, helfen keine Fonds, die Steuerzahlende zu tragen haben.

Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzel- und Versandhandel

Die vom HDE unterstützte Tarifflucht habe den Verdrängungswettbewerb unter anderem durch die Verweigerung allgemeinverbindlicher Tarifverträge für alle Beschäftigten im Einzelhandel "enorm geschürt und Löhne und Gehälter zum Spielball des Verdrängungswettbewerbs gemacht", so Akman.

De facto gäbe es den vom HDE geforderten Fonds bereits, kommentierte der Gewerkschafter die Forderung: Weil die Löhne im Einzelhandel oft zu niedrig zum Leben seien, springe der Staat mit Aufstockungsleistungen ein.

Jüngsten Zahlen der Bundesanstalt für Arbeit zufolge beziehen 13,5 Prozent der im Lebensmittelverkauf beschäftigten Hilfskräfte zusätzlich zu ihrem Gehalt Leistungen nach Hartz IV. Selbst bei den sozialversicherungspflichtig beschäftigten Verkaufsfachkräften liegt der Anteil mit 3,6 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im berufsübergreifenden Schnitt von 1,6 Prozent.

Akman dazu: "Die Beschäftigten werden ausgepresst bis zum Geht-nicht-mehr, und wenn das nicht reicht, wird nach dem Staat gerufen. Vielleicht sollte der Handelsverband in den eigenen Reihen erst einmal mit der Tarifflucht aufräumen. Stattdessen nimmt er, wie im Januar, auch noch einen Versandriesen wie Amazon als Mitglied ganz 'ohne Tarifbindung' (oT) auf, der dann auch noch extrem von der Coronavirus-Pandemie profitiert. Solange der HDE diese fatale Linie fortsetzt, ist ein neuer Fonds keine Lösung!"

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