Tarifrunden 2021

Sommer, Sonne, Streikzeit!

Sommer, Sonne, Streikzeit!

Beschäftigte im Handel lassen sich nicht spalten: Eure Almosen könnt ihr behalten!
Streikende Edeka-Beschäftigte am 14. Juni 2021 im bayerischen Asbach-Bäumenheim Sylwia Lech Streikposten bei Edeka Asbach-Bäumenheim

14. Juni 2021. Nachdem Kaufland und Lidl bereits angekündigt haben, die Löhne der Beschäftigten ab 1. Juni „freiwillig“ um drei Prozent anzuheben, will bofrost nun eine „Corona-Prämie“ von 500 Euro auszahlen. Doch auch solche minimalen Zugeständnisse der Unternehmen werden das Streikfeuer nicht löschen: Tabellenunwirksame Einmalzahlungen und magere Lohnerhöhungen sowie ein Mindestlohn, der immer noch unter 12,50 Euro bleibt, bringen keine nachhaltige Verbesserung und Absicherungen für die Kolleg*innen im Handel.

So geht man mit Superhelden nicht um!

Caroline Kirchhoff, ver.di

Die Almosen der Unternehmer haben die Kampfbereitschaft der Beschäftigten deshalb eher noch angestachelt. Unter dem Motto „Wir lassen uns nicht spalten!“ wurde in den vergangenen Tagen die Arbeit unter anderem in Stuttgart, Recklinghausen, Geldern und Möckmühl niedergelegt. Caroline Kirchhoff vom ver.di-Bezirk Heilbronn-Neckar-Franken erläutert: „Wenn die Inflationsrate wie gerade prognostiziert bei 4 Prozent liegt und die Beschäftigten kriegen 3 Prozent, dann haben sie am Ende weniger in der Tasche. Und das ist ein guter Grund für uns, auf die Straße zu gehen. Wir wurden beklatscht. Wir haben Schokolade bekommen. Wir wurden als Wonderwoman und Superman bezeichnet. So geht man mit Superhelden nicht um.“

Laut ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Katharina Kaupp führt die exklusive Erhöhung für Kaufland-Angestellte außerdem zu einer ungerechten Spaltung der Beschäftigten. Wenn es das Unternehmen wirklich gut mit den Kolleginnen und Kollegen meine, müsse es den Druck auf die anderen Arbeitgeber am Verhandlungstisch erhöhen und Gehaltssteigerungen für alle durchsetzen.

Eiszeit am Verhandlungstisch

In Niedersachsen und Bremen sind die Gespräche nach der zweiten Verhandlungsrunde am 10. Juni ergebnislos vertagt worden. Nach Umsatzrekorden in 2020, die von den Beschäftigten unter schwierigsten Bedingungen erwirtschaftet wurden, bieten die Unternehmer für 2021 nur eine Entgelterhöhung von nicht mal 1,0 Prozent an. Das ist eine Frechheit und zeigt 0,0 Prozent Wertschätzung und Anerkennung. ver.di hat das Angebot deshalb als unzumutbar abgelehnt.

Streikende am 11. Juni 2021 in Hamburg ver.di Handel Hamburg Streikende in Hamburg

Sommer, Sonne, Streiktag hieß es in der letzten Woche auch bei Penny in München, H&M in Augsburg, bei IKEA in Dresden, Braunschweig und Bremerhaven sowie bei den Lidl Zentrallagern in Anzing und Graben, bei Saturn in Düsseldorf und bei Edeka in Ellhofen. Breite Solidarität gab es auch unter den Kolleg*innen bei H&M, Esprit, Douglas und Primark in NRW. In Hamburg gab es ganztägige Warnstreiks im Lebensmittel- sowie im Buchhandel. Mit dabei waren unter anderem die Beschäftigten der Filialen von REWE, Penny, Netto, Marktkauf und Thalia.

Bei den Tarifverhandlungen stehen Existenzen auf dem Spiel, entsprechend zäh und nervenaufreibend gestalten sie sich oft genug. Dennoch lassen sich die Kolleg*innen den Spaß nicht verderben. So besuchten Kund*innen bestreikte Filialen von Edeka in Bayern, die aufgrund des Einsatzes von Streikbrechern noch geöffnet waren. Damit sich diese nicht langeweilten, luden die Besucher*innen Einkaufswagen voll, ließen sie dann aber stehen. In der Pfalz wurden vor der jüngsten Verhandlungsrunde „‘n Appel und ‘n Ei“ verteilt – denn dafür sind die Kolleginnen und Kollegen im Handel nicht zu bekommen!  

Mit Blick auf die nächsten Verhandlungsrunden zeigen die Beschäftigten also: Wir bleiben laut, motiviert und kämpferisch!


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