Tarifrunden 2021

Unternehmer verweigern Angebot

Unternehmer verweigern Angebot

Tarifrunden im Handel: Arbeitgeberverbände provozieren mit Verweigerungshaltung
Marktkauf-Beschäftigte protestieren am 19. Mai 2021 vor der Edeka-Zentrale in Minden ver.di Handel Streikposten vor Edeka in Minden

In den meisten Bundesländern haben die Tarifverhandlungen im Handel begonnen, und überall zeigt sich das gleiche Bild. Ob im Einzel- und Versandhandel oder auch im Groß- und Außenhandel haben die Arbeitgeberverbände bislang kein Angebot vorgelegt. Die Beschäftigten empfinden das als Provokation.

„Der Einzelhandel hat 2020 den höchsten Umsatzanstieg seit 1994 erwirtschaftet“, sagt Sabine Gatz, die für ver.di in Niedersachsen und Bremen die Verhandlungen für den Einzel- und Versandhandel führt. „Dieses Umsatzplus ist nicht allein auf den Internethandel zurückzuführen. Auch der stationäre Einzelhandel kann ein Plus von 4,3 Prozent vorweisen. Dieser enorme Zuwachs ist den Beschäftigten zu verdanken. Sie arbeiten unermüdlich und unter enormen Arbeitsbelastungen – und das nicht erst seit Corona.“ Ihre Kollegin Sandra Schmidt, die in beiden Bundesländern die Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden des Groß- und Außenhandels führt, ergänzt: „Nachdem die Beschäftigten in der Pandemie hervorragende Arbeit geleistet haben und dafür sorgten, dass der Groß- und Außenhandel Spitzenumsätze tätigen konnte, zeugt das Verhalten der Arbeitgeberseite von mangelnder Wertschätzung und ist ein Schlag ins Gesicht unserer Kolleginnen und Kollegen.“

In Hessen zeigte sich die Tarifkommission für den Einzel- und Versandhandel angesichts des „demonstrativ zur Schau gestellten geistigen ‚Vakuums‘“ der Arbeitgeberverbände in einem BR-Info „ziemlich rat- und fassungslos“. Hatten die Kolleginnen und Kollegen in den Gesprächen mit der Gegenseite doch anhand öffentlich zugänglicher Fakten nachweisen können, dass das übliche unternehmerische Jammern über das letzte Geschäftsjahr nur bei Einzel- und Versandhändlern wirklich angebracht ist, die lediglich etwas mehr als acht Prozent des gesamten Branchenumsatzes erzielten. „Dazu gehören Warenhäuser, Lederwaren- und Textilgeschäfte, die allerdings in ihrer Mehrheit trotz der Corona-Krise und ihrer Beschränkungen betriebswirtschaftlich nicht vor dem Ruin stehen. Demgegenüber haben Unternehmen – insbesondere der Bereiche Lebensmittel, Möbel, Baumaterial usw. – fast 92 Prozent des Umsatzes einstreichen können; für sie arbeiten 84 Prozent der Beschäftigten des gesamten Einzel- und Versandhandels.“

Deshalb haben in vielen Städten Warnstreiks begonnen. So legten in Nordrhein-Westfalen die Beschäftigten des Lebensmittel- und des Großhandels die Arbeit nieder. „Die Beschäftigten haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie auch in der jetzigen Situation bereit sind, ihren Protest auf die Straße zu bringen“, erklärt die nordrhein-westfälische ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. „Das setzen wir nun fort und halten den Druck weiter aufrecht. Die Beschäftigten haben ein faires erstes Angebot verdient!“


  Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

  Dann aber los jetzt - gemeinsam für bessere Löhne im Handel!