Beschäftigte streiken für nachhaltige tabellenwirksame Entgelterhöhungen und gegen Reallohnverluste

03.07.2023

In der Tarifrunde Handel 2023 kämpfen Tausende vor den Betrieben und auf der Straße um mehr Geld. Es geht um Anerkennung ihrer Arbeit. Wert Würde. Wir.

Deutschlandweit wurde in der vergangenen Woche an vielen Standorten gestreikt. Die Botschaft ist klar: Ohne uns kein Handel!

Während in Berlin und Brandenburg die Verhandlungen erst aufgenommen wurden, sind in mehreren anderen Bundesländern die Kolleginnen und Kollegen seit Wochen in Arbeitskämpfen. Besonders viel war und ist in NRW los, aber auch in anderen Teilen des Landes kämpfen die Beschäftigten geschlossen für das, was ihnen zusteht.

 

Handel in Bayern: Beschäftigte kämpfen für Existenzsicherung

„Beschäftigte im Handel werden unterdurchschnittlich bezahlt, sind aber überdurchschnittlich belastet und flexibilisiert. Die Preissteigerungen treffen sie noch härter als sie eh schon wirken. Deshalb sind sie so sauer und deshalb ist die Streikbereitschaft so hoch“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Einzelhandel.

„Arbeitgeber können nicht länger die Situation ihrer Beschäftigten ignorieren und müssen endlich ihre Verantwortung wahrnehmen. Mit ihrer Blockadehaltung am Verhandlungstisch und ihren Dumpingangeboten muss endlich Schluss sein“, erklärte Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Groß- und Außenhandel.

Die Tarifverhandlungen im bayerischen Groß- und Außenhandel gehen am 03.07.2023 in die vierte und im genossenschaftlichen Großhandel am 10.07.2023 in die dritte Runde. Die Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel werden am 12.07.2023 und im Buchhandel am 17.07.2023 fortgesetzt.

Buchhandel und Verlage in Bayern: 2. Tarifverhandlung endet enttäuschend!

Trotz engagierter Streikaktionen der Hugendubel-Beschäftigten in den letzten Wochen und einer Aktion der Streikenden von Hüthig Jehle Rehm während der Tarifverhandlungen, enttäuschte der zweite Anlauf die Erwartungshaltung der Beschäftigten. Die Streikenden und die ver.di-Tarifkommission gaben ein klares Stimmungsbild ab: Drastische Preissteigerungen haben die Beschäftigten in eine existenzielle Krise gebracht. Die Gefahr der Altersarmut ist massiv gestiegen.

Leider kam es zu keinerlei Verhandlungsfortschritt und die Arbeitgeber blieben bei ihrem ersten Angebot. ver.di kündigte nun eine Ausweitung der Streikaktionen an. Die nächste Verhandlung findet am 17. Juli 2023 statt.

 

Groß- und Außenhandel NRW: mehr Druck vor der 4. Verhandlungsrunde am Freitag!

 

 
Einzelhandel streikt in Münster

Am Mittwoch, den 28.06.23, rief ver.di die Beschäftigten aus 23 Betrieben des Groß- und Außenhandels in NRW zum Streik auf. Zahlreiche Beschäftigte aus Unternehmen von Alliance Healthcare, AST Deutschland, bofrost, Edeka Foodservice, Schüco, Sonepar, Lekkerland, REWE, L. Stroetmann, Phoenix Pharmahandel, Sanacorp, ThermoFisher bis ThyssenKrupp Schulte und Jücker folgten dem Aufruf, um vor der vierten Verhandlungsrunde am Freitag nochmal ordentlich Druck zu machen!

„Am Freitag findet die vierte Verhandlungsrunde im Groß- und Außenhandel statt. Angesichts der hohen Inflation brauchen die Kolleginnen und Kollegen einen schnellen Abschluss mit nachhaltigen und tabellenwirksamen Entgelterhöhungen. Seit Ende April sind die Tarifverträge gekündigt und seitdem warten die Kolleginnen und Kollegen auf Entgelterhöhungen. Die Beschäftigten können sich die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber nicht mehr leisten und das zeigen sie mit ihren beeindruckenden Streiks“, so Silke Zimmer, Verhandlungsführerin für den Groß- und Außenhandel in NRW.

 

Einzel- und Versandhandel Hessen: „Streiks am Zahltag – wir präsentieren die Quittung“

„Grundrechte lassen sich nur verteidigen, indem sie umfassend wahrgenommen werden. Deshalb reagieren wir auf die von regionalen Arbeitgeberverbänden angedrohten und eingeleiteten Schadensersatzklagen nicht mit ‚wohlgefälligem‘ Rückzug, sondern mit weiteren Streiks am Zahltag dieses Monats“, erklärt Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel der ver.di Hessen und Verhandlungsführer für den hessischen Einzel- und Versandhandel: „So präsentieren wir ihnen auch die Quittung für ihre Missachtung der Bedürfnisse der Beschäftigten durch ein miserables Tarifangebot. Wer Streiks beenden will, kann dies schnell erreichen: 2,50 Euro mehr pro Stunde lautet unsere Forderung. Die Arbeitgeber sollten die Tarifverhandlungen am 5. Juli in Nordrhein-Westfalen und am 11. Juli in Hessen für ein abschlussfähiges Angebot nutzen.“

An der Demonstration und Kundgebung in Frankfurt beteiligen sich Beschäftigte aus Filialen folgender Unternehmen: Esprit, Galeria Karstadt Kaufhof, H&M Hennes & Mauritz, Ikea, Kaufland, Parfümerie Douglas, Primark, REWE/PENNY und Zara.

 

Groß- und Außenhandel in Sachsen: kein neues Angebot!

Am 22. Juni 2023 hat die zweite Verhandlungsrunde für den Groß- und Außenhandel in Sachsen stattgefunden. Die Arbeitgeber legten kein neues Angebot vor, trotz Sondierung in kleiner Runde konnte keine Annäherung erzielt werden.

 

 

„Die Arbeitgeber haben den Ernst der Lage für die Beschäftigten in der Branche nichtrealisiert.“

ver.di-Verhandlungsführerin Sylke Hustan

Für viele Beschäftigte ist die Lage existenzbedrohend, am Monatsende ist das Geld alle. Die Tendenz geht zu einem Zweitjob. Das ist eine sehr bedauerliche und gefährliche Entwicklung, denn es sind die Beschäftigten, die mit ihrer tagtäglichen Arbeit den Umsatz im Groß- und Außenhandel erarbeiten.

Die nächste Verhandlung findet am 19. Juli 2023 statt.