Tarifrunden 2021

Arbeitest du noch oder streikst du schon?

Arbeitest du noch oder streikst du schon?

Bundesweite Arbeitsniederlegungen im Handel zeigen: Unsere Solidarität ist stärker!
Streikposten am 21. September 2021 bei Häfele in Nagold ver.di Handel Baden-Württemberg Streikposten bei Häfele in Nagold

28. September 2021. Hinsichtlich der laufenden Tarifrunden im Handel war die vergangene Woche vor allem von zwei Dingen geprägt: der Sturheit und Respektlosigkeit der Unternehmer auf der einen Seite, aber viel stärker noch von der Entschlossen- und Geschlossenheit, mit der die Beschäftigten des Handels ihnen auch weiterhin bundesweit entgegentreten. Und dabei bleibt es, bis auch die begriffsstutzigsten Manager verstanden haben: Ohne uns kein Handel!

So zum Beispiel im baden-württembergischen Nagold, wo die Beschäftigten des Vertriebszentrums von Häfele ab dem 21. September die Arbeit gleich für mehrere Tage niederlegten. Eine Streikbeteiligung von mehr als 90 Prozent war eine deutliche Botschaft an die Unternehmer: Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen! Sie verlangen für die nächste Verhandlungsrunde im baden-württembergischen Groß- und Außenhandel ein vernünftiges Angebot der Unternehmerseite.

Streikende Ikea-Beschäftigte am 21. September 2021 ver.di Handel Streikende Ikea-Beschäftigte am 21. September 2021

Bundesweite Streiks bei IKEA

Ein ganz besonderes Zeichen im Kampf für gerechten Lohn setzten die Beschäftigten von IKEA – mit einem bundesweiten Streiktag am 21. September. Dabei wurde einerseits Druck gemacht, um in der aktuellen Verhandlungsrunde zu einem guten Tarifabschluss zu kommen. Andererseits wurde auf den Tarifvertrag Zukunft.Ikea aufmerksam gemacht, mit dem IKEA-Kolleg*innen endlich auch im Bereich der Digitalisierung ernstgenommen werden wollen. Wie wichtig den Beschäftigten ihre Forderungen sind, sollte die IKEA-Führung auch durch die erneut hohe Beteiligung am Ausstand verstanden haben. Mit von der Partie waren diesmal u. a. Kolleg*innen von IKEA in Hamburg, Duisburg, Kaarst, Dresden, Erfurt, Magdeburg, Großburgwedel, Kassel, Wallau und Kaiserslautern. Besonders erfreulich war zudem die betriebsübergreifende Unterstützung, die die Streikenden z. B. von Kolleg*innen von Kaufland in Gotha, Suhl und Sömmerda erhielten.

Zahlreiche Streiks und eine sehr lange Mittagspause

Auch abseits von IKEA wurde letzte Woche vielfach gestreikt, z. B. im Groß- und Außenhandel in Hamburg: Am 23. September machten Beschäftigte von Metro-Märkten in den Hamburger Stadtteilen Altona, Niendorf und Harburg, bei Carl Spaeter und Heinrich Schütt im Stahlhandel sowie bei Matthies Motorradteile in Stellingen ihren Bossen  mit einem Warnstreik klar, dass sie für den nächsten Verhandlungstermin am 27. September ein verhandlungsfähiges Angebot erwarteten. Weitere Streiks gab es in Hessen – am 20. September mit einem Streik- und Aktionstag im Einzelhandel vor REWE in Rosbach sowie am 23. September mit einem ganztägigen Streik beim Pharmagroßhändler Alliance Healthcare in Frankfurt.

Besonders stürmisch wurde es zudem in Sachsen und Thüringen. Nachdem Beschäftigte von IKEA in Magdeburg und den EDEKA-Centern Schönebeck und Haldensleben bereits ab dem  21. September in einen mehrtägigen Streik getreten waren, wurde am 23. September auch in Kaufland-Filialen in Dresden und Ostsachsen sowie bei IKEA in Dresden für eine angemessene Tariferhöhung im Einzel- und Versandhandel die Arbeit niedergelegt. Weiter ging es am vergangenen Freitag dann mit Streikkundgebungen in Freiberg (Sachsen) und Altenburg (Thüringen), an denen sich Beschäftigte aus über 25 Betrieben des Einzelhandels beteiligten, darunter Kaufland, Edeka, IKEA, H&M, Aldi und Primark.

Streikende am 24. September 2021 vor dem Lidl-Zentrallager in Graben Sylwia Lech Streikende vor dem Lidl-Zentrallager in Graben

Eine Überraschung erlebten außerdem die Unternehmer im bayerischen Augsburg. Da diese weiterhin an ihren Spaltungsversuchen festhalten, legten dort am 22. September die Beschäftigten von H&M City Galerie, H&M Moritzplatz, ZARA City Galerie und dem Lidl- Zentrallager Graben pünktlich zur Mittagspause ohne Vorankündigung die Arbeit nieder. Der Streik dauerte bis zum Folgetag an und zeigte deutlich: „Unsere Solidarität ist stärker!"

Erneut ergebnislose Verhandlungsrunden

Wieder einmal standen in der letzten Woche zudem Verhandlungsrunden auf dem Programm – mit wieder einmal inakzeptablen Resultaten. In Stuttgart z.B. fand am 20. September die bereits fünfte Verhandlungsrunde im baden-württembergischen Groß- und Außenhandel statt. Dabei legten die Arbeitgeberverbände zwar ein neues, „verbessertes“ Angebot vor, dieses ist jedoch weiterhin viel zu gering und bietet den Beschäftigten lediglich minimale Einkommenssteigerungen, die nicht einmal die Preissteigerungsraten ausgleichen. Wie die Antwort der Branchenbeschäftigten aussehen wird, machten am Donnerstag schon mal die Kolleg*innen im Einzelhandel mit einem Streiktag in Heilbronn deutlich. Dort gingen Beschäftigte der Kaufland-Filialen Bad Rappenau, Künzelsau, Öhringen, Schwäbisch Hall und Heilbronn Stuttgarter Str. sowie der H&M-Filiale Heilbronn gemeinsam auf die Straße und verliehen ihren Forderungen nach einer fairen Tariflohnerhöhung gemeinsam Nachdruck.

Ähnlich war es in Rheinland-Pfalz, wo am 22. September auch die vierte Verhandlungsrunde im Einzelhandel ohne Ergebnis blieb. Selbst nach einem zehnstündigen Verhandlungsmarathon gab es dort nicht einmal ein verbessertes Angebot! Rückendeckung erhielten die Verhandlungsführenden von rund 500 Streikenden, u. a. von H&M, IKEA und Primark in Kaiserslautern, KVB Nieder-Olm und Kaufland Grünstadt. Angesichts der sturen Haltung der Unternehmer ist schon jetzt klar: Weitere Streiks werden folgen!

Noch länger dauerten ebenfalls am 22. September die Verhandlungen im NRW-Einzelhandel. In der mittlerweile sechsten Verhandlungsrunde gab es nach unfassbaren zwölf Verhandlungsstunden auch in Recklinghausen kein neues Angebot – und nicht mal einen neuen Termin! Mit dieser Unverfrorenheit haben die Unternehmer den heraufziehenden stürmischen Herbst selbst zu verantworten. Ein erstes Warnzeichen gaben schon am 20. September Beschäftigte von Primark in Gelsenkirchen und in Essen sowie von H&M, Esprit Outlet und Primark aus dem ver.di-Bezirk Düssel-Rhein-Wupper, gefolgt von den IKEA-Streiks am Tag darauf. Und es ist klar: Das war erst der Herbstbeginn! Dies gilt auch für den Groß - und Außenhandel und den Pharmahandel. Dort streikten am 23. September zunächst Kolleg*innen von Wera Werkzeuge aus Wuppertal und Sanacorp in Düsseldorf, am Folgetag dann Beschäftigte von Metro Schwelm und – zum ersten Mal dabei – von Hoberg & Driesch aus Düsseldorf Rath. Herzlich willkommen in der Streikfamilie!


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