Tarifrunden 2021

Ohne uns kein Geschäft!

Ohne uns kein Geschäft!

Streiks gehen bundesweit weiter. Verhandlungsauftakt in Berlin
Streikposten am 25. Juni 2021 vor dem Lidl-Zentrallager in Graben ver.di Handel Bayern Streik bei Lidl in Graben

28. Juni 2021. Der Kampf für faire Tarifverträge geht weiter! Auch die letzte Woche stand bundesweit ganz im Zeichen der Tarifrunde 2021 – mit der Fortsetzung der Verhandlungen und Streikaktionen tausender Beschäftigter in ganz Deutschland. Im Verlauf der Woche vom 21. bis 27. Juni war vor allem im Einzel- und Versandhandel vielerorts zu Streiks und Kundgebungen aufgerufen worden. Dabei vermittelten die Beschäftigten den Unternehmen eine deutliche Botschaft: „Ohne uns kein Handel!“

„Mega-Streik“ in NRW

Besonders heiß her ging es in Nordrhein-Westfalen. Am Donnerstag kam es als Reaktion auf das ergebnislose Vertagen der Tarifverhandlungen zu einem landesweiten „Mega-Streiktag“ mit tausenden Teilnehmenden und einer von über 2000 Kolleginnen und Kollegen besuchten zentralen Kundgebung in Bochum. Daran beteiligten sich neben Beschäftigten des Einzelhandels auch Streikende aus dem Groß- und Außenhandel, die vor der bevorstehenden Verhandlungsrunde ein Zeichen setzen wollten. An den Streiks, die sich auch am 25. und 26. Juni fortsetzten, beteiligten sich Beschäftigte von Douglas in Bielefeld und Düsseldorf, Saturn in Düsseldorf, Bielefeld und Essen, Primark in Düsseldorf, Bielefeld und Dortmund, Esprit in Düsseldorf und Ratingen, H&M in Hilden, Dortmund und Bonn Bad Godesberg, Stricker in Münster, TK Maxx in Dortmund, Metro Essen, bofrost Dormagen, Smyths Toys Duisburg, Trinkkontor Duisburg, Phoenix Pharmahandel Bielefeld, Marktkauf in Gelsenkirchen, Sundern, Münster-Loddenheide, Gievenbeck, Ibbenbüren, Lage, Oldentrup, Gadderbaum, Sennestadt, Lemgo und Baumheide, Kaufland in Geldern, Ruhrpark Bochum, Marl-Hüls, Bottrop, Dortmund Hombruch, Dortmund Bornstraße, Arnsberg, Beckum, Schwerte sowie Herten und des Porta Zentrallagers in Frechen.  Mit ihrer großen Geschlossenheit zeigten die Beschäftigten des Handels den Arbeitgeberverbänden einmal mehr, dass sie sich nicht durch hanebüchene Einzelangebote spalten lassen.

Streikende am 24. Juni 2021 bei der landesweiten Kundgebung in Bochum ver.di Handel NRW Streikkundgebung in Bochum

Die Beschäftigten wehren sich – deutschlandweit

Auch in anderen Teilen Deutschlands traten Beschäftige engagiert für faire Tarifverträge ein. So legten am 25. und 26. Juni in Hamburg rund 500 Beschäftigte des Versand- und Einzelhandelsdie Arbeit nieder. Betroffen waren Zara, H&M Sales und H&M Logistik, Primark, Douglas, Thalia, Hermes Fulfillment, IKEA, REWE/Penny, Netto, Marktkauf und Kaufland.

In Erfurt kamen am 23. Juni rund 200 streikende Kolleg*innen aus insgesamt 13 Filialen von IKEA, H&M und Kaufland in der Innenstadt zusammen. Eine gemeinsame Streikversammlung fand am 25.06. auch in Chemnitz statt, wo sich Beschäftigte von Netto-Filialen aus den Regionen Chemnitz-Erzgebirge und Vogtland-Zwickau sowie Kaufland Burgstädt vereinten.

Dass der Tarifkampf auch am Wochenende keine Pause kennt, zeigten Beschäftigte von IKEA Kassel am 26. Juni. Und auch Beschäftigte verschiedener Betriebe im niedersächsischen Bezirk Weser-Ems beteiligten sich am Samstag erneut an einem Warnstreik. Dort hatten Kolleg*innen des Handels in Oldenburg, Delmenhorst, Wilhelmshaven und Osnabrück bereits am 25.06. für ein deutliches Signal an den Arbeitgeberverband gesorgt. Und in Hannover verschafften Beschäftigte von H&M, Primark, Zara, Douglas und den EDEKA Centern Walsrode und Springe den Unternehmern am Freitag ein ungemütliches Ende der Woche.

Auftakt in Berlin und Brandenburg

In Berlin und Brandenburg fand am vergangenen Freitag die erste Tarifverhandlung für den Einzelhandel statt. Weil sich die dortigen Arbeitgeberverbände der starren und Haltung ichrer Kollegen in anderen Bundesländern angeschlossen haben, dürfen sich nun ebenfalls auf Streiks im Einzelhandel einstellen -- wie es im Großhandel schon der Fall ist. Im Pharma-Großhandel legten mehr als 130 Kolleginnen und Kollegen am 23. Juni die Arbeit bei Alliance Health Care Berlin, Gehe Berlin, Sanacorp in Potsdam und Phoenix Berlin nieder -- ein Zeichen gegen Reallohnverlust und ein "Dank" für monatelange Überstunden.

Zweitägiger Streik gegen Tarifflucht bei Thalia in Hamburg ver.di Handel Hamburg Streik bei Thalia in Hamburg

Viel los war auch in Bayern, wo unter dem Motto „Ohne uns kein Handel!“ am 21. und 22. Juni der zweite Streik beim STAHLGRUBER GmbH Logistik Zentrum in Sulzbach-Rosenberg die Woche einläutete. Am 22.6. wurde zudem das Gewerbegebiet am Lidl Deutschland Zentrallager in Anzing mit einer zweistündigen Demo zum Stocken gebracht. Dass sowohl die Nerven als auch die Führungs- und Unternehmenskultur des Unternehmens starke Defizite aufweisen, offenbarte sich insbesondere, als der Marktleiter einer ansässigen Lidl-Filiale streikende Kollegen*innen bedrohte und beleidigte, sodass die Polizei eingreifen musste.

Am Mittwoch streikten die Kollegen*innen der Alliance Healthcare in München, am Donnerstag folgten Beschäftigte von Kaufland in Moosburg sowie von REWE/Penny und Kaufland in Bad Tölz. Zudem legten Beschäftigte von EDEKA Bäumenheim, Harburg und Wemding ihre Arbeit nieder und versammelten sich zu einer gemeinsamen Aktion vor der Filiale in Wemding. Am Freitag schließlich gingen in Regensburg Beschäftigte von Norma, Netto Marken-Discount, IKEA, Kaufland und ZARA in den gemeinsamen Arbeitskampf, während die Streikenden beim Lidl Zentrallager in Graben Unterstützung von Kolleg*innen von H&M und Zara aus Augsburg bekamen.

Auch in Rheinland-Pfalz machten Beschäftigte von H&M in Worms, Ludwigshafen und Kaiserslautern, dem Netto Großhandel Worms und der Alliance Healthcare Deutschland Ludwigshafen ihren Betrieben mit Warnstreiks eines ganz klar: „Ohne uns kein Geschäft!“

Streikserien und Premieren

Eine ganze besondere Leistung vollbrachten die Kolleg*innen des Saturn Flingern in Düsseldorf: Der Laden war am 26.06. zum achten Mal in Folge dicht! Ein deutliches Signal an das Unternehmen und ein starkes Zeichen der Solidarität innerhalb des Teams.

Streikende am 26. Juni 2021 in Chemnitz vor dem Karl-Marx-Kopf ver.di Handel SAT Streikende in Chemnitz

Genauso großartig wie solch routinierte Streik-Profis sind aber auch all jene, die zum ersten Mal den Mut und die Energie aufbringen, die Arbeit niederzulegen und ihren Bossen klarzumachen: So nicht! Geschehen ist dies am Donnerstag bei Massimo Dutti in München und am 21. Juni beim Edeka Foodservice Kleinmachnow und dem Rewe-Lager Oranienburg. Ähnlich war es am Samstag im niedersächsischen Wechloy, wo Beschäftigte von H&M gemeinsam mit Kolleg*innen aus Oldenburg und Delmenhorst trotz massiven Widerstandes durch das Centermanagement und nach stundenlanger Verhandlung mit der Polizei ihr Streikrecht für eine bessere Bezahlung im Handel durchgesetzt haben. Respekt!

Prime Day? Strike Day!

Bei Amazon wurde der "Prime Day" am 21. und 22. Juni erneut zum "Strike Day", denn die Rabattschlacht trägt der Multi auf dem Rücken der Beschäftigten aus, denen noch immer eine tarifvertragliche Entlohnung sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen verwehrt werden. Die Kolleg*innen an sieben Standorten des Konzerns machten den Prime Day mit mehrtägigen

Arbeitsniederlegungen jedoch zum Strike Day. Beteiligt waren Werne, Leipzig, Rheinberg, Koblenz, Graben und Bad Hersfeld (2 Standorte). Spontan wurden die Streiks teilweise verlängert, so dass die gesamte Woche im Zeichen von Aktionen bei Amazon stand. Orhan Akman, bei ver.di verantwortlich für Einzel- und Versandhandel, kommentierte: „Amazon benimmt sich wie ein Gutsherr, der bei guter Laune und schlechtem Image mal ein paar Wohltaten für seine Tagelöhner übrig hat, die ansonsten aber seiner Willkür ausgeliefert sind.“ Zum Prime Day konnten die Beschäftigten Amazon nun eindrucksvoll vermitteln: Schluss mit der Feudalherrschaft im Konzern – das Lohnmittelalter ist vorbei!


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