Weitere Reallohnverluste sind nicht akzeptabel!

21.07.2023
GAH Streik bei REWE Mitarbeitende von REWE Hessen streiken

Auch diese Woche verschärfen Arbeitgeber bundesweit den Tarifkonflikt. So im Groß- und Außenhandel in Bayern, wo ver.di in stundenlangen Sondierungen und Verhandlungen mehrere Versuche für einen Tarifabschluss unternommen hat und Arbeitgeber jeden Vorschlag ablehnten. Stattdessen nehmen sie Reallohnverluste und drohende Altersarmut der Belegschaft in Kauf. Ähnlich verliefen die Tarifrunden auch in den anderen Bundesländern. Das ist inakzeptabel! Die Kolleg*innen sind nach wie vor fest entschlossen diesem Verhalten mit weiteren Streikmaßnahmen und Aktionen entgegenzutreten!

 

Eins steht fest, die Beschäftigten werden sich gegen dieses existenzbedrohende Verhalten der Arbeitgeber mit weiteren Streiks wehren. Den Arbeitgebern muss klar sein, dass die Beschäftigten mit allen Mitteln gegen weitere Verluste kämpfen werden.

Thomas Gürlebeck, Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di

Auch in der 5. Tarifverhandlung keine Einigung im bayerischen Groß- und Außenhandel!

Die fünfte Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt des bayerischen Groß- und Außenhandels endete am Abend des 18.07.2023 ohne Einigung. Mit engagierten Streikaktionen in den letzten Wochen machten tausende Beschäftigte deutlich, dass sie endlich nachhaltige Entgelterhöhungen brauchen. Deshalb brachte die ver.di Verhandlungskommission dieses Engagement mit in die Verhandlungen. Für die Beschäftigten bedeutet diese Blockadehaltung, dass sie mit weiteren hohen und dramatischen Reallohnverlusten konfrontiert sind und die Arbeitgeber die drohende Altersarmut der Beschäftigten in Kauf nehmen.

„Das Verhalten der Arbeitgeber ist skandalös. Die anhaltenden dramatischen Einkommens- und Lebensrealitäten der Beschäftigten spielt für sie keine Rolle und es ist ihnen schlicht egal, ob die Beschäftigten ihren Lebensunterhalt noch würdevoll bestreiten können. Dass Fass zum Überlaufen bringt, dass die Arbeitgeber einerseits den hohen existenzgefährdenden finanziellen Druck der Beschäftigten bestätigen und gleichzeitig darauf bestehen weitere Reallohnverluste durchsetzen zu wollen,“ erklärte Thomas Gürlebeck, Verhandlungsführer der Gewerkschaft ver.di, nach den Verhandlungen.

Die nächsten Tarifverhandlungen finden am 28.08.2023 statt.

 

Dritte Tarifverhandlung für Groß- und Außenhandel/Verlage in Hessen: „Ausgleich der Preissteigerung bleibt für Arbeitgeber tabu“

„Wir verhandeln seit drei Monaten in der Zeit einer enorm steigenden Inflation, die alle Beschäftigten täglich viel Kaufkraft kostet, weil die Entgelte seit dem 1. April des letzten Jahres um nicht mehr als 1,7 Prozent angehoben wurden. Trotzdem bewegen sich die Arbeitgeber auch mit ihrem heutigen neuen Angebot noch in einer Größenordnung, die für uns völlig inakzeptabel ist. Bei einer offerierten Lohnerhöhung von 5,1 Prozent für 2023 und einer Durchschnittsinflation über 6 Prozent würden wir einen weiteren Kaufkraftverlust hinnehmen“, erklärt Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel der ver.di Hessen und Verhandlungsführer für den hessischen Groß- und Außenhandel/Verlage: „Da hilft auch keine Inflationsausgleichprämie, mit der immer wieder ‚gelockt‘ wird. Ihre Zahlung brutto für netto ist für die Haushalte der Beschäftigten ein ‚Strohfeuer‘, das nicht dauerhaft ‚wärmt‘. Wir brauchen echte Lohnsteigerungen deutlich über der Inflationsrate. Und da liegt offensichtlich das Problem: Schon ein Ausgleich der Preissteigerung bleibt für die Arbeitgeber tabu. Deshalb müssen die Verhandlungen an dieser Stelle immer wieder ohne Chance auf Einigung bleiben. Wir werden also weiterhin auf Streiks und Aktionen setzen, bis die Arbeitgeber einen sozialpolitischen Weg einschlagen, der den Tarifkonflikt auch wirklich lösen kann.“

Die nächsten Tarifverhandlungen finden am Freitag, 8. September 2023, statt.

 
Streikende im Lager Breuna

Handel in Nordrhein-Westfalen: Streik geht in die Verlängerung!

 

Obwohl die Tarifverträge bereits Ende April ausgelaufen sind, haben die Arbeitgeber bis heute keine Angebote vorgelegt, die den dramatischen Preissteigerungen etwas entgegensetzen. Die Arbeitgeber haben daher die Chance verpasst, den Beschäftigten zu zeigen, dass sie ihre Nöte ernst nehmen. Deshalb bekommen sie jetzt die Antwort aus den Betrieben.

Silke Zimmer, Verhandlungsführerin für den Groß- und Außenhandel NRW

ver.di NRW verstärkt den Druck auf die Arbeitgeber bei den laufenden Tarifverhandlungen für existenzsichernde Einkommen im Handel. Bislang haben die Arbeitgeber in den Verhandlungen kein akzeptables Angebot liefern können. Daher wurden die Beschäftigten in ausgewählten Betrieben auch am Dienstag, den 18.07.2023 zu Streiks aufgerufen. Aufgerufen wurden zahlreiche Beschäftigte des Groß- und Außenhandels, sowie des Einzelhandels.

Nach intensiven Verhandlungen am 05. Juli erbaten die Arbeitgeber im Einzelhandel eine Unterbrechung der vierten Verhandlungsrunde bis zum 13. Juli. Diesen Termin sagten sie im Nachgang ab und verschoben die weiteren Verhandlungen auf den 07. August. Die Tarifverhandlungen für den Groß- und Außenhandel werden am 15. August fortgesetzt.

 

Dritte Tarifverhandlung im bayerischen Buchhandel und bei Verlagen endet ohne Ergebnis: Für einen Tarifabschluss trennen uns Welten!

Die dritte Tarifverhandlung endet für die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei Verlagen ohne Ergebnis. Im Vorfeld machten Beschäftigte eindrucksvoll, in verschiedenen Aktionen und Streiks, ihre schwierige Situation deutlich. Angst um die eigene Existenz und Angst vor der drohenden Altersarmut waren dabei das bestimmende Bild. Die Arbeitgeber machten zwar ein neues Angebot, dies liegt aber aus Sicht der Beschäftigtenvertreter weit weg von einem möglichen Tarifabschluss.

„Menschen mit unterdurchschnittlichen Einkommen sind von den massiven Preissteigerungen besonders hart betroffen. Viele Beschäftigte befinden sich in einer existenziellen Krise und wissen nicht mehr, wovon sie notwendige Ausgaben bezahlen sollen. Ein Angebot von 57 Cent mehr in der Stunde, bedeutet weitere Reallohnverluste und ist im Kampf gegen die Altersarmut nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, empört sich Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer.

 

Vierte Verhandlungsrunde im Einzelhandel in Baden-Württemberg: ohne Ergebnis!

 

Mit den angebotenen tabellenwirksamen Erhöhungen werden absehbar nicht einmal die zu erwartenden Preissteigerungen in diesem und im nächsten Jahr ausgeglichen. Damit ist eine erneute Reallohnsenkung vorprogrammiert. Es reicht bei weitem noch nicht, um zu einem Abschluss zu kommen.

ver.di-Verhandlungsführer in BaWü, Wolfgang Krüger

Am Montag, den 17. Juli, ging auch die vierte Runde der Tarifverhandlungen über Gehälter und Löhne für die Beschäftigten im baden-württembergischen Einzelhandel in Stuttgart-Weilimdorf ohne Ergebnis zu Ende. Die Arbeitgeber legten zwar ein neues verbessertes Angebot vor, dies wurde jedoch von ver.di als unzureichend abgelehnt. Die Tarifvertragsparteien wollen die Gespräche zeitnah fortsetzen und suchen dafür noch einen Termin. Die Warnstreiks werden unvermindert fortgesetzt.

 

Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und Saarland: Vierte Runde ohne Lösung!

Auch die vierte Tarifverhandlung für die Beschäftigten im rheinland-pfälzischen Einzelhandel endet ohne Ergebnis. Am 1. Mai 2023 war der Tarifvertrag bereits ausgelaufen. Seitdem kämpfen die Verkäuferinnen und Verkäufer für eine angemessene Tariferhöhung.

„Die Kolleginnen und Kollegen sind jetzt in der elften Woche im Arbeitskampf und sie sind bereit, das auch in den kommenden Wochen fortzusetzen, bis die Arbeitgeber endlich auf die Forderung der ver.di-Tarifkommission eingehen. Die Arbeitgeber bieten derzeit einen Reallohnverlust an, das lassen sich die Beschäftigten im Handel nicht bieten“, so die ver.di-Verhandlungsführerin, Monika Di Silvestre.

Auch heute ist das Angebot von 5,3 Prozent auf die Einkommenstabelle und 450 Euro Einmalzahlung als Inflationsausgleichsprämie bei drei Nullmonaten im ersten Jahr weit unter der Inflationsrate. Dies entspräche in der Ecklohngruppe lediglich einer Erhöhung von 0,92 Euro je Arbeitsstunde. Im zweiten Jahr beinhaltete das Angebot eine Erhöhung um weitere 3,1 Prozent auf die Einkommenstabelle, was die prekäre Situation der Einzelhandelsbeschäftigten unter der derzeitigen Inflationsrate weiter verschärfen würde.

„Es ist ungeheuerlich, wie lange die Arbeitgeber die Kolleginnen und Kollegen hinhalten. Jetzt beginnen die Ferien in Rheinland-Pfalz, viele können sich einen Besuch im Schwimmbad, den Gang zur Eisdiele oder in Freizeitparks gar nicht leisten. Und an eine Urlaubsreise mit der Familie ist erst recht nicht zu denken. Das Geld wird für Lebensmittel, Lehrmittel für die Schule und für die Quartalsrechnungen benötigt. Viele wissen zum 20. eines Monats nicht mehr, wie sie noch zur Arbeit kommen sollen, weil das Geld fehlt, um zum Beispiel das Auto zu betanken“, erklärt die Di Silvestre weiter.

„Wir werden die Streiks im Handel weiter ausbauen. Die Kolleginnen und Kollegen sind stinksauer und bereit, bis in den Herbst hinein oder auch bis zum Weihnachtsgeschäft zu streiken. Sie wollen für ihre gute Arbeit nicht nur Anerkennung durch schöne Worte, sie fordern den Respekt auch in Form eines Einkommens, das ihnen ermöglicht, die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten zu bezahlen und später in der Rente ein würdevolles Leben führen zu können“, so Monika Di Silvestre abschließend.

Die nächste Verhandlung findet am 30. August 2023 statt.