Bundesweite Streikwelle auf Hochtouren!

Die Tarifrunde Handel 2023 geht weiter.
23.06.2023

23. Juni 2023 Weiter geht’s! Diese Woche waren bundesweit von Bayern bis Sachsen-Anhalt tausende Beschäftigte aus dem Einzel- und Versandhandel, sowie im Bereich Groß- und Außenhandel, auf den Barrikaden. Ihre Forderungen? Gerechtfertigt. Ein Entgegenkommen seitens der Unternehmen? Noch nicht in Sicht. Dabei sollte mittlerweile klar sein: ohne uns kein Handel!

 

Tarifverhandlungen in Bayern

 
Streik in Bayern

Das Verhalten der Arbeitgeber in den Tarifverhandlungen in Bayern ist äußerst respektlos. Die Beschäftigten haben klare Forderungen gestellt, darunter im Groß- und Außenhandel eine tabellenwirksame Erhöhung der Entgelte um 13% und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 250 €. Im Einzelhandel geht es um eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2,50 € in der Stunde. Diese Forderungen sind gerechtfertigt angesichts der hohen Lebensunterhaltkosten und der drohenden Altersarmut, mit der viele Beschäftigte konfrontiert sind.

Die Beschäftigten haben ihre Forderungen mit unzähligen Aktionen und der Teilnahme tausender mutiger Beschäftigter deutlich zum Ausdruck gebracht. Diese Aktionen sollten den Arbeitgebern verdeutlichen, dass die Beschäftigten dringend höhere Gehälter benötigen und nicht bereit sind, billig abgespeist zu werden. Die Arbeitgeber haben jedoch nicht angemessen auf diese Aktionen reagiert und KEIN verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt. Die Arbeitgeber haben die wirtschaftliche Lage der Beschäftigten ignoriert und halten weiterhin an ihrem unrealistischen Angebot aus der ersten Verhandlungsrunde fest. Dies zeigt, dass den Arbeitgebern die finanziellen Probleme der Beschäftigten und ihre Sorgen um Altersarmut gleichgültig sind.

ver.di wird die Arbeitskampfmaßnahmen massiv ausweiten, um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen und für gerechte Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Die Tarifverhandlungen im bayerischen Groß- und Außenhandel gehen am 03.07.2023 in die vierte und im genossenschaftlichen Großhandel am 10.07.2023 in die dritte Runde. Die Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel werden am 12.07.2023 und im Buchhandel am 27.06.2023 fortgesetzt.

 

Groß- und Außenhandel Sachsen-Anhalt

Die zweite Tarifverhandlung für die Beschäftigten endete am 20. Juni 2023 ergebnislos. Wie schon in der ersten Verhandlungsrunde, weigerten sich die Arbeitgeber ein abschlussfähiges Angebot vorzulegen. Stattdessen wird versucht Beschäftigte mit Streikbruchprämien vom notwendigen und legalen Recht zum Streik abzuhalten! Klar ist: den Arbeitgebern sind die großen finanziellen Herausforderungen, steigende Lebenshaltungskosten und drohende Altersarmut der Beschäftigten schlicht egal. Ver.di fordert 13 % Entgelterhöhung, aber mindestens 400€.

Die Arbeitgeber zwingen uns in den Streik. Jetzt muss es losgehen!

 

Groß- und Außenhandel in Thüringen

Erstmalige Streikaktion am 20. Juni 2023 im Selgros-Markt in Gera: „Die Kolleginnen und Kollegen im Großhandel haben eine hohe Erwartungshaltung an die diesjährige Tarifrunde und sind sehr verärgert über das sehr niedrige Angebot der Arbeitgeber in der ersten Verhandlung. Die Beschäftigten benötigen eine kräftige tabellenwirksame Entgelterhöhung, um die enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten zu stemmen“, erklärt Sylke Hustan, ver.di Verhandlungsführerin im Großhandel in Thüringen.

Das Angebot, das in der ersten Tarifrunde vom 5. Juni 2023 vorgelegt wurde, war völlig unzureichend, die Belegschaft dementsprechend verärgert. Die nächste Tarifverhandlung findet am 6. Juli 2023 in Erfurt statt.

 

Kauflandzentrale Neckarsulm

 
Streik bei Kaufland Neckarsulm

Im Tarifkonflikt im Einzelhandel haben vergangene Woche über 1.000 Beschäftigte aus etlichen Kaufland-Filialen in Baden-Württemberg sowie Bayern, Rheinland-Pfalz und dem Saarland ihre Arbeit niedergelegt und vor der Kauflandzentrale in Neckarsulm demonstriert.

Mit dieser Streikaktion will ver.di den Druck auf einen der größten Arbeitgeber der Branche deutlich erhöhen: Kaufland ist eines der am schnellsten wachsenden sowie profitabelsten Handelsunternehmen in Europa und als eines der einflussreichsten Mitglieder im Arbeitgeberverband maßgeblich am Verhandlungsgeschehen beteiligt.

Martin Gross, ver.di Landesbezirksleiter, sagte in Neckarsulm auf der Kundgebung: „Eure Arbeitgeber haben die Preise im Lebensmitteleinzelhandel binnen eines Jahres um weit über zwanzig Prozent erhöht. Und euch bieten sie gerade mal 7,5 Prozent auf zwei Jahre an. Das ist doppelt unanständig: Gewinne mitnehmen und die eigenen Beschäftigten im Regen stehen lassen.“

In den Tarifverhandlungen für den Einzelhandel in Baden-Württemberg gab es bisher auch keine Einigung zwischen den Arbeitgebern und Belegschaft. In der zweiten Verhandlungsrunde, die am 17. Mai stattfand, wurde ein Angebot der Arbeitgeber vorgelegt, das von ver.di als unzureichend abgelehnt wurde. Die dritte Verhandlungsrunde ist für diesen Freitag, den 23. Juni angesetzt und wird in Stuttgart-Weilimdorf stattfinden.

 

Groß- und Außenhandel in Baden-Württemberg

Trotz eines Austauschs in kleinerer Runde kam es zu keiner Annäherung. ver.di forderte die Arbeitgeber erneut auf, ihr Angebot aus der ersten Verhandlungsrunde am 4. Mai zu verbessern. Dies lehnten diese kategorisch ab und machten eine 24- monatige Laufzeit zur Grundvoraussetzung weiterer Angebote.

 

„Aus den Betrieben wird die angemessene Antwort nicht lange auf sich warten lassen. Der Ärger bei den Beschäftigten über das Verhalten der Arbeitgeber wird nun noch größer.“

ver.di-Verhandlungsführer Wolfgang Krüger

Seit der letzten Runde am 24. Mai fanden in etlichen Betrieben eintägige Warnstreiks statt, rund 2000 Beschäftigte beteiligten sich an den Streiks. ver.di wird weiter und verstärkt zu Warnstreiks aufrufen. Die vierte Verhandlungsrunde ist für den 5. Juli vereinbart worden.

 

 

 

 

 

Groß- und Außenhandel in Hessen

Die Verhandlungen kommen auch in Hessen nicht voran, da die Arbeitgeber ein Billigangebot gemacht haben. Die Beschäftigten haben als Reaktion in Betrieben wie den REWE-Lagern in Breuna und Neu-Isenburg die Arbeit niedergelegt, um ihre Tarifforderungen zu unterstützen. Unternehmen drohen nun gegen Streiks gerichtlich vorzugehen, sowie mit Schadenersatzklagen.

 

„Solche Angriffe auf das Streikrecht müssen von uns mit weiteren und stärkeren Arbeitskämpfen beantwortet werden“

Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel der ver.di Hessen

In der zweiten Tarifverhandlung haben die Arbeitgeber ein Angebot von 4 Prozent ab Dezember vorgelegt, was die Bedürfnisse der Beschäftigten schlichtweg ignoriert. Die Forderung nach einer Erhöhung der Löhne und Gehälter um 13 Prozent steht nach wie vor, sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen und eine Allgemeinverbindlicherklärung der Branchentarifverträge.

Marcel Schäuble: „Wer Streiks provoziert, sollte sich anschließend über sie nicht beschweren!“

Die nächsten Tarifverhandlungen sind für den 18. Juli 2023 geplant.

 

Galeria – noch immer kein tragfähiges Angebot

Die Arbeitgeberseite hat in der 6. Runde in der vergangenen Woche erneut kein zufriedenstellendes Angebot vorgelegt, was weiterhin zu Unzufriedenheit und finanziellen Problemen bei den Beschäftigten führt.

Die Gewinne, mit denen offiziell schon im nächsten Jahr gerechnet wird, müssen im Unternehmen bleiben und die Beschäftigten müssen fair entlohnt werden – das heißt mindestens auf dem Niveau der Flächentarifverträge. Doch die Unternehmensleitung behauptet, dass tarifliche Bezahlung nicht mehr »marktüblich« sei. Anders gesagt: Die Beschäftigten sollen die notwendigen Umbauten durch einen Verzicht auf anständige Bezahlung finanzieren. Nicht mit uns!