Tarifrunden 2021

Unsere Antwort? Kämpfen und Streiken!

Unsere Antwort? Kämpfen und Streiken!

Zahlreiche Streikaktionen bundesweit

 

 

Im Kampf für faire Tarifverträge hat die letzte Woche vor allem eines gezeigt: Ob Groß- und Außenhandel, Versand- oder Einzelhandel, die Beschäftigten lassen sich nicht unterkriegen – weder von den Kapriolen uneinsichtiger Arbeitgeber noch denen des Septemberwetters. Als Reaktion auf ausbleibende oder weiterhin eklatant unzureichende Verhandlungsangebote kam es bundesweit daher erneut zu zahlreichen Streikaktionen.

Streikende in Nossen ver.di Streik in Nossen am 09. September 21 - Beschäftigte bestreiken ein Rewe-Lager, unterstützt von anderen Beschäftigtem im Einzelhandel aus ganz Sachsen

 

Streiktag in NRW

In Nordrhein-Westfalen startete die letzte Woche mit der Sitzung der Großen Tarifkommission. Das weiterhin andauernde Schauspiel der Unternehmen und ihrer Verbände  – Hinhaltetaktik, Nullmonate, Spaltungsversuche und abgelehnte Kompromissvorschläge – ließ den Kolleg*innen dabei nur eine Antwort übrig: „KÄMPFEN UND STREIKEN!“ Hierzu rief ver.di die Beschäftigten im Einzelhandel sowie Groß- und Außenhandel zum landesweiten Streiktag am 09. September mit zentralen Kundgebungen in Dortmund auf.

Mit gutem Beispiel voran gingen hierbei die Beschäftigten bei Bofrost NL Hennef und dem Ikea Lager Dortmund, die bereits am 08.09. losstreikten. Am 09.09. kamen dann zahlreiche Betriebe aus ganz NRW hinzu, u. a. H&M sowie Edeka Foodservice in Herford und Minden, Sonepar Holzwickede, Metro C+C Neuss und Recklinghausen, EKN Schnellkauf in Viersen, EDEKA Duisburg Neudorf, Thermo Fisher Duisburg, Bofrost Dormagen, Primark und TK Maxx in Dortmund, Kaufland in Dortmund Hombruch und Marl-Hüls sowie – erstmals dabei! – TK Maxx Neuss. Die Streiks zogen sich vielerorts bis ins Wochenende hinein. 

Dass die Beschäftigten trotz der Blockadehaltung ihrer Arbeitgeber weiterhin voller Motivation und Kampfkraft sind, zeigte sich auf beeindruckende Weise bei den Demos des Streiktages – insbesondere der großen Streikkundgebung in Dortmund. Wer diese Gänsehautstimmung erlebt hat, weiß spätestens jetzt: Wir im Handel halten zusammen! Die Unternehmen und ihre Verbände haben das jedoch scheinbar noch immer nicht verstanden. Anders ist es kaum zu erklären, dass diese bei der Verhandlungsrunde am 10.09. kein neues Angebot für den Groß- und Außenhandel vorlegten. Als Reaktion auf diese Respektlosigkeit kann nur eines folgen: ein stürmischer Herbst!

 

Uneinsichtige Arbeitgeber verschärfen den Tarifkonflikt

Uneinsichtige Arbeitgeber gab es auch in Bayern. Dort verschärften diese den Tarifkonflikt, als sie nach zahlreichen Streikaktionen mit mehr als 1000 kämpferischen Streikenden bei der Tarifverhandlung am 07.09. weiterhin Verhandlungsfortschritte verweigerten. Was hatten sie davon? Eine Ausweitung der Streiks! So z. B. beim REWE Zentrallager in Buttenheim und beim Lidl Deutschland Zentrallager in Graben, wo die Streikbeteiligung von Streik zu Streik weiter wächst. Auch bei H&M City Galerie, H&M Moritzplatz und ZARA City Galerie in Augsburg wurde gestreikt – mit kurzer Unterbrechung von Montag bis Samstag!

Ähnlich war es in Sachsen, wo die Blockade der mit umfangreichen, teils tagelangen Streiks im Groß- und Außenhandel beantwortet wurde. So wurde beispielsweise das Rewe-Logistikzentrum in Nossen von Mittwoch bis Samstag bestreikt. Im Verlauf der Woche schlossen sich vielerorts Kolleg*innen des Einzelhandels den Streiks an, darunter Beschäftigte von verschiedenen Kaufland- und Netto-Filialen in den Regionen Chemnitz, Dresden und Ostsachsen, Marktkauf Chemnitz-Röhrsdorf, IKEA in Dresden und rund 100 Kolleg*innen von Primark, H&M, Aldi, Kaufland und Netto in Leipzig. Und auch in Thüringen traten erneut Beschäftigte aus zehn Einzelhandelsbetrieben in den Streik!

 

Tolle Aktionen bei jedem Wetter

Engagierte Streikende gingen trotz Starkregens auch in Hamburg auf die Straße und setzten die Streiks im Versand- und Einzelhandel fort. Daran beteiligten sich rund 300 Beschäftigte an mehreren Standorten von zehn Unternehmen: H&M, Zara, Primark, Rewe, Penny, Kaufland, Ikea, Galeria Karstadt Kaufhof, Douglas und Thalia. Im Kampf für eine deutliche Tariferhöhung machten sie ihren Arbeitgebern erneut klar: „Ohne uns kein Geschäft!“ In Niedersachsen dagegen fand am 09.09. ein Streik im Pharmagroßhandel statt – mit Kolleg*innen von Phoenix Hannover und Sanacorp Langenhagen.

 

Hier lautet der Anspruch der Arbeitgeber, abgesicherte Einkommen und faire Arbeitszeiten für die Beschäftigten im Zentrallager zu verweigern.

Bernhard Franke, ver.di-Landesfachbereichsleiter Handel Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg schließlich kam es im Laufe der Woche zu einer Reihe ganz unterschiedlicher Aktionen. So forderten die Beschäftigten der FARBTEX GmbH am 08.09. bei einem Warnstreik am Zentrallager in Herrenberg (Region Stuttgart): „Her mit dem Tarifvertrag!“ Denn: „hier lautet der Anspruch der Arbeitgeber, abgesicherte Einkommen und faire Arbeitszeiten für die Beschäftigten im Zentrallager zu verweigern“, so Bernhard Franke, ver.di-Landesfachbereichsleiter Handel Baden-Württemberg. Wir bleiben dran und fordern den Anerkennungstarifvertrag!

Im Einzel- und Versandhandel gab es zudem am 10.09. weitere Warnstreiks in Karlsruhe und Pforzheim sowie am 11.09. einen Streikspaziergang durch die Stuttgarter Innenstadt mit Beschäftigten von Primark, H&M, Zara und Kaufland­. Im Kampf gegen Tarifflucht, Filialschließungen und Entlassungen wiederum richteten sich ver.di und der Gesamtbetriebsrat von Douglas Cosmetics am 09.09. in einem offenen Brief an die Douglas-Geschäftsleitung. Auch hier bleibt es spannend, wie die Leitung auf die Forderungen und Erwartungen der Beschäftigten reagiert. Den Abschluss der Woche bildete am 11.09. dann eine besondere Aktion in der Heilbronner Innenstadt. Dabei machten die Katholische Arbeitnehmerbewegung und ver.di (als Allianz für den freien Sonntag) gemeinsam auf die Angriffe auf den arbeitsfreien Sonntag und den Pflegenotstand aufmerksam. Mit der Kampagne, die im Herbst in eine gemeinsame Aktion in Berlin mündet, stellen die Sonntagsschützer*innen eines ganz klar: Der arbeitsfreie Sonntag muss bleiben!