Kein gutes Angebot. Kein Geschäft!

11.08.2023

Auch nach Wochen der Streikmaßnahmen im Einzel-, wie auch Groß- und Außenhandel und mehreren ergebnislosen Verhandlungsrunden - bundesweit - verharrt die Arbeitgeberseite in Blockadehaltung und stellt damit wieder die Gewinnmaximierung über das Wohl ihrer Beschäftigten. Der Arbeitskampf geht also in die nächste Phase!

 

Handel in Nordrhein-Westfalen: Zeitspiel der Arbeitgeber bedroht Existenz der Beschäftigten. Tarifverhandlungen im Einzelhandel auch in fünfter Verhandlungsrunde ohne Ergebnis!

 

Dieses Angebot liegt Welten von den Erwartungen der Beschäftigten entfernt. Damit kommen unsere Arbeitskämpfe in eine nächste Phase.

Silke Zimmer ver.di Verhandlungsführerin NRW

Nachdem die Fortsetzung der vierten Verhandlungsrunde Mitte Juli einseitig durch die Arbeitgeber abgesagt wurde, ist auch die am Montag geführte fünfte Verhandlungsrunde für die rund 517.000 sozialversicherungspflichtigen und 197.000 geringfügig Beschäftigten im NRW-Einzelhandel ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Damit geht die Blockadehaltung der Arbeitgeber auch nach viereinhalb Wochen weiter.

„Es ist ein Skandal, wie die Arbeitgeber mit ihren Beschäftigten umgehen. Es wird Geld in die Hand genommen, um Beschäftigte vom Streiken abzuhalten oder Zeitprämien an diejenigen verteilt, die sich nicht an Streikmaßnahmen beteiligen. Am Verhandlungstisch werden aber weiterhin nur Reallohnverluste geboten. Dieses Zeitspiel geht zu Lasten der Beschäftigten, die dringend auf Entgelterhöhungen angewiesen sind“, erklärte die ver.di Verhandlungsführerin, Silke Zimmer.

„Die Tarifverträge im Einzelhandel sind seit Ende April gekündigt. Mit jedem Monat der verstreicht, können sich die Beschäftigten weniger von ihrem Einkommen leisten. Die Lebensmittelpreise steigen kontinuierlich an. Die niedrigen Entgelte treffen überwiegend Frauen in ihrer Existenz. Die Angst vor Altersarmut ist dabei nicht nur ein Gefühl, sondern eine skandalöse Realität."

 

Beschäftigte im Handel streiken gegen Zeitspiel der Arbeitgeber!

 

Wenn die Arbeitgeber auch in der kommenden Woche im Groß- und Außenhandel nicht endlich etwas vorlegen, das die Beschäftigten spürbar entlastet, werden die Streiks auch hier noch einmal ausgeweitet.

Robert Puleski, Gewerkschaftssekretär im Handel für den Bezirk Düssel-Rhein-Wupper

ver.di NRW verstärkt den Druck auf die Arbeitgeber bei den laufenden Tarifverhandlungen für existenzsichernde Einkommen im Handel. Bislang haben die Arbeitgeber in den Verhandlungen lediglich Reallohnverluste angeboten. Daher werden die Beschäftigten in ausgewählten Betrieben am morgigen Donnerstag zu Streiks aufgerufen.

Aufgerufen sind die Beschäftigten von Sanacorp, Metro Schwelm und Handelshof Haan. Die H&M Filialen Hilden, Remscheid und Bilker Arkaden in Düsseldorf. Kaufland Bilk, Saturn Königsallee, ZARA Königsallee Primark Schadowstr., Esprit Schadowstr. und das Esprit Outlet aus Ratingen des ver.di- Bezirk Düssel-Rhein-Wupper.

„Obwohl die Tarifverträge bereits Ende April ausgelaufen sind, haben die Arbeitgeber bis heute keine Angebote vorgelegt, die den dramatischen Preissteigerungen etwas entgegensetzen. Die Arbeitgeber haben daher die Chance verpasst, den Beschäftigten zu zeigen, dass sie ihre Nöte ernst nehmen. Deshalb bekommen sie jetzt die Antwort aus den Betrieben.“ erklärt Robert Puleski, Gewerkschaftssekretär im Handel für den Bezirk Düssel-Rhein-Wupper.

Weitere Warnstreiks im Handel in Lage, Lemgo und Bad Salzuflen

Nachdem die Fortsetzung der vierten Verhandlungsrunde Mitte Juli einseitig durch die Arbeitgeber abgesagt wurde, ist auch die fünfte Verhandlungsrunde am 07.08. NRW Einzelhandel ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Damit geht die Blockadehaltung der Arbeitgeber auch nach viereinhalb Wochen weiter.

„Es ist ein Skandal, wie die Arbeitgeber mit ihren Beschäftigten umgehen. Es wird Geld in die Hand genommen, um Beschäftigte vom Streiken abzuhalten oder Zeitprämien an diejenigen verteilt, die sich nicht an Streikmaßnahmen beteiligen. Am Verhandlungstisch werden aber weiterhin nur Reallohnverluste geboten. Dieses Zeitspiel geht zu Lasten der Beschäftigten, die dringend auf Entgelterhöhungen angewiesen sind“, erklärte die ver.di Verhandlungsführerin, Silke Zimmer.

In Bielefeld und Gütersloh machten die Beschäftigten des Einzelhandels ihrer Wut über die Blockadehaltung der Arbeitgeberseite bereits am 28.07.23 mit einer Streiktour vor den Betrieben Luft. Und es geht weiter. Am Donnerstag, 10.08.23 werden erneut Beschäftigte aus ausgewählten Betrieben des Einzelhandels in Lage, Lemgo, Bad Salzuflen, Bielefeld, Herford und Minden zum Streik aufgerufen.

„Die Kolleginnen und Kollegenaus dem Einzelhandel können nicht länger warten! Die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber zeigt, wie wenig Wertschätzung ihren Beschäftigten entgegengebracht wird. Die halten aber die Läden am Laufen, haben nichts zu verschenken. Sie brauchen jetzt dringend den Tarifabschluss, “ so Ursula Jacob-Reisinger, ver.di Gewerkschaftssekretärin für den Handel in OWL.

Bezirk Ruhr-West: ver.di ruft zu Warnstreiks im Einzelhandel und Groß- uns Außenhandel auf

Die anhaltende Blockadehaltung der Arbeitgeber im nordrhein- westfälischen Einzelhandel hat zu einer Eskalation der Tarifverhandlungen geführt. Nachdem die Fortsetzung der vierten Verhandlungsrunde Mitte Juli einseitig durch die Arbeitgeber abgesagt wurde, endete auch die fünfte Verhandlungsrunde am 7. August 2023 ohne Ergebnis. Die Gewerkschaft ver.di im Bezirk Ruhr-West reagiert darauf mit einem deutlichen Zeichen: Vom 10. bis zum 12. August 2023 sind umfangreiche Streikmaßnahmen im Einzelhandel geplant.

Die Arbeitgeber legten ein Angebot vor, das weiterhin einen Reallohnverlust für die Beschäftigten bedeuten würde.

"Die Vorgehensweise der Arbeitgeber ist kaum nachvollziehbar. Ihr Ver- halten ist in keiner Weise angemessen. Nach viereinhalb Wochen Ver- handlungspause gab es auch in der 5. Verhandlungsrunde kein akzeptables Angebot!", kritisierte Kay Lipka, Gewerkschaftssekretär für den Einzelhandel im ver.di Bezirk Ruhr-West.

„Die Tarifverträge im Einzelhandel wurden bereits Ende April gekündigt. Inmitten steigender Preise spüren die Beschäftigten den zunehmenden Druck. Besonders hart trifft es die Kolleg*innen in Teilzeit, die bereits mit sehr geringen Einkommen auskommen müssen. Während die Preise kontinuierlich ansteigen, wächst auch die Sorge vor Altersarmut. Diese Besorgnis ist keine bloße Empfindung, sondern eine empörende Realität", unterstrich Lipka.

Als deutliches Signal für ihre Unterstützung der Forderungen der Beschäftigten haben die folgenden Einzelhandelsunternehmen beschlossen, sich am Streik zu beteiligen. Vom 10. bis 12. August 2023 werden die Betriebe Esprit im Centro Oberhausen, H&M in Altenessen, Ikea in Essen, Kaufland in Altenessen, Kaufland Heifeskamp in Mülheim, Kaufland Oberhausen Sterkrade, Primark in Essen und Saturn in Essen in den Streik treten. Gemeinsam setzen sie ein klares Zeichen für gerechte Arbeitsbedingungen und angemessene Entlohnung im Einzelhandel.

Ein Höhepunkt dieser Streikmaßnahmen im Einzelhandel wird die Kundgebung auf dem Hirschlandplatz in Essen sein, die am 11. August 2023 ab 11:00 Uhr stattfindet. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 25. August 2023 geplant. Doch bis dahin wird die Zeit nicht ohne massive Streiks verstreichen. Die Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben sind mehr als sauer und werden dies auch massiv zum Ausdruck bringen.

Auch im Groß- und Außenhandel laufen die Tarifverhandlungen. Am 15. August werden diese fortgesetzt.

Bislang haben die Arbeitgeber in den Verhandlungen lediglich Reallohnverlust angeboten. Daher werden die Beschäftigten des EDEKA Lagers in Oberhausen ab dem 10.08.2023 zum Streik aufgerufen.

 

Wir mussten in den letzten Monaten erleben, wie schnell die Handelskonzerne die Preise erhöhen, um ihre Gewinne zu sichern und auszubauen. Nun erleben wir, wie schwer sich die gleichen Konzerne tun, den Beschäftigten nachhaltige Entgeltsteigerungen zu geben, die Einkommen sichern und vor Altersarmut schützen

Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Einzelhandel

Einzelhandel in Bayern: Streiks treffen den Lebensmittelhandel!

 

Die Streiks im bayerischen Handel für existenzsichernde Einkommen trafen am 09.08.2023 schwerpunktmäßig Lebensmittelkonzerne. Dazu wurden die Beschäftigten in ausgewählten Betrieben am 09.08.2023 zum Streik aufgerufen. Dazu gehörten die Beschäftigten der Edeka Zentralläger in Eching, Gochsheim, Landsberg, Marktredwitz, Sachsen bei Ansbach und Schwabach, dem Zentrallager von Lidl in Graben, dem Zentrallager von Kaufland in Donnersdorf, sowie den Zentrallägern von Rewe in Buttenheim und Eitting. Aufgerufen sind auch die Beschäftigten der Edeka Filialen in Bäumenheim, Dachau, Dillingen, Eggenfelden, Eichstätt, Erding, Gaimersheim, Großmehring, Harburg, Ingolstadt, Mainburg, Monheim, München, Petershausen, Regen, Regensburg, Schrobenhausen, Treuchtlingen, Untergriesbach, Vohburg und Wemding, h&m in Augsburg, Donauwörth und Würzburg, Marktkauf in Hof, Metro in Neu-Ulm, Zara in Augsburg Insgesamt werden über 60 Betriebe zum Streik aufgerufen. Einzelne Betriebe sind schon seit mehreren Tagen im Streik. Durch die Streikaktionen in den Zentrallägern kam es zu Versorgungsengpässen, vor allem in den Filialen. Die Streikenden aus Niederbayern, Ingolstadt und der Oberpfalz trafen sich um 10.00 Uhr vor dem E-Center in der Hornstraße in Regensburg und demonstrierten von dort zum DGB-Haus.

„Die Beschäftigten im Handel brauchen mehr Geld im Geldbeutel. Die anhaltenden Preissteigerungen greifen mittlerweile die Existenz der Beschäftigten an. Der tägliche Einkauf, der Weg zur Arbeit und die Kosten für Wohnen sind für die Beschäftigten zu kaum lösbaren Herausforderungen und Belastungen geworden“, erklärt Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Groß- und Außenhandel.

Die Tarifverhandlungen im bayerischen Groß- und Außenhandel gehen am 28.08.2023 in die sechste Runde. Die Tarifverhandlungen im bayerischen Einzelhandel werden am 16.08.2023 fortgesetzt.

 

4. Tarifverhandlung im bayerischen Buchhandel und bei Verlagen ohne Ergebnis: Reallohnverluste und Altersarmut

Auch in der vierten Tarifverhandlung für die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei Verlagen kam es zu keinem Tarifabschluss. Beschäftigte machten in Aktionen und Streiks auf ihre Situation aufmerksam: Angst, die laufenden Rechnungen nicht mehr zahlen zu können, und Angst vor der drohenden Altersarmut waren dabei das bestimmende Bild. Die Arbeitgeber machten ein neues Angebot, welches aus Sicht von ver.di weitere Reallohnverluste bedeutet und die Gefahr der Altersarmut massiv verschärft.

„Die Beschäftigten im bayerischen Buchhandel und bei Verlagen können sich keine weiteren Reallohnverluste leisten. Viele Kolleginnen und Kollegen denken angesichts ihrer wirtschaftlichen Situation über einen Branchenwechsel nach. Dieser Entwicklung durch nachhaltige Entgelterhöhungen entgegenzuwirken, verweigern die Arbeitgeber“, sagte Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer.

Die Tarifverhandlungen werden am 26.09.2023 fortgesetzt.

 

Streiks im Handel werden zum Wochenende verstärkt „Wir müssen uns die Arbeit im Handel leisten können!“

 

Die Arbeitgeber spielen bei den Tarifverhandlungen auf Zeit, um niedrige Entgelterhöhungen durch zu setzen. Dem setzen wir die Entschlossenheit und Ausdauer der Beschäftigten entgegen.

Thomas Gürlebeck, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Groß- und Außenhandel

Die Arbeitskampfmaßnahmen im bayerischen Handel für existenzsichernde Einkommen werden zum Wochenende hin ausgeweitet. Deshalb werden die Beschäftigten in ausgewählten Betrieben am 11.08.2023 zum Streik aufgerufen. Dazu gehören die Beschäftigten der Edeka Zentralläger in Eching, Gochsheim, Landsberg, Marktredwitz, Sachsen bei Ansbach und Schwabach, dem Zentrallager von Lidl in Graben, dem Zentrallager von Kaufland in Donnersdorf, dem Zentrallager von Norma in Regenstauf sowie den Zentrallägern von Rewe in Buttenheim und Eitting. Aufgerufen sind auch die Beschäftigten der Edeka Filialen in Eichstätt, Gaimersheim, München, Regensburg und Vohburg, h&m in Ansbach, Augsburg, Donauwörth, Erlangen, Fürth, Nürnberg, Schweinfurt und Würzburg, Hugendubel in München, Ikea in Fürth, Regensburg und Würzburg, Kaufland Bad Kissingen, Regensburg und Schweinfurt, Marktkauf in Hof und Nürnberg, Massimo Dutti in München, Metro in Neu-Ulm und Regensburg, Sport Scheck in München, Zara in Augsburg und München. Insgesamt wer- den über 70 Betriebe zum Streik aufgerufen. Einzelne Betriebe sind schon seit mehreren Tagen im Streik. Durch die Streikaktionen in den Zentrallägern kommt es zu Versorgungsengpässen, vor allem in den Filialen.

„Immer häufiger hören wir von vielen Beschäftigten im Handel, dass sie ihr Leben mit den Gehältern und Löhnen im Handel nicht mehr finanzieren können. Es ist bitter und ein deutliches Alarmsignal, wenn Beschäftigte sagen, ich kann mir die Arbeit im Handel nicht mehr leisten“, so Hubert Thiermeyer, ver.di Verhandlungsführer im bayerischen Einzelhandel.

 

Tarifverhandlungen im Einzelhandel in Mecklenburg-Vorpommern bleiben weiterhin ohne Ergebnis

 

Auch die zweite Verhandlungsrunde in der aktuellen Tarifauseinandersetzung der Gewerkschaft ver.di für die Beschäftigten des Einzelhandels in Mecklenburg-Vorpommern ist am Mittwoch, den 9. August erfolglos zu Ende gegangen. Nachdem bereits gestern die Verhandlungen für die Beschäftigten des Einzelhandels in Schleswig-Holstein ohne Abschluss geblieben waren, gab es auch in Güstrow kein Ergebnis. Zwar legten die Arbeitgeber ein neues Angebot vor, dieses blieb allerdings weit hinter den Erwartungen zurück und würde nach Berechnungen der ver.di- Tarifkommission für die Beschäftigten einen herben Reallohnverlust bedeuten.

Dem Arbeitgeberangebot zufolge sollen die Entgelte ab Oktober 2023 um 5,3% und ab Juli 2024 um 3,1% steigen. Eine Inflationsausgleichsprämie, die ebenfalls Bestandteil des Angebots ist, soll mit bereits gezahlten entsprechenden Leistungen verrechnet werden. Für Unternehmen in wirtschaftlicher Notlage soll zudem eine Notfallklausel für Arbeitgeber vereinbart werden. „Mit diesem Angebot verfestigen die Arbeitgeber die prekäre Lage, in der sich viele Kolleginnen und Kollegen im Einzelhandel befinden. Für viele bedeuten die gestiegenen Preise, dass sie genau überlegen müssen, wofür sie ihr Geld ausgeben, an Geld-Zurücklegen ist gar nicht zu denken. Die Arbeitgeber scheinen diesen Umstand zu ignorieren“, sagt Bert Stach, Landesbezirksfachbereichsleiter Handel und Verhandlungsführer für die Gewerkschaft ver.di. stehen.

Der nächste Verhandlungstermin ist für den 14. September in Güstrow angesetzt. Über 55.000 Beschäftigte sind in Mecklenburg-Vorpommern im Einzelhandel beschäftigt. Das häufigste Entgelt liegt bei 2747 Euro für Verkäuferinnen und Verkäufer. Die letzte Lohn- und Gehaltserhöhung im Mai 2022 betrug 1,7%.

 

Einzelhandel in Hessen: Mehr als 300 Beschäftigte demonstrieren für 2,50 Euro mehr Stundenlohn, „Ohne uns kein Geschäft!“

Trotz Dauerregen sind am Freitag mehr als 300 Beschäftigte im hessischen Einzel- und Versandhandel durch die Frankfurter Innenstadt gezogen, um die Arbeitgeber zu einem besseren Angebot in der laufenden Tarifrunde zu drängen. Dazu aufgerufen hatte die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. „Wir woll’n mehr Kohle seh’n!“, lautete das Motto des Aktionstags, bei dem Mitarbeiter:innen von Esprit, Frankfurt Airport Retail, Galeria Karstadt Kaufhof, H&M, Zara, Ikea, Kaufland und Douglas in den Streik traten.

Sie fordern 2,50 Euro mehr Stundenlohn. „Ohne uns kein Geschäft“, skandierten die Teilnehmer:innen der Demo immer wieder, die vom Gewerkschaftshaus an Bankentürmen vorbei zu einer Kundgebung auf dem Rathenauplatz führte. In bereits vier Verhandlungsrunden haben sich Verdi und Arbeitgeber bisher nicht auf eine Tariferhöhung verständigen können. Die Arbeitgeber boten zuletzt ein Plus um 5,3 Prozent ab 1. Juli 2023 und um weitere 3,1 Prozent ab April 2024 sowie eine Inflationsausgleichsprämie von 450 Euro an.

Den Beschäftigten, die am Freitag in Frankfurt und in Kassel auf die Straße gingen, ist das viel zu wenig. Die Arbeitgeber wollten einen „Billigabschluss“, der für die Beschäftigten angesichts der hohen Inflation zu einem Reallohnverlust führe, kritisierte Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi und Verhandlungsführer, bei der Abschlusskundgebung. Im Handel gelte: „Ohne gutes Angebot kein Geschäft.“ Legten die Arbeitgeber nicht nach, gingen die Streiks eben weiter, kündigte er an. Am Montag gehen die Tarifverhandlungen im Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen weiter. Werde dort ein annehmbares Tarifergebnis erzielt, hätte das, so Verdi, Auswirkungen auf die Verhandlungen in Hessen, die am 4. September fortgesetzt werden.

Der Handelsverband Hessen, der die Interessen von 7200 Mitgliedsunternehmen mit 200 000 Beschäftigten vertritt, hatte Verdi Mitte Juli, nach Scheitern der jüngsten Verhandlungsrunde, „utopische Forderungen“ vorgeworfen. Die von der Gewerkschaft geforderte Erhöhung der Stundenlöhne sei für die Händlerinnen und Händler wirtschaftlich untragbar, hieß es.

Die Beschäftigten, die am Freitag durch Frankfurt zogen, sehen das völlig anders. Die großen Handelsketten hätten in den vergangenen Jahren sehr gute Geschäfte gemacht, sagten etwa Cornelia Fett und Claudia Hernandez, Betriebsrätinnen bei Kaufland in Bad Nauheim. Schon jetzt sei es schwierig, Beschäftigte für den Einzelhandel zu finden. Verbessere sich die Bezahlung nicht deutlich, spitze sich das noch zu.

Die Arbeitgeber dächten offenbar, die Einkommen hätten sich den Gewinnerwartungen der Unternehmen anzupassen, sagte Schäuble in seiner Rede auf dem Roßmarkt. Die Arbeit im Handel werde immer härter. Gleichzeitig arbeiteten 41 Prozent der Beschäftigten in der Branche für Niedriglohn. „Man muss von der Arbeit leben können“, forderte der Gewerkschafter. Das Gehalt müsse ausreichen, um den Kühlschrank zu füllen und in Urlaub zu fahren. Eine Lohnerhöhung stütze aber auch die Wirtschaft. Elf Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiteten im Handel. Hätten diese eine höhere Kaufkraft, wirke sich das auf die Binnenkonjunktur aus.

 

Tarifrunden NORD: Starker Partizipationsstreik bei Selgros in Rostock!

Die Beschäftigten beim Großhändler Selgros legten am 10. August 2023 in Rostock die Arbeit nieder. Der Partizipationsstreik (Ein Partizipationsstreik ist ein Streik, der sich gegen einen Arbeitgeber richtet, der er zwar nicht dem Arbeitgeberverband angehört, trotzdem aber kein unbeteiligter Dritter ist.) war absolut erfolgreich. Fast die gesamten Tagesschichten trafen sich vor dem Markt zu einer Streikversammlung. Der Betrieb konnte kaum aufrechterhalten werden.

„Mit dem Streiktag in Rostock haben die Beschäftigten ein deutliches Signal in Richtung der Tarifverhandlungen im Großhandel im Norden gesandt. Es zeigt auch deutlich, dass die Beschäftigten der ganzen Branche im Norden solidarisch zusammenstehen. Der Tarifkommission wurde wieder einmal etwas mehr der Rücken gestärkt“, fasste ver.di-verhandlungsführer Bert Stach den Streiktag zusammen. „Außerdem“, ergänzte Bert Stach, „hat es wirklich Spaß gemacht bei bester Stimmung gemeinsam zu streiken und das Beste war der Streikkuchen, der wirklich preisverdächtig war.“ Vielen Dank an alle ehren- und hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen für die Streikvorbereitung und -umsetzung!

Der Handel im Norden erlebt zurzeit eine Streikwelle, wie seit Jahren nicht mehr. Die Aktions- und Streikbereitschaft der Kolleginnen und Kollegen im Handel zeigt die Notwendigkeit angemessener Entgeltsteigerungen mehr als deutlich! Es wird Zeit, dass sich die Arbeitgeber bewegen und Angebote unterbreiten, die eine angemessene positive Reallohnentwicklung bringen!