Tarifrunden 2021

Gemeinsam stark für höhere Löhne im Handel

Gemeinsam stark für höhere Löhne im Handel

Argumente für unsere Forderungen in den Handels-Tarifrunden 2021
Handel ver.di Handel

Die Beschäftigten im Handel leisten jeden Tag wichtige Arbeit. Das soll sich auch im Gehalt und Lohn widerspiegeln. Darum geht es auch bei den aktuellen Tarifrunden. Die Beschäftigten wollen Anerkennung für ihre Arbeit und die spiegelt sich auch beim Einkommen wider. Weitere gute Gründe für die Tarifforderungen haben wir in einer Broschüre zusammengefasst, die Du hier nachlesen oder herunterladen kannst.

  • Welche Bereiche sind von der Tarifrunde Handel betroffen?

    In der Tarifrunde Handel geht es um die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel sowie im Groß- und Außenhandel. In Deutschland arbeiten rund 5,1 Millionen Menschen im Handel, davon sind rund 3,1 Millionen im Einzel- und Versandhandel und knapp 2 Millionen im Groß und Außenhandel beschäftigt

    Der Einzel- und Versandhandel ist weiblich, 2/3 der Beschäftigten sind Frauen, und die Mehrheit arbeitet in Teilzeit (54,5 Prozent). Der Groß- und Außenhandel ist mit einem Anteil von 64% überwiegend männlich und von Vollzeitbeschäftigung (1,3 Millionen Vollzeitbeschäftigte) geprägt.

  • Wer sitzt am Verhandlungstisch?

    Bei den Tarifrunden sitzen Vertreter*innen der Arbeitgeberverbände und die ver.di-Verhandlungsführungen sowie Mitglieder der ver.di-Tarifkommissionen am Tisch. Für den HDE verhandeln Vertreter*innen von Edeka, REWE, Kaufland und IKEA. Alles Unternehmen, die sich während der Pandemie den Geldbeutel vollgestopft haben. Bei den Verhandlungen argumentiert der HDE, dass viele Unternehmen durch die Pandemie in die Krise geraten sind, deshalb könnten sie keine Entgelterhöhungen umsetzen. Die meisten Krisen-Unternehmen sind nicht tarifgebunden. Das Argument würde also nur gelten, wenn die Tarifverträge allgemeinverbindlich wären. Das sind sie aber nicht, weil der HDE sich dagegen wehrt. Die Unternehmen wollen die Gewinne also nicht an die Beschäftigten weitergeben und nutzen die Pandemie als Vorwand. Natürlich gibt es auch tarifgebundene Unternehmen, die in einer Krise stecken. Für diese bieten wir eigenständige Lösungen an, um die Beschäftigung und die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

  • Wie kommen die Tarifforderungen zustande?

    Tarifverträge schützen. Durch Tarifverträge gibt es gute Arbeits- und Entgeltbedingungen. Sie regeln beispielsweise die Arbeitszeiten besser als das Gesetz, und die Zuschläge für Überstunden und Samstagsarbeit gibt es auch nur, weil sie im Tarifvertrag verankert sind. Ziel ist, durch gute Einkommen und Arbeitsbedingungen die Lebensbedingungen der Beschäftigten in ihrer Gesamtheit zu verbessern. Dementsprechend kommen auch die Entgeltforderungen zustande: Bei den Forderungen nach einer Erhöhung des Entgelts geht es immer darum, dass die Beschäftigten mehr Geld im Portemonnaie haben als vorher.

    Das heißt, die Forderungen sind höher als die erwartete Inflationsrate, damit die Beschäftigten eine spürbare Entgelterhöhung haben. Schließlich tragen die Beschäftigten maßgeblich zum Umsatz der Unternehmen bei. Das muss sich auch in den Entgelterhöhungen wiederspiegeln.

  • Wer beschließt die Forderungen?

    Ver.di verhandelt die Tarifverträge für ihre Mitglieder und berücksichtigt bei den Forderungen in erster Linie die Interessen der organisierten Beschäftigten.

    Die ver.di-Tarifkommissionen beschließen die Forderungen. Die Mitglieder der Tarifkommission werden in den einzelnen Landesbezirken gewählt und bestehen aus aktiven ver.di-Mitgliedern aus dem Handel. Bevor die Forderungen beschlossen werden, gibt es häufig Beschäftigtenbefragungen Diese dienen den Tarifkommissionen als Anhaltspunkt für die Aufstellung der Forderungen und die Planung für die Aktivitäten in der Tarifrunde

    Die Tarifverhandlungen werden in den einzelnen Landesbezirken geführt und zwar für den Einzel-und Versandhandel und Groß- und Außenhandel getrennt. Insgesamt haben wir rund 2.000 Tarifkommissionsmitglieder. Viele davon sitzen bei den Tarifverhandlungen mit am Verhandlungstisch und machen sich -gemeinsam mit den ver.di-Mitgliedern im Handel - für Durchsetzung der Forderungen stark.

  • Warum gibt es zusätzlich zur prozentualen Erhöhung die Forderung nach einem Festbetrag?

    Von einer prozentualen Entgelterhöhung profitieren alle Beschäftigten im Handel, allerdings unterschiedlich stark. In den höheren Entgeltgruppen macht eine prozentuale Erhöhung mehr aus als in den unteren Lohngruppen. Deswegen fordern wir zusätzlich einen Festbetrag, von diesen haben alle Entgeltgruppen etwas und vor allem die Kolleg*innen in unteren Entgeltgruppen erhalten prozentual mehr Geld und dadurch erfährt ihre Tätigkeit auch eine Aufwertung.

  • Warum sind tabellenwirksame Erhöhungen wichtig?

    Einmalzahlungen und Prämien wirken sich nicht dauerhaft auf das Entgelt aus. Damit fehlen sie in der Tabelle und damit als Basis in der nächsten Tarifrunde.

    Nur durch tabellenwirksame Erhöhungen des Entgelts profitieren die Beschäftigten dauerhaft. Sie erhalten für die gesamte Laufzeit des Tarifvertrags monatlich mehr Lohn und zahlen dementsprechend auch mehr in die Rentenkasse ein. Damit haben sie langfristig mehr Einkommen zur Verfügung und der Rentenanspruch steigt auch.

  • Was haben Auszubildende von den Tarifrunden?

    Sie sind, genauso wie alle Beschäftigte, auf ihr Einkommen angewiesen, und sie tragen auch dazu bei, dass der Umsatz der Unternehmen steigt. Oft müssen sie ihre Lebenshaltungskosten alleine oder zumindest teilweise mittragen und haben sich auch mal einen Kinobesuch oder Urlaub verdient. Deshalb fordern wir für Auszubildende eine Erhöhung der Auszubildendenvergütung.

  • Was hat es mit der Forderung von einem Mindestentgelt in Höhe von 12,50 Euro auf sich?

    Der Handel ist die größte von Altersarmut bedrohte Branche. Gründe dafür sind u.a. die Tarifflucht der Unternehmen, die fehlende Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge, prekäre Arbeitsverhältnisse, der hohe Anteil von unfreiwilliger Teilzeitbeschäftigung und damit geringe Einkommen. Vielfach erwerben die Beschäftigten nur Rentenansprüche unter der gesetzlichen Grundsicherung. ver.di setzt sich auf allen Ebenen aktiv gegen Altersarmut ein. Das gilt auch für die Tarifpolitik. Wer ein Leben lang hart arbeitet, muss eine Rente über dem Grundsicherungsniveau erhalten. Eine solche Rente bekommt aber nur, wer über 45 Jahre ein monatliches Entgelt von mindestens 2.100 Euro bezieht. Deshalb braucht es nachhaltige Entgeltsteigerungen im Kampf gegen die wachsende Altersarmut und ein Mindeststundenentgelt von 12,50 Euro sowie die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen.

  • Was heißt AVE und wieso wird sie gefordert?

    Allgemeinverbindliche Tarifverträge – Einer für alle! ver.di Handel AVE Superwoman

    Die Allgemeinverbindlichkeit bedeutet bei Tarifverträgen, dass sie für alle Unternehmen in der Branche gelten, egal ob sie im Arbeitgeberverband sind oder nicht. Im Handel gibt es seit einigen Jahren Tarifflucht. Das heißt Unternehmen treten aus den Arbeitgeberverbänden aus oder haben eine sogenannte oT-Mitgliedschaft (ohne Tarifbindung). Beispielsweise weigert sich Amazon Tarifverträge anzuwenden. Trotzdem übt das Unternehmen durch eine oT-Mitgliedschaft Einfluss im HDE aus. Die Verweigerungshaltung findet sich auch bei weiteren reinen Onlinehändlern. So lehnt auch Zalando die Tarifbindung ab. Die Tarifflucht verschärft den Verdrängungs- und Konkurrenzwettbewerb und geht zu Lasten der Beschäftigten.

    Wir fordern die Arbeitgeber auf, die Allgemeinverbindlichkeitserklärung der Tarifverträge gemeinsam mit uns zu beantragen, um weitere Tarifflucht zu verhindern. Es darf nicht sein, dass der Unterbietungswettbewerb über Dumpinglöhne im Einzelhandel auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen ausgetragen wird. Kein Arbeitgeber darf sich mehr aus der Verantwortung stehlen!

  • Warum sollen die Tarifverträge eine Laufzeit von 12 Monate haben?

    Bei den aktuellen Tarifrunden geht es um Entgelterhöhungen. Die Entgelterhöhungen sollen über der Inflationsrate liegen, damit die Beschäftigten im Handel und ihre Familien auch spürbar mehr im Geldbeutel haben. Wichtig ist, dass es jedes Jahr eine Erhöhung der Einkommen gibt, deshalb fordern wir eine Laufzeit von 12 Monaten.

  • Ist es in der aktuellen wirtschaftlichen Situation richtig eine Entgelterhöhung zu fordern?

    Ein eindeutiges Ja!

    Der Handel verzeichnete in 2020 einen Gesamtumsatz von 1.9 Billionen Euro.

    Laut dem Statistischen Bundesamt werden die Umsätze des Einzelhandels 2020 voraussichtlich nominal zwischen 5,1 und 5,5 Prozent über denen des Jahres 2019 liegen werden. Selbst nach Abzug der Preissteigerung bliebe so ein reales Umsatzplus von etwa 4,1 Prozent. Dabei ist bereits der Lockdown in der zweiten Dezemberhälfte berücksichtigt. Das Umsatzplus geht keinesfalls ausschließlich auf den Onlinehandel zurück. Auch der Umsatz in Verkaufsräumen stieg in den Monaten Januar bis November 2020 nominal um 2,9 Prozent (real 1,3 Prozent).

    Rekordumsätze im Einzelhandel führten zu Rekordarbeit für die Beschäftigten. Gleichzeitig senkt die steigende Inflation die realen Gehälter. In manchen Betrieben mussten die Beschäftigten empfindliche Gehaltskürzungen durch Kurzarbeit über Monate hinnehmen. Hierfür brauchen sie einen Ausgleich.

    Auch die Umsatzentwicklung im Groß- und Außenhandel ist trotz der Pandemie positiv. Preisbereinigt ist der Umsatz im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent gestiegen. Kunden des Großhandels sind Unternehmen des Einzelhandels, Apotheken, das Handwerk und industrielle und sonstige gewerbliche Betriebe. Ohne die Arbeit der Beschäftigten im Großhandel wäre nicht nur gähnende Leere in Supermärkten und Apotheken. Es würden auch viele Bereiche der Wirtschaft stillstehen und das nicht nur in Zeiten der Pandemie.

    Deshalb erwarten die Beschäftigten Respekt und Wertschätzung für ihre Arbeit, die sich in einer Erhöhung der Entgelte ausdrückt. Applaus alleine reicht nicht aus!

    Entgelterhöhungen sind notwendig und berechtigt, weil

    • die wirtschaftliche Entwicklung im Handel positiv ist
    • sie den Beschäftigten und deren Familien zugutekommen
    • sie gegen drohende Altersarmut wirken
    • sie unser Sozialsystem (Kranken-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung) finanzieren
    • sie die Wirtschaft (Binnennachfrage) ankurbeln
    • gute Arbeit Respekt verdient hat und nicht nur warme Worte.
  • Was ist mit Unternehmen in der Krise?

    Für echte Krisenunternehmen bieten wir differenzierte tarifliche Lösungen auf Unternehmensebene an. Denn zur Lösung von Krisen dürfen wir den Arbeitgebern durch Öffnungsklauseln in den Flächentarifverträgen nicht die Axt für Gehaltskürzungen in den Betrieben in die Hand geben.

    Die Beschäftigten haben einen Anspruch, dass ein auf das Unternehmen und damit auf ihre Zukunft zugeschnittener Tarifvertrag für sie gilt. Durch Unternehmenstarifverträgen wollen wir die Zukunft und die Beschäftigung sichern

  • Für wen gilt ein Tarifvertrag?

    Tarifverträge werden zwischen den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden verhandelt und gelten nur für Gewerkschaftsmitglieder. Die Unternehmen wenden die Tarifverträge meist für alle Beschäftigte an. Das machen sie aber nicht aus Gründen der Gerechtigkeit, sondern damit sich möglichst wenig Beschäftigte organisieren.

    Nur ver.di-Mitglieder haben einen Rechtsanspruch

    Auf die tarifvertraglichen Leistungen haben allerdings nur ver.di-Mitglieder einen Rechtsanspruch. Wenn der Tarifvertrag gekündigt ist oder der Arbeitgeber aus der Tarifbindung austritt, bleibt er für ver.di-Mitglieder in der Nachwirkung. Für ver.di-Mitglieder – und nur für diese - gelten die bisherigen Tarifverträge unmittelbar und zwingend fort, d.h. Abweichungen zuungunsten organisierter Beschäftigter sind nicht möglich.

  • Was ist für ein gutes Ergebnis wichtig?

    Für ein gutes Tarifergebnis gilt: umso größer die Verhandlungsmacht und Durchsetzungsstäke sind, desto mehr können wir erreichen. Die Verhandlungsmacht und Durchsetzungsstärke sind davon abhängig, wie viele Beschäftigte einer Branche in der Gewerkschaft organisert sind und sich in den Tarifrunden aktiv einbringen.

  • Wie kann ich mich einbringen?

    Eine Gewerkschaft kann zur Durchsetzung der Tarifforderungen zum Streik und unterhalb der Streikebene zu Aktionen aufrufen, um die Interessen der Beschäftigten durchzusetzen.

    An Streiks und Aktionen können sich alle Beschäftigten beteiligen, egal ob sie ver.di Mitglied sind oder nicht.  Allerdings muss dein Arbeitgeber dir kein Gehalt zahlen, wenn du am Streik teilnimmst. Damit auch im Streikfall die Kasse stimmt, bekommen ver.di-Mitglieder deshalb ein Streikgeld von uns gezahlt. Schließlich tragen sie durch ihren Mitgliedsbeitrag dazu bei, die Streikkassen zu füllen und gute Tariferhöhungen durchzusetzen.

    Durch deine Beteiligung an den Aktionen, der Informationsweitergabe und Mobilisierung deiner Kolleg*innen kannst du dich aktiv einbringen.

    Falls du noch kein Gewerkschaftsmitglied bist, organisiere dich und werde ver.di-Mitglied. Dank des Tarifvertrags hast du gute Arbeits- und Lohnbedingungen und als ver.di- Mitglied noch viele weitere Vorteile.


  Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

  Dann aber los jetzt - gemeinsam stark für höhere Löhne und sichere Arbeit!