Internationale Konferenzen

Beschäftigte wollen Digitalisierung mitbestimmen

Beschäftigte wollen Digitalisierung mitbestimmen

2. Internationale Konferenz in Berlin: Gewerkschafter*innen aus vier Kontinenten verstärken Zusammenarbeit
Internationale Konferenz 2022 Werner Bachmeier Internationale Konferenz 2022

6. Juli 2022. Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus Brasilien, Südafrika, Indien und Bangladesch haben am 5. und 6. Juli in Berlin gemeinsam mit rund 120 Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, viele von ihnen aktiv in Betriebsräten, über eine stärkere Zusammenarbeit im Kampf um bessere und gesunde Arbeitsbedingungen beraten. Die nach der ersten im Jahr 2020 bereits zweite Internationale Konferenz unter dem Motto „International – Solidarisch- Stark: Gewerkschaftliche Arbeit entlang der Wertschöpfungs- und Lieferketten“ war gemeinsam vom ver.di-Fachbereich Handel, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und dem internationalen Netzwerk TIE organisiert worden.

Im Mittelpunkt der Beratungen standen die Herausforderungen durch Digitalisierung und Automatisierung. In einem zum Abschluss verabschiedeten Manifest heißt es dazu: „Viel zu oft werden die Modernisierungsprozesse auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen, um noch mehr Gewinne zu erwirtschaften. Immer wieder müssen wir erleben, dass der Einsatz neuer Maschinen sowie digitaler und KI-basierter Technik zum Personalabbau, zur Entlassung von Beschäftigten missbraucht wird. Die Folge ist eine unsichere Zukunft und Druck für alle Beschäftigten. Zudem führt diese Politik dazu, dass sich die Arbeitsbedingungen für die Kolleginnen und Kollegen nicht verbessern, sondern sie noch größerem Druck ausgesetzt sind. Die Arbeit wird immer mehr fremdbestimmt und kontrolliert, die Möglichkeit zur Überwachung und Verhaltenskontrolle nehmen immer mehr zu.

Dagegen wehren wir uns gemeinsam! Wir fordern den Ausbau der Mitbestimmung und gewerkschaftlichen Betätigungsrechte entlang der gesamten Wertschöpfungs- und Lieferketten. Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, sondern bauen unsere Zusammenarbeit aus und verstärken unsere internationale Solidarität.“

Mirko Herberg (Friedrich-Ebert-Stiftung), Mara Lira (tie), Jan Leidecker (Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Stefanie Nutzenberger (ver.di Handel) Werner Bachmeier Mirko Herberg (Friedrich-Ebert-Stiftung), Mara Lira (tie), Jan Leidecker (Rosa-Luxemburg-Stiftung) und Stefanie Nutzenberger (ver.di Handel)

Stefanie Nutzenberger, für den Handel zuständiges Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes, zeigt sich erfreut über den Erfolg der Konferenz: „Für uns im Handel gibt es keine nationalen Grenzen, denn die Wertschöpfungs- und Lieferketten reichen zum Beispiel vom Anbau der Orangen in Südamerika oder der Fertigung von T-Shirts in Asien bis zu den Supermärkten und Modeläden in Deutschland. Was an einem Ende der Ketten passiert, hat direkte Auswirkungen auf das andere. Deshalb ist es für uns wichtig, den Austausch und die Zusammenarbeit mit den aktiven Gewerkschafter*innen in Deutschland und international weiterzuentwickeln.“

Mirko Herberg von der Friedrich-Ebert-Stiftung teilt diese Einschätzung: „Wir freuen uns, dass wir Gastgeber einer solch wichtigen Konferenz sein durften. Die von ihr ausgehenden Impulse werden unsere internationale Arbeit und die Kooperation mit den Gewerkschaften in Asien, Afrika und Lateinamerika weiter voranbringen.“

Auch Jan Leidecker von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstreicht: „Die großen Unternehmen sind heute transnational organisiert. Deshalb reicht es nicht aus, wenn wir uns innerhalb der Nationalstaaten für soziale Verbesserungen einsetzen. Nur wenn die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung international und global zusammenarbeitet und kämpft, hat sie die notwendige Schlagkraft, die Interessen aller Beschäftigten durchzusetzen – gerade dort, wo bisher nur Hungerlöhne gezahlt werden.“

Daran will auch das Netzwerk TIE weiterarbeiten, wie Heiner Köhnen betont. „Wir wollen nicht nur über die Folgen diskutieren, die der Einsatz neuer Technik haben kann. Wir wollen über die Technik selber mitbestimmen, wir wollen Einblick in den Algorithmus und alle Funktionen haben. Nur dann kann verhindert werden, dass die arbeitenden Menschen zu Anhängseln der Maschinen werden.“


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