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International gegen Union Busting

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Solidarität mit südafrikanischer Gewerkschaft CSAAWU im Kampf bei Namaqua Wines
Erbärmliche Lebensbedingungen: Township am Rande der Weinfarm Leeuwenkuil in Südafrika ver.di Handel Erbärmliche Lebensbedingungen: Township am Rande der Weinfarm Leeuwenkuil in Südafrika

22. November 2021. Die südafrikanische Gewerkschaft für Handel, Stauerei, Landwirtschaft und verwandte Berufe (CSAAWU) ist seit Mai 2018 bei Namaqua Wines, aktiv, dem nach eigener Darstellung größten Weinproduzenten des Landes. In dieser Zeit hat die CSAAWU für höhere Löhne, für gesündere und sicherere Arbeitsbedingungen und gegen ein rassistisches und repressives Management gekämpft.

Die Lage in dem Unternehmen hat sich verschärft, seit Namaqua Wines am 1. Juni 2021 einen neuen Personalchef ernannt hat, Xander Joubert. Seither versucht hat das Unternehmen, durch eine koordinierte Kampagne die CSAAWU aus Namaqua Wines herauszudrängen. Der Gewerkschaft wurden alle Rechte im Unternehmen entzogen, ihre Vertreterinnen und Vertreter dürfen das Unternehmen nicht einmal mehr betreten. Zudem hat das Unternehmen die Abführung der CSAAWU-Mitgliedsbeiträge von den Gehältern der Beschäftigten eingestellt. Die Unternehmensführung hoffte, dass die Beschäftigten in der Folge aus der CSAAWU austreten würden, aber diese blieben standhaft.

CSAAWU-Präsident Ryno Filander und ver.di-Bundesfachgruppenleiter Orhan Akman während eines Treffens in Südafrika im Oktober 2021 ver.di Handel CSAAWU-Präsident Ryno Filander und ver.di-Bundesfachgruppenleiter Orhan Akman

Die CSAAWU hat den Fall bei der staatlichen Stelle zur Beilegung von Arbeitskonflikten, der CCMA, eingereicht. Gegenüber der Behörde griff das Unternehmen zu juristischen Tricks und behauptete, dass die CSAAWU nicht mehr die Mehrheitsgewerkschaft im Unternehmen sei. Im Ergebnis musste Namaqua Wines jedoch die Rechte der CSAAWU unverzüglich wiederherstellen, zunächst bis zum Abschluss eines Verfahrens, in dem festgestellt werden soll, ob die CSAAWU noch die Mehrheitsgewerkschaft ist.

Trotzdem versucht das Unternehmen weiter, die Rechte der Gewerkschaft zu beschneiden. Das Management erklärt, dass man die von der Belegschaft gewählten CSAAWU-Vertrauensleute nicht mehr anerkennen werde und man deshalb der Gewerkschaft auch keine Informationen mehr übermitteln werde. Zugleich werden die Beschäftigten unter Druck gesetzt, aus der CSAAWU auszutreten.

Als Teil der Kampagne wurde der führende Vertrauensmann im Unternehmen, Vuyani Qomoyi, durch das Management entlassen. Vuyani spielte eine zentrale Rolle bei der Stärkung der Gewerkschaft bei Namaqua Wines und bei der Herstellung einer größeren Einheit zwischen „afrikanischen“ und „farbigen“ Beschäftigten. Die Beschäftigten kennen die führende Rolle Vuyanis, seine Entlassung ist deshalb Teil des Versuchs, die Kolleginnen und Kollegen einzuschüchtern.

  • Protestbrief von ver.di Handel an Namaqua Wines

    Aufforderung an Namaqua Wines, seine gewerkschaftsfeindliche Haltung aufzugeben und die internationalen Normen der Vereinigungsfreiheit und des Rechts auf freie Meinungsäußerung einzuhalten, in gutem Glauben mit der CSAAWU zu verhandeln und den gewerkschaftlichen Vertrauensmann Vuyani Qomoyi wieder einzustellen

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    lieber Herr Verwey,
    lieber Herr Joubert,
    lieber Herr Eygelaar,

    ver.di, Fachbereich Handel, in Deutschland wurde von unserem internationalen Partner CSAAWU über die gewerkschaftsfeindliche Haltung bei Namaqua Wines informiert. Ver.di, Fachbereich Handel, vertritt Beschäftigte aus dem Einzel-, Groß- und Außenhandel in Deutschland, unter anderem in den Lebensmittelkonzernen Kaufland, Lidl, Rewe, Penny, Edeka, Netto, Aldi, Real, Metro, Selgros,  Amazon, usw.

    Mit diesem Schreiben fordern wir Namaqua Wines auf, die grundlegenden Menschenrechte der Vereinigungsfreiheit und der freien Meinungsäußerung unverzüglich einzuhalten. Dazu gehören das Recht der Gewerkschaften auf Zugang zum Arbeitsplatz, das Recht, sich am Arbeitsplatz zu organisieren und das Recht auf Tarifverhandlungen. Namaqua Wines muss die CSAAWU-Vertrauensleute im Unternehmen anerkennen.

    Darüber hinaus fordern wir Sie auf, den Vertrauensmann der CSAAWU, Vuyani Qomoyi, unverzüglich wieder einzustellen und alle Anschuldigungen gegen ihn fallen zu lassen. Es ist für uns völlig inakzeptabel, dass Vuyani Qomoyi entlassen wurde, weil er seine Gewerkschaftspflichten wahrgenommen hat, und dass ihm vorgeworfen wird, die Beschäftigten zu beeinflussen und zu versuchen, das Recht der Beschäftigten auf Vereinigungsfreiheit bei Namaqua Wines durchzusetzen.

    Alle Arbeitnehmer haben das eindeutige Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren und müssen einen existenzsichernden Lohn sowie gesunde Lebens- und Arbeitsbedingungen erhalten, die ihnen ein menschenwürdiges Leben ermöglichen. Daher fordern wir Namaqua Wines auf, seine gewerkschaftsfeindlichen Aktivitäten sofort und bedingungslos einzustellen und in gutem Glauben mit CSAAWU über die jährlichen Lohnerhöhungen der Beschäftigten mit einem erhöhten Lohnangebot zu verhandeln und alle Maßnahmen gegen Beschäftigte, die ihr Vereinigungsrecht wahrnehmen, einzustellen.

    Da südafrikanischer Wein ein wichtiges Marktsegment in Deutschland ist, ist es für uns besonders wichtig, dass er unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und unter voller Anerkennung der Gewerkschaftsrechte produziert wird.

    Ver.di wird Ihre zukünftigen Aktionen verfolgen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Stefanie Nutzenberge, Bundesfachbereichsleiterin Handel, Mitglied im Bundesvorstand
    Orhan Akman, Bundesfachgruppenleiter Einzel- und Versandhandel

  • Protestbrief als PDF-Datei

 

Vuyani wurde von der Unternehmensleitung des Rassismus beschuldigt, obwohl er es war, der den Rassismus im Unternehmen im Allgemeinen und den Rassismus eines bestimmten Managers im Besonderen in Frage gestellt hat. Sie sagten, er sei ein Rassist, weil er die Arbeiter gegen den Rassismus organisiert hat. Namaqua Wines hat deutlich gezeigt, dass sie jeden loswerden wollen, der sich organisiert, um die Ausbeutung und den Rassismus im Unternehmen zu bekämpfen. Die Beschäftigten werden es sich nun zweimal überlegen, bevor sie sich organisieren, um den Status quo zu ändern.

Das zeigt sich auch an der Vorgehensweise des Unternehmens bei den Lohnverhandlungen. Die Beschäftigten haben eine äußerst bescheidene Forderung nach einer Erhöhung ihres Wochenlohns um 150 Rand (etwa 8,44 Euro) erhoben, das entspricht etwa 13 Prozent. Das Unternehmen hat dies kurzerhand abgelehnt und bietet lediglich 3,7 Prozent an.

Die CSAAWU hat bereits deutlich gemacht, dass man dem Angebot des Unternehmens nicht zustimmen werde und den gesetzlich vorgeschriebenen Prozess für einen geschützten Streik eingeleitet. Die Reaktion des Unternehmens darauf war, alle Lohnangebote zurückzuziehen. Deshalb wird es in diesem Jahr keine Lohnerhöhungen für die Beschäftigten geben, obwohl diese besonders dringend sind, da sich Weihnachten und Jahresende nähern und die Beschäftigten in dieser Zeit wegen zusätzlicher Ausgaben mehr Geld benötigen. Dabei kämpfen die Kolleginnen und Kollegen angesichts ihrer Hungerlöhne schon jetzt um das Überleben.


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