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Nie wieder Rana Plaza, nie wieder Tazreen!

Nie wieder Rana Plaza, nie wieder Tazreen!

Textilarbeiterinnen in Bangladesch demonstrieren für sichere Arbeitsbedingungen
Demonstration der Textilgewerkschaft NGWF am 24. November 2020 in Dhaka NGWF Gewerkschaftsdemonstration in Bangladesch  – Demonstration der Textilgewerkschaft NGWF am 24. November 2020 in Dhaka

Hunderte Textilarbeiterinnen und -arbeiter folgten am 24. November in Bangladesch dem Aufruf der Gewerkschaft NGWF (National Garment Workers Federation) zu einer Demonstration unter dem Motto „Nie wieder Rana Plaza und Tazreen“. Sie forderten die landesweite Festlegung von Entschädigungszahlungen für Todesfälle am Arbeitsplatz. Anlass war der achte Jahrestag des Brandes in der Tazreen-Kleiderfabrik am 24. November 2012, bei dem in einem Außenbezirk der Hauptstadt Dhaka mindestens 113 Menschen getötet und mehr als 150 Menschen verletzt worden waren. Die Fabrik hatte Kleidung unter anderem für C&A und Walmart produziert.

Das waren keine Unglücke, sondern Mord durch Nachlässigkeit!

Amirul Haque, Vorsitzender der NGWF

Der NGWF-Vorsitzende Amirul Haque und weitere Führungsmitglieder ehrten während der Kundgebung die bei dem Brand getöteten Arbeiterinnen und Arbeiter und erinnerten auch an die mehr als 1100 Menschen, die am 24. April 2013 beim Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza ebenfalls in einem Vorort von Dhaka starben. Es habe sich nicht um Unglücke gehandelt, sondern um Mord durch Nachlässigkeit, betonten sie. Noch immer sei die Strafe für den Tazreen-Fabrikbesitzer jedoch nicht endgültig bestätigt worden, kritisierten sie. Zwar hätten die Hinterbliebenen der Opfer Entschädigungszahlungen erhalten, doch die Familien von tausenden weiteren Textilarbeiter*innen, die bei Fabrikbränden getötet wurden, hätten bislang keine Unterstützung entsprechend der Richtlinien der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) bekommen. Kein einziger Unternehmer habe sich bisher vor Gericht für den Tod der Beschäftigten verantworten müssen. Das sei ein Grund dafür, warum sich in Bangladesch nach wie vor jeden Tag solche Verbrechen ereignen, kritisierten die Gewerkschafter*innen.

Die NGWF rief Unternehmen, Regierung und Arbeiterorganisation zur Zusammenarbeit auf, damit die Beschäftigten der Textilindustrie in Bangladesch nicht länger ihr Leben oder ihre Gesundheit auf Spiel setzen müssen, weil Fabrikbesitzer Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigen. Notwendig sei auch ein landesweiter Standard für Entschädigungszahlungen an Hinterbliebene bei Todesfällen am Arbeitsplatz.

ver.di-Handel steht mit der NGWF in Verbindung und solidarisiert sich mit den Kolleginnen und Kollegen in Bangladesch. Wir fordern endlich die Verabschiedung eines Lieferkettengesetzes, damit Unternehmen auch hierzulande Verantwortung für die Zustände bei ihren Zulieferern übernehmen müssen!