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Modeketten sollen Angriffe auf indische Gewerkschaftsaktive stoppen

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Modeketten sollen Angriffe auf indische Gewerkschaftsaktive stoppen

Laut GATWU wurden Gewerkschaftsmitglieder entlassen, die auf ihrem Arbeitsrecht bestehen.
Union Busting stoppen! fotohansel, Bild-ID #168123282, Fotolia.com Union Busting stoppen!

ver.di hat Modeketten in Deutschland aufgefordert, Angriffe auf Gewerkschaftsaktive bei einem großen Zulieferer in Indien zu unterbinden.

Laut der indischen Gewerkschaft Garment and Textile Workers Union (GATWU) hat das Management des Zulieferers Avery Dennison in Bangalore Gewerkschaftsmitglieder entlassen, die das indische Arbeitsrecht für sich in Anspruch nehmen.

Avery Dennison produziert unter anderem für H&M, Inditex, Primark und GAP. Die Leiharbeitenden hatten über ihre Gewerkschaft die Forderung nach Festanstellung und gleiche Arbeitsbedingungen für gleiche Arbeit erhoben.

"Teilweise arbeiteten die Leiharbeiterinnen und -arbeiter schon mehrere Jahre im Unternehmen und erledigten die gleichen Aufgaben wie Festangestellte, obwohl in Indien Leiharbeit für Daueraufgaben unzulässig ist", erklärte Prathibha Ramanath, Vorsitzende der Gewerkschaft GATWU.

Große Modeketten erklären stets, dass Gewerkschafts- und Arbeitsrechte bei ihren Zulieferern eingehalten werden und Verträge entsprechende Vorgaben enthalten. "Aber erst auf den Druck von ver.di, uns Betriebsräten und Nichtregierungsorganisationen haben sich die Modeketten in Deutschland in den Konflikt eingemischt", sagte Ralf Sander, Betriebsratsvorsitzender von Primark in Hannover und Mitglied im ver.di-Arbeitskreis Junge Mode.

Dieser Druck habe dazu geführt, dass die Einkäuferunternehmen Verhandlungen zwischen dem Management von Avery Dennison und GATWU vermittelt haben. Diese Verhandlungen sollten von der Ethical Trading Initiative moderiert werden, einer Multi-Stakeholder-Initiative zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen bei Zulieferern in der Bekleidungsindustrie.

Nun muss erneuter Druck der Einkäuferunternehmen für ein schnelles Ende des Konfliktes sorgen, bevor die Situation in einem Arbeitskampf eskaliert.

Stefanie Nutzenberger, Bundesfachbereichsleitung im Handel und Bundesvorstandsmitglied der ver.di

Einen konkreten Verhandlungstermin sagte das Management von Avery Dennison jedoch mit der Begründung ab, es habe sich durch eine Kundgebung von GATWU bedroht gefühlt. Zuvor hatte das Management Teilnehmende der Kundgebung filmen lassen.

"Das sind fadenscheinige Gründe, um nicht mit unseren Gewerkschaftskolleginnen und -kollegen verhandeln zu müssen", erklärte Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied für den Handel.

Die GATWU habe eine Kundgebung zum Schichtwechsel organisiert, um die Beschäftigten über die anstehenden Verhandlungen zu informieren.

"Das ist gängige Gewerkschaftsarbeit überall auf der Welt. Deswegen Gespräche abzusagen zeigt, dass das Management von Avery Dennison kein Interesse an einer Lösung des Konflikts hat", so Nutzenberger.