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Orangensaft: Neuigkeiten aus dem Netzwerk

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Orangensaft: Neuigkeiten aus dem Netzwerk

Unternehmen erzielen in der Corona-Krise Profite auf dem Rücken der Beschäftigten.
Orangensaft Solidarität Brasilien Gute Arbeit Hubert Thiermeyer Unsere Delegation im Dezember 2019 mit Aktiven der "Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra"

In Brasilien sterben täglich rund 1.000 Menschen an Covid-19. Und obwohl der Höhepunkt der Pandemie noch nicht erreicht ist, haben unter dem Druck des Marktes trotzdem einige Bundesstaaten eine weitgehende Lockerung von Einschränkungsmaßnahmen beschlossen.

Die Beschränkungen hatten die Wirtschaft nicht einheitlich getroffen: Einige systemrelevante Sektoren, darunter der Nahrungsmittelsektor und der Agro-Industriesektor, produzierten auch in den letzten Monaten durchgänging.

  • Pandemie wirkt sich auf die Einstellung von Arbeitskräften im Orangensaftsektor aus

Die Gewerkschaften der Landarbeitenden weisen darauf hin, dass die Einstellung von Wanderarbeitenden für die Orangenernte zurückgegangen ist. Laut Gewerkschaften liegt dieser Rückgang zum einen an neuen Hürden für die Anreise der Beschäftigten. Zum anderen sind sie üblicherweise in Sammelunterkünften untergebracht, welche zu neuen Infektionsherden werden können.

Die Landarbeitergewerkschaften rechnen daher mit einem Rückgang von gut 30% bei der Einstellung von Wanderarbeitenden, die stattdessen zunehmend durch lokale Arbeitskräfte ersetzt werden. Die Gewerkschaften führen dazu aktuell Befragungen unter den Plantagenbeschäftigten durch.

  •  Erste Corona-Infizierte im Orangensaftsektor

Die Mitgliedsgewerkschaften des Orangensaft-Netzwerks haben bereits erste Fälle von Covid-19 in Unternehmen des Orangensaftsektors registriert. Die Gewerkschaften setzen sich daher aktuell mit Nachdruck für sichere Arbeitsbedingungen und Schutzausrüstungen für alle Beschäftigte im Orangensaftsektor ein, verhandeln darüber mit Arbeitgebern und konnten hier bereits erste Erfolge erzielen.

Bei den Zuliefererplantagen gestalten sich dagegen die Verhandlungen eher schwierig.

  • Unternehmen erzielen in der Corona-Krise Profite auf dem Rücken der Beschäftigten

Viele Unternehmen nutzen die Pandemie aus, um Gehaltserhöhungen auszusetzen oder Tarifverträge zu ihren Gunsten durchzusetzen. Diese Situation ist sowohl im Agrar- als auch im Industriesektor zu beobachten.

Der Agrarsektor hat die höchsten Beschäftigungsraten im Orangensaftsektor, der Großteil der Beschäftigten arbeitet jedoch unter prekären Bedingungen und zu niedrigen Löhnen. Die Corona-Pandemie erschwert das gewerkschaftliche Handeln. Treffen und Versammlungen können wegen des Infektionsrisikos nur sehr eingeschränkt abgehalten werden. 

Die Unternehmen machen sich die eingeschränkte Handlungsfähigkeit der Gewerkschaften zunutze und üben aktuell vermehrt Druck auf Gewerkschaften aus, um Tarifverträge zu ihren Gunsten zu gestalten. Dies würde die ohnehin schon prekäre Situation insbesondere der Landarbeitenden noch weiter verschärfen.

Nach Einschätzung der Gewerkschaften ist dieser Druck nicht gerechtfertigt, denn der Sektor proftierte zuletzt vom Anstieg des Dollars gegenüber dem Real während des gesamten Jahres 2019 und Anfang 2020.

Darüber hinaus verzeichnete die Ernte 2019/2020 laut Berichten der brasilianischen Presse einen Exportzuwachs von 17%, mit einem Anstieg der Einnahmen um 4,5% auf 1,525 Milliarden Dollar. Und schließlich verzeichnet die Orange derzeit einen der höchsten Rohstoffpreise auf dem globalen Markt.

Die Beschäftigten dürfen nicht die Rechnung für die soziale Propaganda der Unternehmen bezahlen!

Während die Unternehmen sich weigern, Tarifverträge mit Lohnerhöhungen auszuhandeln, spenden sie Geld an diverse regionale Einrichtungen. Das geht gar nicht!

Wir fordern von den Unternehmen mehr Verantwortung gegenüber ihren Beschäftigten, faire Tarifverträge mit kürzeren Laufzeiten und mehr Gehaltserhöhungen! 

Im Januar 2020 hatten wir eine internationale Konferenz in Berlin organisiert und seit Jahren unterstützen wir die internationale Arbeit entlang von Wertschöpfungsketten, auch im Bereich Orangensaft im Lebensmittelhandel.

Die Besonderheit der Wertschöpfungskette Orangensaft ist die, dass drei Konzerne in Brasilien fast 80 Prozent des weltweiten Orangensafts aus Konzentrat dominieren. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der vor Ort eingesetzten Arbeitskräfte sind vielfach katastrophal, immer wieder werden sklavenähnliche Arbeitsbedingungen vorgefunden.

Mehr Details zur aktuellen Situation findet ihr hier als PDF zum Nachlesen:


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