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Mehr verdient als Applaus und freundliche Worte

Welttag für menschenwürdige Arbeit

Mehr verdient als Applaus und freundliche Worte

Welttag für menschenwürdige Arbeit, 7. Oktober 2020 UNI Global Union Welttag für menschenwürdige Arbeit 2020  – Kampagne von UNI Global Union

06. Oktober 2020. Überall auf der Welt begehen die Gewerkschaften am 7. Oktober den „Welttag für menschenwürdige Arbeit“, der 2008 vom Internationalen Gewerkschaftsbund ins Leben gerufen wurde. In diesem Jahr steht das Datum wie so vieles andere auch im Zeichen der Coronavirus-Pandemie, denn in den vergangenen Monaten waren es vor allem die Menschen in oft unterbezahlten, unterbewerteten und unterschätzten Berufen, die das Funktionieren der Gemeinschaft ermöglicht haben. Sie stellten und stellen sicher, dass die Regale mit Lebensmitteln gefüllt sind und kranke und ältere Menschen gepflegt werden, sie sorgen für die Sicherheit und Sauberkeit in unseren Schulen, in öffentlichen Verkehrsmitteln und öffentlichen Räumen. Sie tragen Post und Pakete aus und gewährleisten den unverzichtbaren Zugang zu Finanzdiensten.

Im Frühjahr wurden sie gefeiert und vom Balkon aus sowie im Bundestag beklatscht. Doch das reicht nicht! „Eine gerechte Wirtschaftsordnung nach der Pandemie ist nur dann möglich, wenn die Arbeit in systemrelevanten Berufen einer grundlegenden Neubewertung unterzogen wird. In Krisen und in ruhigen Zeiten leisten diese Arbeitskräfte einen so wesentlichen Beitrag, dass sie mehr verdienen als Applaus und freundliche Worte,“ erklärt Christy Hoffman, Generalsekretärin der internationalen Dienstleistungsgewerkschaft UNI Global Union, der auch ver.di angehört. „Menschenwürdige Arbeit heißt: bessere Entlohnung, sichere Arbeitsplätze, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Vertretung durch Gewerkschaften und Respekt.“

Nachdem die Krise für alle sichtbar gezeigt hat, wie unverzichtbar die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen ist, dürfen ihre Bedürfnisse nicht länger ignoriert werden. Aus Anlass des Welttages für menschenwürdige Arbeit fordern die Gewerkschaften deshalb:

  • Menschenwürdige Entlohnung. Wenn die Arbeit so unverzichtbar ist, dass man es wagen muss, sich einem tödlichen Virus auszusetzen, muss für diesen Einsatz wenigstens ein existenzsichernder Lohn gezahlt werden.
  • Sicherheit am Arbeitsplatz. Die Beschäftigten müssen Zugang zu persönlichen Schutzaus­rüstungen haben und Maßnahmen wie ausreichenden Abstand zueinander sowie andere Sicherheitsbestimmungen einhalten können.
  • Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. In vielen Ländern müssen die Gewerkschaften noch darum kämpfen, dass gesundheitliche Probleme nicht die wirtschaftliche Existenz der Familien bedrohen. Die garantierte Lohnfortzahlung und der freie Zugang zu medizinischer Versorgung sind von entscheidender Bedeutung, um Beschäftigte zu schützen und die Ausbreitung des Coronavirus und anderer Krankheitserreger aufzuhalten.
  • Allgemeinverbindliche Tarifverträge. Auch hierzulande verweigern viele Unternehmen ihren Beschäftigten den Schutz durch Tarifverträge und lehnen Verhandlungen mit den Gewerkschaften ab. Damit muss Schluss sein! Auch die gegenwärtige Krise hat gezeigt, dass Beschäftigte durch Standards und Schutzregeln, die in Tarifverträgen festgeschrieben sind, geschützt und abgesichert werden. Deshalb muss die Tarifflucht z.B. im Handel gestoppt werden, zum Beispiel indem Tarifverträge auch gegen den Willen der Unternehmer für allgemeinverbindlich erklärt werden können.
  • Besonderer Schutz in Krisenfällen. Beschäftigte in „systemrelevanten“ Berufen müssen in Krisenfällen darauf vertrauen können, nicht alleine gelassen zu werden. Dazu gehören eine sichere Betreuung der Kinder, Gefahren­zulagen, ausreichender Arbeitsschutz und Schulungen über den richtigen Umgang mit der Situation, Zugang zu Tests und sichere Wege von der und zur Arbeit.

 

Noch nicht ver.di-Mitglied? Dann aber ran!