Tarifbewegung im Einzel- und Versandhandel

Fünf wichtige Fragen und Antworten

Fünf wichtige Fragen und Antworten

zum aktuellen Stand der Tarifrunden 2021 im Einzel- und Versandhandel
Streikposten am 25. Juni 2021 vor dem Lidl-Zentrallager in Graben ver.di Handel Bayern Streik bei Lidl in Graben
  • Was fordern wir für die Kollegen*innen im Einzel- und Versandhandel?

    Tabellenwirksame Entgelterhöhungen in Höhe von 4,5 Prozent plus 45 Euro bei einer Laufzeit von maximal 12 Monaten für alle Beschäftigten. Das bedeutet Reallohnerhöhungen für die Kollegen*innen. Tarifvertraglicher Mindestlohn von 12,50 Euro die Stunde, damit die Kolleg*innen auch von ihrer Rente leben können. Allgemeinverbindlichkeit unserer Tarifverträge. Dies beugt dem Verdrängungswettbewerb auf Kosten der Beschäftigten vor und sichert allen existenzsichernde Entgelte.

  • Was bieten die Unternehmen den Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel?

    Die Unternehmen und ihre Verbände bieten Erhöhungen für drei Jahre, die aktuell unter der zu erwartenden Preissteigerungsrate liegen. Das würde dazu führen, dass die Kollegen*innen nach einer Erhöhung nicht mehr Geld, sondern weniger Geld zum Leben hätten. Außerdem wollen sie nicht alle Beschäftige gleich behandeln, sondern differenzieren in wie gut oder schlecht die Unternehmen durch die Pandemie gekommen sind.

  • Warum ist es schwierig, in dieser Tarifrunde zu einem Tarifabschluss zu kommen?

    Die Arbeitgeberverbände im Handel wollen in der laufenden Tarifrunde weiter ihre Niedriglohnpolitik zulasten der Beschäftigten fortsetzen. Die Pandemie soll herhalten, Niedriglöhne nun auch tarifvertraglich in Handelsbereichen zu etablieren, die sich in der Pandemie dumm und dämlich verdient haben. Sie fordern eine Differenzierung. Lohnerhöhungen zu trennen nach Unternehmen, die nach Auffassung der Unternehmen „gut durch die Pandemie“ gekommen sind und diejenigen, die „von den Pandemieauswirkungen betroffen sind“, ist nur der Versuch, die Belegschaften zu spalten. Wir wollen keine Spaltung der Beschäftigten, alle leisten viel und haben eine Entgelterhöhung verdient.

  • Wie blockieren die Unternehmen und ihre Verbände eine Lösung in dieser Tarifauseinandersetzung?

    Anstatt Lösungen zu finden, halten die Unternehmen an ihrem einseitigen Lohndiktat und damit an den Reallohnverlusten für die Beschäftigten fest. Der Arbeitgeberverband hat auf unsere Arbeitskämpfe und Ablehnung ihres Angebotes mit einer Verbandsempfehlung geantwortet. Er empfiehlt den Unternehmen eine Erhöhung nach zwei Nullmonaten zum 01.07.2021 um zwei Prozent. Einige der großen Unternehmen haben mittlerweile mitgeteilt, dass sie der Empfehlung folgen werden.

  • Wie kann ein Lösungsvorschlag von ver.di aussehen?

    Kollegen*innen können auf Wunsch die zukünftige Entgelterhöhung für einen vereinbarten Zeitraum in zusätzliche Freizeit (Urlaubstage) umwandeln. Das heißt: Geld oder Freizeit. Dieser Vorschlag bietet den Kollegen*innen mehr Arbeitszeitsouveränität und leistet einen Beitrag zum Gesundheitsschutz. Für die Unternehmen bringt es die geforderte zeitweise Entlastung, da sie anstelle der Entgelterhöhungen zunächst nur mehr Urlaubstage gewähren müssen.

    Die Unternehmen haben diesen Lösungsvorschlag bisher abgelehnt und fordern weiter die Differenzierung, also die Spaltung der Belegschaft. Sie bleiben bei ihrem Angebot und verweigern den Beschäftigten im Handel die wohlverdienten Erhöhungen.

In ihrer Argumentation räumen die Unternehmen ein, dass es trotz der Pandemie Umsatzsteigerungen gab. Gleichzeitig verweisen sie darauf, dass sie wegen den Schutzmaßnahmen für die Beschäftigte mehr Kosten gehabt hätten.

Sollen die Beschäftigten etwa nun die Zeche für Gesundheitsschutzmaßnahmen selber zahlen?

Wir sagen Nein! Die Fürsorgepflicht liegt bei den Unternehmen. Die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel leisten jeden Tag viel. Sie haben existenzsichernde Löhne und eine Rente, die zum Leben reicht verdient. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig Druck aufzubauen und den Unternehmen zu zeigen, dass viele Kolleg*innen hinter den Tarifforderungen stehen.

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