Erste Streiks in der Tarifrunde Einzel- und Versandhandel

Baden-Württemberg und NRW legen vor: Demonstration und Kundgebung in Stuttgart
02.05.2023
Ohne uns kein Geschäft - Tarifrunden 2023

2. Mai 2023. Zum ersten Mal in den diesjährigen Tarifrunden des Einzel- und Versandhandels ruft ver.di dm heutigen Dienstag, 2. Mai, zu Warnstreiks in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf.

In den baden-württembergischen Bezirken Stuttgart, Heilbronn-Neckar-Franken und Fils-Neckar-Alb die Beschäftigten von H&M, Primark, Esprit und Media Markt zum Streik für höhere Löhne und Gehälter auf. Auch Beschäftigte von Galeria Karstadt Kaufhof werden zum Streik aufgerufen. Bei diesen geht es um die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels Baden-Württemberg.

 

Die Beschäftigten sind der wichtigste Faktor im Einzelhandel. Wer in sie investiert, der investiert in einen zukunftsfähigen Handel. Und dafür braucht es gute Lohn- und Gehaltserhöhungen

Caroline Kirchhoff, ver.di-Gewerkschaftssekretärin in Heilbronn

„Wir haben eine harte Tarifrunde vor uns. Es geht um nichts weniger als die Existenzen von 490.000 Beschäftigten, von denen ein großer Teil von Altersarmut bedroht ist. Bereits in der ersten Verhandlungsrunde hat der Handelsverband Baden-Württemberg ein Angebot gemacht. Das gibt Hoffnung. Aber da ist noch viel Luft nach oben. Wir brauchen vor allem tabellenwirksame Erhöhungen für die Kolleginnen und Kollegen. Die Beschäftigten sind der wichtigste Faktor im Einzelhandel. Wer in sie investiert, der investiert in einen zukunftsfähigen Handel. Und dafür braucht es gute Lohn- und Gehaltserhöhungen“ erklärt Caroline Kirchhoff, ver.di-Gewerkschaftssekretärin in Heilbronn.

„Für die Beschäftigten bei Galeria Karstadt Kaufhof ist es eine besondere Situation. Sie haben seit mehreren Jahren auf bis zu 5.500 € jährlich verzichtet und haben so mehr als genug getan, um den Warenhäusern eine Zukunft zu geben. Zu Recht fordern sie nun die Anerkennung der Flächentarifverträge“, so Kirchhoff weiter.

Beschäftigte von H&M, Primark, Esprit, Media Markt und Galeria Karstadt Kaufhof treten nun gemeinsam in den Streik, um ein Signal an den Handelsverband bzw. Galeria Karstadt Kaufhof zu senden.

Das Arbeitgeberangebot lautet:

Erhöhung der Löhne und Gehälter in zwei Schritten: 3 % (ab Abschlussmonat), im zweiten Jahr um weitere 2 %; Ausbildungsvergütungen entsprechend
Zahlung einer steuer- und abgabenfreien Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 1.000 € (in zwei Beträgen: 750 € im ersten, 250 € im zweiten Jahr).
Für Unternehmen in Notlagen soll es eine tarifliche Notfallklausel geben
Laufzeit 24 Monate
ver.di fordert für die Beschäftigten im Einzel- und Versandhandel Baden-Württemberg:

Erhöhung der Löhne und Gehälter um 15 %
Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 200 €
Verdoppelung der tariflichen Sozialzulagen
Laufzeit: 12 Monate
Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der neu abzuschließenden Tarifverträge
ver.di hat die Entgelttarifverträge zum 31. März 2023 gekündigt. Die zweite Runde der Tarifverhandlungen findet am 17. Mai statt (Verhandlungsort: Stuttgart-Weilimdorf).

Für die Beschäftigten von Galeria Karstadt Kaufhof fordert ver.di u. a. den Abschluss eines Anerkennungstarifvertrages, der die Tarifbindung an die Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels wiederherstellt.

 

Nachdem auch in Nordrhein-Westfalen die Arbeitgeber vom Handelsverband NRW in der ersten Verhandlungsrunde mit ihrem Angebot die rund 700.000 Beschäftigten des Einzelhandels des Bundeslandes mit Reallohnverlust abspeisen wollen, erhöht die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft auch hier den Druck auf die Unternehmer und ruft am heutigen Dienstag die Beschäftigten im Bezirk Düssel-Rhein-Wupper zu ersten Warnstreiks auf. Aufgerufen sind die Beschäftigten von Kaufland Düsseldorf Bilk, Kaufland Remscheid, Saturn Düsseldorf, H&M Hilden, H&M Düsseldorf-Bilk, H&M Remscheid, Primark Düsseldorf sowie das Esprit Outlet in Ratingen.

 

Die Menschen brauchen dringend nachhaltige, tabellenwirksame Entgelterhöhungen. Wer das noch nicht versteht, braucht jetzt ein deutliches Zeichen!

Silke Zimmer, ver.di-Verhandlungsführerin NRW

Die Arbeitgeber machten in der ersten Verhandlung ein Angebot, das bei einer aktuellen Inflation von 6,9 Prozent (März 2023) in NRW ein Reallohnverlust für die Beschäftigten bedeutet. Das Angebot sieht eine Erhöhung der Entgelte um drei Prozent zum Abschlussmonat sowie weitere zwei Prozent zum 1. Mai 2024 und eine Inflationsausgleichsprämie ab Abschlussmonat in Höhe von 750 Euro und weitere 250 Euro im zweiten Jahr (Zeitpunkt offen) vor. Zu den ver.di-Forderungen nach einer gemeinsamen Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge (AVE) verweigert die Arbeitgeberseite die Verhandlungen.

„Wut und Enttäuschung hat das Arbeitgeberangebot bei den Beschäftigten hervorgerufen. Die Beschäftigten stehen jeden Tag im Geschäft und halten den Laden am Laufen. Statt Wertschätzung sollen sie weitere Reallohnverluste hinnehmen“, so ver.di-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. „Die Menschen brauchen dringend nachhaltige, tabellenwirksame Entgelterhöhungen, damit sie die gestiegenen Lebenshaltungskosten bezahlen können und das Rentenalter finanziell sorgenfrei ist. Da hilft keine Einmalzahlung. Wer das noch nicht versteht, braucht jetzt ein deutliches Zeichen!“ 

ver.di fordert 2,50 Euro mehr Gehalt und Lohn pro Stunde. Die Ausbildungsvergütungen sollen um 250 Euro angehoben werden. Die Laufzeit des Tarifvertrages soll zwölf Monate betragen. Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge und ein rentenfestes Mindestentgelt von 13,50 Euro pro Stunde. Die Verhandlungen werden am 22. Mai in Recklinghausen fortgesetzt.