Tarifbewegung im Einzel- und Versandhandel

ver.di weist Vorwürfe des HDE zurück

ver.di weist Vorwürfe des HDE zurück

Gewerkschaft erwartet nach Tarifabschluss in Hessen weitere Tarifabschlüsse im Einzelhandel und eine Allgemeinverbindlichkeit
Streikende Beschäftigte von H&M und Zara am 18. Juni 2021 in Augsburg Sylwia Lech Streikende am 18. Juni 2021 in Augsburg

30. September 2021. Nach dem Tarifabschluss für den Einzelhandel in Hessen fordert die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) den Handelsverband Deutschland (HDE) auf, dem Abschluss von Tarifverträgen im ganzen Bundesgebiet nicht länger im Weg zu stehen. Dieser hatte sich nach dem Abschluss in Hessen erneut negativ geäußert und der Gewerkschaft vorgeworfen, sie würde mit ihren Forderungen und den Streiks der Beschäftigten die Branche erpressen und in Teilen überfordern. Dazu Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter Einzelhandel: „Der HDE hat monatelang eine Tariflösung mit längst fälligen Entgelterhöhungen für die Beschäftigten blockiert. Während der gesamten Verhandlungen hat er sich an keiner Stelle innovativ und lösungsorientiert eingebracht. Nun kommt der gleiche Verband mit unhaltbaren Vorwürfen um die Ecke. Damit muss Schluss sein. Der HDE muss jetzt endlich Verantwortung für die Beschäftigten übernehmen!“ Die Beschäftigten täten das, was für ihr Überleben wichtig sei: Sie kämpften um sichere Arbeit und gute Löhne! Dafür seien Tarifverträge elementar. „Das Recht dafür zu streiken, ist grundgesetzlich verankert. Der HDE muss dieses Grundrecht anerkennen, statt gegen die berechtigten Forderungen der Beschäftigten und ihrer Gewerkschaft zu schießen, sonst macht er sich lächerlich“, so Akman.

Über drei Millionen im Einzel- und Versandhandel arbeitende Menschen hätten das Land in der Pandemie am Laufen gehalten und die Bevölkerung versorgt. „Jetzt sind die Beschäftigten dran. Der Tarifabschluss war längst fällig und wir lassen diesen hart erkämpften Abschluss nicht durch einzelne Unternehmen und ihren Dachverband zerreden,“ so Akman. Bei weiteren Abschlüssen in den Ländern müsste den Besonderheiten der Tarifgebiete und daraus resultierenden spezifischen Forderungen Rechnung getragen werden.

Um den Vernichtungswettbewerb in der Branche nicht weiter anzuheizen aber auch der prekären Entlohnung gemeinsam den Kampf anzusagen, seien allgemeinverbindliche Tarifverträge oberstes Gebot: „Wir müssen Tarifabschlüssen endlich wieder Wirkung in die Breite verschaffen und fordern den HDE und seine regionalen Verbände auf, mit uns gemeinsam die Tarifverträge bei den zuständigen Ministerien für allgemeinverbindlich erklären zu lassen. Denn Tarifflucht und ein Wettbewerb, der über Billiglöhne und auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird, ist kein Modell für die Zukunft der Branche“, so Akman.
Mit dem Tarifabschluss des Einzelhandels in Hessen werden die Entgelte der Beschäftigten dort rückwirkend zum 1. August dieses Jahres um 3,0 Prozent und zum 1. April 2022 um weitere 1,7 Prozent angehoben. Die Ausbildungsvergütungen steigen in beiden Tarifjahren in allen drei Ausbildungsjahren um 30 Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen Steigerung je Tarifjahr um 2,5 bis 3,0 Prozent.


  Immer noch nicht Mitglied bei ver.di?

  Dann aber los jetzt - gemeinsam höhere Löhne erkämpfen!

Tarifabschluss Einzel- und Versandhandel Hessen

Pres­se­mit­tei­lung ver­.­di Hes­sen

„Am En­de von zwei Nacht­sit­zun­gen konn­te nach fast sechs­mo­na­ti­gen Ta­rif­ver­hand­lun­gen der ‚Kno­ten‘ durch­ge­schla­gen und ein ak­zep­ta­bler Ta­ri­fab­schluss er­reicht wer­den, der die an­ge­spann­te so­zia­le La­ge der Be­schäf­tig­ten in der Co­ro­na-Pan­de­mie be­rück­sich­tig­t. Die Ent­gel­te wer­den rück­wir­kend zum 1. Au­gust die­ses Jah­res um 3,0 Pro­zent und zum 1. April 2022 um wei­te­re 1,7 Pro­zent an­ge­ho­ben. Die Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen stei­gen in bei­den Ta­rif­jah­ren in al­len drei Aus­bil­dungs­jah­ren um 30 Eu­ro. Dies ent­spricht ei­ner durch­schnitt­li­chen Stei­ge­rung je Ta­rif­jahr um 2,5 bis 3,0 Pro­zent“, er­klärt Bern­hard Schie­de­rig, Lan­des­fach­be­reichs­lei­ter Han­del der ver­.­di Hes­sen und Ver­hand­lungs­füh­rer für den hes­si­schen Ein­zel- und Ver­sand­han­del: „Da­mit geht nicht nur ein Ver­hand­lungs­ma­ra­thon, son­dern auch ei­ne mehr­mo­na­ti­ge durch zahl­rei­che Streiks und öf­fent­li­che Ak­tio­nen ge­präg­te Ta­rifrun­de zu En­de. Ne­ben der ma­te­ri­el­len Er­hö­hung der Ge­häl­ter, Löh­ne und Aus­bil­dungs­ver­gü­tun­gen ist es uns ge­lun­gen, die von den Ar­beit­ge­bern lan­ge Zeit fa­vo­ri­sier­te Dif­fe­ren­zie­rung der Bran­che und da­mit von ih­nen ab­ge­lei­te­te Un­gleich­be­hand­lung der Be­schäf­tig­ten ver­schie­de­ner Be­rei­che des Ein­zel- und Ver­sand­han­dels zu ver­hin­dern. Un­se­re For­de­rung ‚Glei­che Er­hö­hung für al­le im Han­del‘ war nicht nur po­pu­lär un­ter den Be­schäf­tig­ten, son­dern fand auch ei­ne po­si­ti­ve Re­so­nanz in der Öf­fent­lich­keit.“ ­Der neue Ge­halts- und Lohn­ta­rif­ver­trag für den Ein­zel- und Ver­sand­han­del in Hes­sen hat ei­ne Lauf­zeit bis 31. März 2023. Der Han­dels­ver­band Hes­sen und ver­.­di ver­ein­bar­ten ei­ne Er­klä­rungs­frist bis zum 4. Ok­to­ber 2021.