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Augenwischerei löst keine Probleme

Augenwischerei löst keine Probleme

ver.di fordert: Ausbildungsqualität in den Betrieben verbessern. Von Daniel Nikolovic
Azubi mit Sprechblase: Azubis sind mehr wert. ver.di Handel Azubis sind mehr wert  – Azubi mit Sprechblase: Azubis sind mehr wert.

Der Arbeitgeberverband des Einzelhandels, HDE, hat am 5. Mai 2021 per Pressemitteilung unter dem Titel „Große Karrierechancen im Einzelhandel – Ausbildungsplatzangebot der Branche wächst weiter“ verkündet, dass die Branche die Zahl der Ausbildungsplätze erhöhen will. Das freut uns, überrascht uns aber auch, denn bisher ging der Trend in eine andere Richtung: Seit 2010 gehen die Neuvertragsabschlüsse zurück. 2019 gab es knapp 22 Prozent weniger Neuabschlüsse als noch vor neun Jahren. Auch 2020 konnten zahlreiche Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Darüber klagen die großen Handelsunternehmen seit Jahren. Wenn aber die Gewerkschaft z.B. in den Tarifrunden über Lösungsvorschläge sprechen möchte, um die Branche für junge Menschen attraktiver zu machen möchte, stößt sie immer wieder auf taube Ohren der Unternehmer. Unsere Mitglieder berichten uns immer wieder, dass sie als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden, regelmäßig Überstunden leisten und ihre Berichtshefte in der Freizeit schreiben müssen.

Augenwischerei löst keine Probleme, deshalb ist der HDE angehalten mit uns an Lösungen zu arbeiten, die die Ausbildungsqualität in den Betrieben verbessern.

Daniel Nikolovic, ver.di Handel

Auch die fehlende Perspektive spielt eine große Rolle bei der Wahl eines Ausbildungsplatzes. „Karrierechancen, die der HDE anpreist, entsprechen nicht der betrieblichen Realität“. Eine Vollzeitstelle ist für die Beschäftigten im Einzelhandel Luxus. Aktuell besitzt nur ein Drittel der Beschäftigten im Einzel und Versandhandel einen Vollzeitvertrag. Die realen Karrierechancen sind im Einzelhandel sehr begrenzt, denn sobald die üblichen Führungspositionen als Filial- oder Abteilungsleitung besetzt sind, gibt es kaum noch Möglichkeiten, an solche begehrten Stellen heranzukommen. Auch mangelt es an Planungssicherheit, weil die Auszubildenden nicht wissen, ob sie nach der Ausbildung übernommen werden. ver.di fordert deshalb schon lange eine Übernahmegarantie für die Auszubildende, damit sie nicht erst als billige Arbeitskräfte ausgenutzt und dann im Regen stehen gelassen werden

„Augenwischerei löst keine Probleme, deshalb ist der HDE angehalten mit uns an Lösungen zu arbeiten, die die Ausbildungsqualität in den Betrieben verbessern.“ Übernahmeregelungen, feste Karrieremöglichkeiten, ein rentenfestes Mindestgehalt, Mindestbesetzung von Ausbildern im Betrieb um schlechten Ausbildungsbedingungen entgegenwirken wären ein Anfang.


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