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Tarif-Einigung in Sicht

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Tarif-Einigung in Sicht

Berlin, 02.06.2016 Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Arbeitgeber haben sich heute auf Eckpunkte für einen Zukunftstarifvertrag für das SB-Warenhaus Real mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2019 geeinigt.

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"Wir haben einen wichtigen Kompromiss erzielt. Die Einigung sieht unter anderem eine weitgehende Standort- und Beschäftigungssicherung, verbindliche Investitionszusagen von einer Milliarde Euro sowie die Rückkehr in die Tarifbindung im Jahr 2018 vor. Hinter uns liegt eine harte Auseinander-setzung. Wir konnten viele unzumutbare Forderungen der Arbeitgeber abwehren. Die Beschäftigten, die unter schwierigen Bedingungen auf Teile ihres Einkommens verzichten sollen, erwarten, dass die Real-Filialen jetzt zügig mit überzeugenden Konzepten modernisiert werden", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Mit dem Inkrafttreten des Zukunftstarifvertrags anerkennt Real alle zum 31. Mai 2016 gültigen regionalen Tarifverträge, mit Ausnahme der spezifischen Regelungen, die Bestandteil des Zukunftstarifvertrags werden.


Diese Regelungen beinhalten unter anderem:

  • 265 von derzeit 283 Real-Märkten, die unter den Zukunftstarifvertrag fallen, erhalten eine Bestandsgarantie. In den Märkten mit Bestandsgarantie sind betriebsbedingte Beendigungskündigungen ausgeschlossen.
  • Real verpflichtet sich, ab dem Geschäftsjahr 2016/2017 über fünf Geschäftsjahre insgesamt 1 Milliarde Euro in die Märkte zu investieren.
  • Real und Metro gewährleisten Insolvenzschutz durch die Aufrechterhaltung eines Beherrschungs- und Gewinnabführungs- und Verlustausgleichsvertrags.
  • Die Beschäftigten erhalten 2015, 2016 und 2017 keine Entgelterhöhungen.
  • Tarifliche Sonderzahlungen: Das Urlaubsgeld wird 2017 bis 2019, das Weihnachtsgeld 2016 bis 2018 auf 40 Prozent reduziert; 2019 wird das Weihnachtsgeld auf 70 Prozent reduziert.
  • Auflösende Bedingungen: Erfüllt Real die Investitionszusagen nicht, sind die Reduzierung der Sonderzahlungen sowie die Nicht-Weitergabe der Entgelterhöhungen nichtig.
  • ver.di-Mitglieder erhalten als Ausgleich zur Kürzung der Sonderzahlungen eine prozentuale Sonderzahlung (Vorteilsregelung).
  • Auszubildende sind von den Einsparungen (keine Entgelterhöhungen, Kürzungen der Sonderzahlungen) ausgenommen.
  • Leitende Angestellte werden an den Einsparungen mit 18,5 Millionen Euro beteiligt.

Vom Tisch sind die Einführung einer neuen Entgeltgruppe mit Dumpinglöhnen von mehreren Hundert Euro weniger als derzeit, die Streichung der Nachtzuschläge sowie die Abschaffung des Durch- und Aufstiegs.

ver.di

Die Tarifpartner verpflichten sich, ab Oktober 2016 über eine neue Entgeltstruktur zu verhandeln. Scheitern die Verhandlungen, wird ein Schlichtungs-verfahren durchgeführt. Gibt es bis zum 31. März 2018 keine Einigung, kommen ab 2018 die regionalen Entgelt-tarifverträge wieder uneingeschränkt zur Anwendung. Unabhängig davon haben die Tarifparteien zum 1. April 2018 ein Sonderkündigungsrecht.

Vom Tisch sind die Einführung einer neuen Entgeltgruppe für neu eingestellte sogenannte Ladenverkäufer mit Dumpinglöhnen von mehreren Hundert Euro weniger als derzeit, die Streichung der Nachtzuschläge sowie die Abschaffung des Durch- und Aufstiegs. Diese Regelung ermöglicht ungelernten Kräften nach langjähriger Berufserfahrung im Betrieb in die Gehaltsgruppe für gelernte Verkäuferinnen und Verkäufer aufzusteigen, und bleibt nun erhalten.

Die Eckpunkte sollen zeitnah in einen Tarifvertrag überführt werden. Über die Einigung wird ver.di in den nächsten Wochen eine Mitgliederbefragung durchführen. "Für uns zählt das demokratische Votum der Mitglieder, die in dieser Auseinandersetzung engagiert um ihre Rechte gekämpft haben", sagte Nutzenberger. Sie dankte der Real-Tarifkommission, die das Ergebnis der Mitgliederbefragung bewerten und über den Abschluss des Tarifvertrags entscheiden wird.