METRO Group

Die Zeichen stehen auf Sturm!

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Die Zeichen stehen auf Sturm!

Geschäftsführung fordert verlängerte Öffnungszeiten, ein klarer Tarifvertragsbruch

Bei der Metro Group stehen die Zeichen auf Sturm: Es geht um die Öffnungszeiten. Der von der Geschäftsführung in diesem Zusammenhang ausgeübte Druck ist ein eindeutiger Versuch, den Tarifvertrag zu brechen! Dazu hier ein offener Brief der ver.di.

Spaßbremse Foto: Dipl. Biol. Harald Grunsky / pixelio.de Spaßbremse  – In diesem Fall sehr milde ausgedrückt, denn Metro fordert zu Tarifvertragsbruch auf!

"Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen und Betriebsräte bei Metro C&C und Schaper!

In der Zusammenarbeit mit der Metro-Geschäftsführung haben wir ganz offensichtlich eine neue Qualität erreicht.

Erstmals in der Geschichte der Mitbestimmung bei Metro Cash & Carry werden die Betriebsräte offen und dreist zum Tarifvertragsbruch aufgefordert:

Die Geschäftsführung will an Silvester 2015 verlängerte Öffnungszeiten bis 18 Uhr und die Sonntagsöffnung am 27.12. durchsetzen!

Ich fordere euch hiermit dazu auf, diesem Vorhaben der Geschäftsführung nicht zuzustimmen!

Seit Jahren verhandeln und kämpfen wir um die Beibehaltung der Arbeitszeiten an Silvester, in Lohn- und Gehaltsrunden ebenso wie in weiteren Diskussionen jenseits von Tarifverhandlungen. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Tarifverträge auf diese Art und Weise Stück für Stück auseinandergenommen werden!

Als Betriebsräte seid ihr nach Betriebsverfassungsgesetz verpflichtet, für die Einhaltung der Tarifverträge, für eure Beschäftigten zu sorgen. Das weiß auch die Metro-Geschäftsführung.

Angriff auf die Sozialpartnerschaft!

Dass das Management nichtsdestotrotz auf diese Weise an euch herantritt und euch offen dazu auffordert, Gesetzesbruch zu begehen, werte ich als Angriff auf die Sozialpartnerschaft und auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit, die wir seit vielen Jahren bei Metro Cash & Carry gewohnt waren!

Über sogenannte Anpassungsmaßnahmen kündigt das Unternehmen auch in diesem Jahr mehr als 800 Beschäftigten.

Gerade vor diesem Hintergrund, ja sogar unmittelbar nach Verkündung dieser "Anpassungsmaßnahmen",  ist es geradezu unglaublich, jetzt mit diesem weiteren Ansinnen bzgl. verlängerter Öffnungszeiten auf euch zuzukommen! Argumentiert wird mit möglichen Umsatzzuwächsen an beiden Tagen.

Alles für den Umsatz?!

Dieses Unternehmen schafft es offensichtlich in den letzten Monaten und unmittelbar vor dem Weihnachtsgeschäft nicht, die Regale in seinen Märkten vernünftig vollzubekommen oder rechtzeitig Glühweinbecher auf Vorrat zu haben – und dadurch geht Tag für Tag richtig Umsatz verloren.

Und jetzt will Metro durch eine Verlängerung der Arbeitszeit euch und eure Beschäftigten in die Verantwortung dafür holen, die Umsatzentwicklung zu korrigieren?!

Wer es an rund 300 Tagen von 6 Uhr bis 22 Uhr nicht schafft, zufriedenstellende Umsätze zu generieren, der braucht dann nicht aus Verzweiflung zu Mitteln greifen, die jeder Logik widersprechen!

Ich möchte den Gastronomen sehen, der an Silvester nach 14 Uhr oder am Sonntag, 27.12., Zeit für seinen Einkauf in der Metro hat. Denn nach Back to Attack geht es ja in erster Linie um eine Umsatzsteigerung?!

Worum geht es wirklich?

Offensichtlich geht es mindestens auch darum auszutesten, was euch der Manteltarifvertrag noch wert ist.

Jetzt nachzugeben bedeutet also: Die Geschäftsführung hat einen Fuß in der Tür und sie wird weitermachen, bis neue Fakten geschaffen sind – noch bevor wir in Verhandlungen kommen.

Wir dürfen es keinesfalls zulassen, dass unsere sozialen Errungenschaften, die unsere Lebensqualität und unsere Gesellschaft über Jahrzehnte prägen, nun reinen Renditeinteressen geopfert werden!

Versteckte Leiharbeit!

Und als wäre das alles noch nicht genug, wurde heute außerdem angekündigt, die gewünschten Öffnungszeiten über Werksverträge zu realisieren, solltet ihr als Betriebsräte eure Zustimmung verweigern.

Allerdings: In so einem Fall kann es sich nicht um einen Werksvertrag handeln, sondern vielmehr um (versteckte) Leiharbeit! Und hier seid ihr wiederum in der Mitbestimmung.

Ich bezweifle ernsthaft, dass das Unternehmen für Silvester ab 14 Uhr (in den regionalen Tarifverträgen unterschiedlich) Leiharbeiter findet.

Doch selbst wenn: Die neuen Kassensysteme verstehen nicht mal die Metro-Beschäftigten richtig...

Stichwort "Mitbewerber und Öffnungszeiten"

Der ver.di sind derzeit keine Vorhaben von Mitbewerbern zu geänderten Öffnungszeiten bekannt. Also gilt dieses Argument auch nicht!

Metro ist außerdem Marktführer im C&C Bereich – auch unter diesem Aspekt bekommt das Vorhaben einen ganz besonderen Geschmack...

Stichwort "Freiwillige Bereitschaft, zu arbeiten"

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, Freiwilligkeit hat seine Grenzen – lasst euch eure Rechte nicht abkaufen!

Silvester wird ab 18 Uhr gefeiert und nicht erst nach Hause gegangen! Und keinem Beschäftigten kann etwas passieren, wenn ihr zum Ansinnen der Geschäftsleitung NEIN sagt!

Die Betriebsräte aller Märkte stehen hinter euch – gemeinsam mit eurer Gewerkschaft ver.di!

Mit kollegialen Grüßen
Uwe Erschens
ver.di Unternehmensbetreuer Metro C&C"

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Diesen offenen Brief der ver.di sowie ein zusätzliches GBR-Informationsblatt gibt es hier als kompaktes PDF zum Download: