Hennes & Mauritz

Erneutes Union Busting bei H&M

Hennes & Mauritz

Erneutes Union Busting bei H&M

Beschäftigte berichten von hanebüchenen Arbeitsbedingungen.
No Union Busting, ver.di-Hamburg Interessenvertretungen bei ihrer Arbeit auszubremsen, ist gesetzlich verboten. Und außerdem mehr als billig.

Der Modekonzern Hennes & Mauritz gerät erneut in die Kritik: Ein ZEIT-Artikel berichtet von einem offenbar inszenierten Gerichtsverfahren gegen einen Betriebsrat und von hanebüchenen Arbeitsbedingungen. (Quelle: ZEIT online vom 31.10.2017)

H&M stand schon des Öfteren in der Kritik, wenn es um einen fairen Umgang mit Beschäftigten, Interessenvertretungen und Zulieferern ging. Gerade in letzter Zeit hatten auch wir leider viel Negatives über die Geschäftspraktiken des Managements zu berichten:

Nun recherchierte Juliane Frisse für ZEIT online zu den Geschehnissen hinter der fröhlich-bunten Modefassade, nachdem es zu einer erneuten Protestaktion von Beschäftigten vor einigen Münchner Filialen von H&M gekommen war.

Leider nicht die einzige: Zahlreiche MitarbeiterInnen berichten immer wieder von ähnlich inakzeptablen Arbeitsbedingungen und psychologischem Druck, der auf sie ausgeübt werde.

Einige von ihnen hatten den Mut zu einem Interview mit der ZEIT – verständlicherweise anonym, aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Ihre Berichte und Vorwürfe reichen (erneut!) von schikanösem Union Busting gegen Interessenvertretungen bis hin zum "Versuch, Mütter loszuwerden: weil sie weniger flexibel sind als studentische Aushilfen."

Von den Beschäftigten wird offenbar erwartet, ganz und gar für ihre Arbeit zu leben. Flexibilität, Spontanität und ständige Erreichbarkeit sind eine Grundvoraussetzung.

Mehrere Beschäftigte schleppten sich aus Angst sogar krank zur Arbeit und/oder hielten irgendwann dem fortdauernden Psychostress von Vorgesetzten nicht mehr stand und mussten sich in psychologische Behandlung begeben.

Für all das winkt der Modekonzern dann auch noch mit einem Gehalt, das "zu viel zum Sterben und zu wenig zum Leben" ist.

Zu den Werten, die H&M selbst zu seiner Arbeitskultur zählt, gehören zum Beispiel "offen und geradeheraus sein". Wenn allerdings Beschäftigte diese Werte umsetzen und etwa Verbesserungsvorschläge machen, kommt das in der Praxis überhaupt nicht gut an.

Der Modekonzern schreibt in seiner Stellungnahme an ZEIT online: "Zu den Werten, denen H&M sich verpflichtet fühlt, gehört der respektvolle Umgang auf Augenhöhe mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen."

Die Zustände in der Praxis und die zahlreichen Proteste von Beschäftigten sprechen leider eine völlig andere Sprache. Ein Betriebsrat, seit über fünf Jahren bei H&M, fasst es so zusammen: "Die Fluktuation bei H&M ist hoch. Wer einen besseren Job findet, der geht."

Als zuständige Gewerkschaft verurteilen wir derartige Arbeitsbedingungen und die schikanösen Praktiken gegen Interessenvertretungen aufs Schärfste!

Den betroffenen Beschäftigten und Betriebsräten werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln den Rücken stärken und die Missstände bei Hennes & Mauritz weiter ins öffentliche Licht rücken. Wir freuen uns dabei über alle Hinweise und MitstreiterInnen!

Den vollständigen Bericht von Juliane Frisse findet ihr bei ZEIT online.