Amazon

Solidarität über Grenzen hinweg

Amazon

Solidarität über Grenzen hinweg

Internationales Podium mit Amazon-KollegInnen aus Deutschland und anderen europäischen Standorten

Seit mehr als zwei Jahren kämpfen Beschäftigte von Amazon in Deutschland für einen Tarifvertrag. Amazon weigert sich bislang, überhaupt zu verhandeln. Im Anschluss an die Veranstaltung "Amazon - Strategien für 'gute Arbeit' und Tarifbindung" diskutieren KollegInnen aus mehreren europäischen Ländern über neue Wege, sich gegen international agierende Konzerne zu behaupten.

Internationale Solidarität für die Amazon-Beschäftigten ver.di Handel Internationale Solidarität für die Amazon-Beschäftigten  – Nationale Alleingänge in der Tarifpolitik werden zum Auslaufmodell.

Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Markt für Amazon außerhalb der USA. Hier hat die Gewerkschaftsbewegung bislang ihre stärkste Organisationsmacht und aktivste betriebliche Basis. Doch im Zeitalter grenzüberschreitender Lieferketten und kurzfristiger Verschiebung von "Versandvolumen" in Nachbarländer ist ein nachhaltiger Erfolg nicht im nationalen Alleingang möglich.

Ohne eine enge Vernetzung mit Frankreich, Polen und den anderen internationalen Standorten wird die Auseinandersetzung nicht zu gewinnen sein. In der Diskussion mit Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland, Polen und Spanien wollen wir Erfahrungen austauschen und die Möglichkeiten für eine breite europäische Kampagne im Kampf um gewerkschaftliche Rechte und Mitbestimmung im Amazon-Konzern ausloten.

Es diskutieren:

  • Christian Krähling (ver.di-Vertrauensmann bei Amazon Bad Hersfeld)
  • Kacper Stachowski (Leiter der Organizing-Abteilung der Nationalen Kommission von NSZZ Solidarnosc, Polen)
  • Maria del Rosario García Sánchez (Delegierte von Comisiones Obreras bei Amazon Madrid, Spanien)
  • Bernd Riexinger (aktiver Gewerkschafter und Vorsitzender der Partei DIE LINKE)
  • Sébastien Boissonnet (Delegierter der CGT bei Amazon Saran, Frankreich, angefragt)

Moderation:
Johannes Schulten (Journalistenbüro work in progress)

3. Oktober 2015 | 19:00–20:30 | ver.di Bundesvorstand Paula-Thiede-Ufer 10 | Berlin - Einladung zur Veranstaltung als PDF zum Download auf der rechten Seite.


Kurzinterview mit dem Vorsitzenden der Linkspartei, Bernd Riexinger, zur Veranstaltung "Amazon - Strategien für 'gute Arbeit' und Tarifbindung"

Eine wichtige aktuelle Auseinandersetzung ist der Tarifkonflikt bei Amazon, zu dem Linksfraktion und Rosa-Luxemburg-Stiftung am 2. und 3. Oktober in Berlin einen Ratschlag veranstalten. Welche Vorschläge macht Ihre Partei in diesem Konflikt?

Es geht um die Frage: Kann der größte Internetkonzern der Welt seine Konkurrenzinteressen mit Lohn- und Sozialdumping durchsetzen, Tarifverträge ignorieren und so gut wie keine Steuern zahlen? Das ist eine exemplarische Auseinandersetzung, die mit Streiks allein nicht zu gewinnen ist. Eine breite Begleitkampagne gegen Amazon könnte deutlich machen, dass solche Bedingungen von der Gesellschaft nicht akzeptiert werden.

Die Streiks laufen schon seit zwei Jahren – bislang mit kaum zählbarem Erfolg. Was macht diese Auseinandersetzung so schwierig?

Es gibt zwar noch keinen Tarifvertrag, aber Amazon musste durchaus bereits Lohnerhöhungen zugestehen. Dieser Kampf ist deshalb so schwierig, weil er ein Ausdruck der Deregulierung und Prekarisierung der vergangenen Jahre ist. 50 bis 60 Prozent der Belegschaften bestehen aus befristet Beschäftigten, Leiharbeitern und Saisonkräften. Das und die internationale Aufstellung von Amazon gibt dem Konzern viele Möglichkeiten, Streiks zu unterlaufen. Trotz der großen Fortschritte, die ver.di gemacht hat, ist es vor diesem Hintergrund schwer, den Konzern wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Deshalb sind noch andere Methoden nötig. Würden die Streiks von öffentlichen Kampagnen – wie es sie seinerzeit bei Schlecker gab – begleitet, könnte das den Druck deutlich erhöhen. Über diese und andere Fragen wollen wir beim Ratschlag diskutieren.