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ver.di fordert Verhandlungen über Gesundheitstarifvertrag

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ver.di fordert Verhandlungen über Gesundheitstarifvertrag

Bundesweite Streiks am "Black Friday", ver.di fordert Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit".
Beschäftigte protestieren für Gesundheitsschutz bei Amazon ver.di FB12 Beschäftigte protestieren für Gesundheitsschutz bei Amazon

Update 24. November 2017 Die Streiks zum "Black Friday" an deutschen Amazon-Standorten, zu denen ver.di aufgerufen hat, werden am Samstag (25.11.) in Bad Hersfeld, Leipzig, Graben, Rheinberg und Werne ganztägig fortgesetzt.

An den Arbeitsniederlegungen für den Abschluss eines Tarifvertrages beim weltweit größten Versandhändler nahmen am Freitag weit über 2.000 Beschäftigte teil. An einzelnen Standorten beteiligte sich am Donnerstag bereits die Nachtschicht am Streik. Prime-Kunden wurden von Amazon informiert, dass heutige Bestellungen erst in der kommenden Woche ausgeliefert werden können.

Amazon lehnt bisher die rechtliche Absicherung der Beschäftigten durch einen Tarifvertrag rigoros ab und versucht erfolglos, weitere Streiks durch unverbindliche Zahlungen und Gratifikationen zu unterbinden. Am einzigen italienischen Amazon-Standort in Piacenza legten nach Agenturangaben rund 500 Beschäftigte am "Black Friday" ebenfalls die Arbeit nieder. Bis Ende des Jahres würden zudem Überstunden verweigert, heißt es.

Zusätzlich hat ver.di den Online-Händler Amazon jetzt an den Streik-Standorten auch zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit" aufgefordert. Amazon sei in den vergangenen Jahren auch durch gesundheitsgefährdende Arbeit aufgefallen. "Deshalb brauchen wir in diesem Bereich Regelungen, die die Gesundheit der Amazon-Beschäftigten rechtlich verbindlich schützen", sagte Nutzenberger.

Mit einer sogenannten "Gesundheitsprämie" bietet Amazon finanzielle Anreize, trotz Erkrankung zur Arbeit zu gehen. Beschäftigte, die dann später häufiger krank sind, haben das Risiko vom Konzern hinausgedrängt oder gekündigt zu werden.

Obsttage und die Aufforderung mehr zu trinken sind keine Mittel gegen permanente Leistungskontrollen und Überwachung!

ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger

23. November 2017 An den sechs großen Amazon-Standorten in Deutschland (Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg, Werne, Graben und Koblenz) wird am morgigen "Black Friday" (24.11.) gestreikt.

"Der weltgrößte Online-Händler will an diesem Tag Rekordumsätze erzielen, aber nicht nur an diesem Tag müssen die Beschäftigten Rekordleistungen bringen, damit alles so läuft wie Amazon es will", erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Erstmals hat ver.di den Online-Riesen Amazon an allen deutschen Standorten auch zu Verhandlungen über einen Tarifvertrag "Gute und gesunde Arbeit" aufgefordert.

"Amazon gefährdet mit seiner Arbeitsweise permanent die Gesundheit seiner Beschäftigten. Hoher Druck, immer mehr in kürzerer Zeit zu schaffen, permanente Leistungskontrollen und Überwachung, eine schlechte Führungskultur und unzureichende Erholungszeiten sind Gesundheitsgefährdungen im Amazon-Arbeitsprozess", so die Gewerkschafterin.

"Ein spezieller Tarifvertrag kann gesunde und gute Arbeitsbedingungen verbindlich garantieren. Er soll die notwendigen Regelungen schaffen, damit die Beschäftigten nicht länger der Willkür eines Arbeitgebers ausgesetzt sind, der auch auf Kosten ihrer Gesundheit seine Geschäfte betreibt", sagte die Gewerkschafterin.

Die weit überdurchschnittlich hohen Krankheitsraten würden belegen, dass die Arbeit bei Amazon nicht gesundheitsfördernd ist. "Obsttage und die Aufforderung mehr zu trinken sind keine Mittel gegen permanente Leistungskontrollen und Überwachung", so Nutzenberger.

Mit einer sogenannten "Gesundheitsprämie" biete Amazon finanzielle Anreize, trotz Erkrankung zur Arbeit zu gehen. Beschäftigte, die dann später häufiger krank sind, haben das Risiko vom Konzern hinausgedrängt oder gekündigt zu werden.

Tarifvertraglich abgesicherte Regelungen der Arbeitsbedingungen seien nicht nur für die Beschäftigten gut, sondern müssten auch im Interesse eines Konzerns wie Amazon liegen, wenn ihm an der Gesundheit der Beschäftigten gelegen sei, erklärte ver.di.