Jugend im Handel

Auszubildende beklagen Gesetzesverstöße und Mängel im Betrieb

Jugend im Handel

Auszubildende beklagen Gesetzesverstöße und Mängel im Betrieb

Der Handel ist die größte Ausbildungsbranche des Dienstleistungssektors. Doch junge Erwachsene, die dort eine Berufsausbildung beginnen, beschweren sich über Mängel und Gesetzesverstöße in der praktischen Ausbildung. Das zeigt der Ausbildungsreport 2014 für den Handel, für den bundesweit knapp 4.000 Auszubildende befragt wurden und den ver.di zum zweiten Mal vorlegt.

2. Ausbildungsreport Handel 2014 Robert Kneschke / Fotolia.com Auszubildender im Handel

Danach fehlen bei rund 30 Prozent der Befragten betrieblicher Ausbildungsplan oder fachlich kompetente Ausbilder_innen im Betrieb. Beides ist jedoch Gesetz und auch Voraussetzung für ein Mindestmaß an Ausbildungsqualität.

Inakzeptabel ist außerdem, dass knapp 13 Prozent aller Befragten häufig oder immer für ausbildungsfremde Tätigkeiten eingesetzt werden. Daneben beklagen knapp 43 Prozent der Befragten, dass sie Tätigkeiten wie das Pflegen des Berichtsheftes, das gesetzlich geregelt zur Ausbildung gehört, nicht während der Arbeitszeit erledigen dürfen.

Rund ein Drittel der Auszubildenden muss zudem regelmäßig Überstunden leisten, obwohl dies nur im absoluten Ausnahmefall vorkommen darf. Regelmäßige Überstunden, aber auch der Einsatz für ausbildungsfremde Tätigkeiten sind oft ein Zeichen dafür, dass Auszubildende ausgebeutet und dafür benutzt werden, Personalmangel auszugleichen.

Alarmsignal für Ausbildungsqualität
„Die vorliegenden Ergebnisse sind ein Alarmsignal. Die Gesetzesverstöße sind absolut inakzeptabel und werfen ein schlechtes Licht auf die Ausbildungsbranche Handel. Es ist dringender denn je geboten, im Handel für gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen zu sorgen. Das geht am besten mit Tarifverträgen“, sagte Franziska Foullong, ver.di-Jugendsekretärin im Handel.

Foullong kritisierte auch, dass mehr als zwei Drittel der jungen Erwachsenen zum Zeitpunkt der Befragung noch nicht wussten, ob sie im Anschluss an die Ausbildung in den Betrieb übernommen werden. „Der Handel muss dringend umdenken. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels muss er jungen Erwachsenen eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten und für gute Arbeitsbedingungen sorgen. Nur so gewinnt man motivierten und dringend benötigten Nachwuchs“, sagte Foullong.

Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundevorstandsmitglied und Leiterin des Fachbereichs Handel, betonte: „Es geht auch besser: Einige Unternehmen in der Handelsbranche gehen mit gutem Beispiel voran und schaffen Übernahmeregelungen.“ Dies müsse künftig auch in Flächentarifverträgen geregelt werden.

Zur Sonderauswertung für den Handel
Der Ausbildungsreport Handel 2014 ist eine Sonderauswertung des Ausbildungsreports der DGB-Jugend 2014, der in diesem Jahr zum neunten Mal erschienen ist. Die Sonderauswertung für den Handel enthält auch regionale Ergebnisse für die sechs Bundesländer Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Der Handel ist mit bundesweit rund 180.000 Auszubildenden im Einzel- und rund 40.000 Auszubildenden im Groß- und Außenhandel die größte Ausbildungsbranche des Dienstleistungssektors in Deutschland.

Die Sonderauswertung Handel im 2. Ausbildungsreport 2014 gibt es auf der rechten Seite zum Download als PDF.

Rückfragen bitte an Franziska Foullong, unsere Fach­be­reichs­ju­gend­se­kre­tä­rin im Han­del: