Fachbereich Handel

Bundesfachbereichskonferenz 2015

Fachbereich Handel

Bundesfachbereichskonferenz 2015

Bericht von der Bundesfachbereichskonferenz 2015 vom 20. bis 22. April

Gemeinsam. Besser. Stärker. Schon dieses Motto ließ ambitionierte Ziele der 4. Bundesfachbereichskonferenz anklingen. 200 Delegierte beschäftigten sich mit der Kernfrage, wie existenzsichernde, gesunde und tarifvertraglich geschützte Arbeit ausgebaut und prekäre Beschäftigung bekämpft werden kann.

Delegierte der Bundesfachbereichskonferenz Handel mit Kollegin Zehra Khan ver.di im Handel Delegierte der Bundesfachbereichskonferenz Handel mit Kollegin Zehra Khan

Statt einfacher Antworten gab es eine Vielzahl durchdachter Anträge an den ver.di- Bundeskongress im September 2015.

Sowohl bei der Frauenkonferenz und einer Jugendversammlung am ersten Tag als auch bei den beiden Fachgruppenkonferenzen Einzelhandel bzw. Groß- und Außenhandel am zweiten Tag sowie bei der gemeinsamen Fachbereichskonferenz am dritten Tag war eines völlig unstrittig: In den zurückliegenden vier Jahren hat es etliche Erfolge gegeben.

Dennoch muss ver.di auch angesichts rasanter Veränderungen im Handel stärker werden. "Unser gemeinsames Handeln für bessere Einkommens- und Arbeitsbedingungen und der Widerstand gegen Verschlechterungen wird um so erfolgreicher sein, je mehr Kolleginnen und Kollegen wir dauerhaft für ver.di gewinnen können", betonte die Leiterin des Bundesfachbereichs Stefanie Nutzenberger. Denn auch dies gehört zur Bilanz: Bei den Mitgliedern hat es trotz insgesamt 75.000 Neuaufnahmen eine große Fluktuation gegeben; zu viele haben ver.di wieder verlassen.

Die Bundesfachbereichskonferenz vereint die Bundesfachgruppen Einzelhandel (Bericht zur Fachgruppenkonferenz 2015 im Einzelhandel) sowie Groß- und Außenhandel.

Mitgliederwerbung ist und bleibt eine Schlüsselaufgabe

"Was uns 2013 gelungen ist, das ist außergewöhnlich", schätzte ver.di-Vorstandsmitglied Nutzenberger die Verteidigung der Manteltarifverträge für den Einzel- und Versandhandel ein, die von den Arbeitgebern gekündigt worden waren. Dieser Generalangriff konnte durch eine bis dahin beispiellose Streikbewegung abgewehrt werden: "Wir haben weit über den Handel hinaus die Botschaft gesendet, dass Kämpfen sich lohnt", so die selbstbewusste Bilanz. In den Tarifrunden 2011 und 2013 ist auch im Großhandel die Arbeitskampffähigkeit erkennbar gesteigert worden. Sehr positiv sind bei den Konferenzen die vielen – gerade auch juristischen – Erfolge beim Kampf um den Sonntagsschutz bewertet worden.

Doch damit gibt sich niemand zufrieden. Gestärkt werden muss die Verankerung in den Betrieben, die Nachwuchs und Jugendarbeit braucht die aktive Unterstützung der Betriebsrätinnen und Betriebsräte im Betrieb. Die Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge zu erreichen, auch das hat oberste Priorität. Um gute und gesunde Arbeitsbedingungen im gesamten Erwerbsverlauf geht es beim Projekt "ZusammenWachsen – ArbeitGestalten".

Verhandelt wird aktuell über Tarifverträge zu guter, gesunder Arbeit und neue Entgeltstrukturen in den Tarifverträgen. Sehr viel Engagement erfordern die Auseinandersetzungen um die Tarifbindung im Einzelhandel bei Amazon, Toys R Us, KiK-Lager, Karstadt und Primark, um nur einige Schauplätze zu nennen. "Geschäftsmodelle, die kurzfristig Armut und langfristig Altersarmut produzieren und gleichzeitig den Verdängungswettbewerb anheizen, bekämpfen wir mit allen Mitteln", sagte Stefanie Nutzenberger. "Wenn zum Beispiel bei Amazon gekämpft wird, dann geht es nicht nur um die Bedingungen dort."

Harte Konkurrenz, neue Technologien, Preiskriege, Managementfehler und der Verdängungswettbewerb machen den Handel in Deutschland zu einem harten Pflaster. Die Aufgaben waren und sind vielfältig: Die Pleiten von Schlecker, Praktiker/Max Bahr und Neckermann, bei denen zigtausende Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren, erforderten sehr großes Engagement. Weiter auf der Tagesordnung steht die Zukunftsfähigkeit der Karstadt-Häuser und die Existenzsicherheit der dort Beschäftigten. Viel Unterstützung brauchen die Kolleginnen und Kollegen der zum Verkauf stehenden Supermärkte Kaiser´s und Tengelmann.

Grenzenlos aktiv

Für Gerechtigkeit, Würde und Respekt im Handel tritt der ver.di-Bundesfachbereich auch international ein. "Grenzenlos aktiv", so deshalb ein weiteres Motto. Gefordert wird z.B. eine gesetzlich verbindliche Unternehmensverantwortung entlang der gesamten Lieferkette – egal ob in einem privatisierten Edeka- Markt in Deutschland, bei der Orangensaftherstellung in Brasilien oder bei der Textilproduktion in Ländern wie Bangladesch und Pakistan. Grußworte gab es bereits am ersten Tag der Fachbereichskonferenz vom ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske sowie von Alke Bössiger (UNI Commerce) und der pakistanischen Gewerkschafterin Zehra Khan.

Starke Solidarität erfuhr der griechische Gewerkschafter Panos Kyriakoulias als er die dramatischen Folgen der seit 2010 erzwungenen Sparkonzepte für die Bevölkerungsmehrheit schilderte. Stefanie Nutzenberger kündigte an, die Zusammenarbeit mit der griechischen Gewerkschaft in den nächsten Monaten zu intensivieren und zu konkretisieren.

Zu Beginn hatte Leni Breymaier (ver.di Baden-Württemberg) einen Vortrag zur Altersarmut gehalten, von der besonders viele Frauen betroffen sind. Hungerlöhne haben Hungerrenten zur Folge, führte sie aus. Dies erfordere Widerstand.

In Magdeburg ist Stefanie Nutzenberger erneut als hauptamtliche Bundesfachbereichsleiterin gewählt und als Mitglied des Bundesvorstands nominiert worden. Sie erhielt 67,8 Prozent der Stimmen.

Als neue Vorsitzende wurde bei der Konstituierung des ehrenamtlichen Bundesfachbereichsvorstandes Handel Petra Grünhagel gewählt. Sie kommt aus NRW und arbeitet beim Versandhändler Alba Moda. Ihre Stellvertreterin ist Gabriele Menge-Ullbrich (Niedersachsen-Bremen), die bei Metro C&C beschäftigt ist. Mit herzlichem Dank wurde die bisherige Vorsitzende Beate Nicolaus verabschiedet.

Sabine Jakoby aus Baden-Württemberg, die bei Galeria Kaufhof beschäftigt ist, wurde erneut zur Vorsitzenden der Bundesfachgruppe Einzelhandel gewählt. Ihr Stellvertreter ist wieder Detlef Lange (Berlin-Brandenburg) von der KaDeWe Group. Ulrich Dalibor wurde erneut als hauptamtlicher Bundesfachgruppenleiter nominiert. Seine Bestellung erfolgt durch den ver.di-Bundesvorstand.

Die Konstituierung der Bundesfachgruppe Groß- und Außenhandel erfolgte bei der ersten Sitzung des Fachgruppenvorstands im Juni. Reinhard Mast aus Baden-Württemberg (Fa. Häfele) wurde als Vorsitzender wiedergewählt, seine Stellvertreterin ist Silke Mayer-Seidler aus Rheinland-Pfalz, die bei Netto arbeitet.