International

Aktionsbündnis Orangensaft

International

Aktionsbündnis Orangensaft

Instrumente zur Durchsetzung von Menschen- und Arbeitsrechten

Corporate Social Responsibility: Was können wir tun?

60 Prozent des weltweit konsumierten Orangensafts kommt aus Brasilien. Weit höher ist der Anteil noch beim Orangensaft-Konzentrat, aus dem unsere Fruchtsäfte meist hergestellt werden: Allein aus dem Bundesstaat Sao Paulo stammt rund die Hälfte der Weltproduktion. 98 Prozent des brasilianischen Konzentrats werden exportiert.

Aktive im "Aktionsbündnis Orangensaft" ver.di im Handel Aktive im "Aktionsbündnis Orangensaft"

Größter Importeur des brasilianischen Konzentrats ist die Europäische Union, die gut zwei Drittel der Exporte aufnimmt. Davon fallen allein auf Deutschland 17 Prozent. Somit ist Deutschland Spitzenreiter und der größte Abnehmer des brasilianischen Konzentrats weltweit. Mehr als 190.000 Tonnen Orangensaftkonzentrat stammen direkt aus Brasilien. Der Verkauf ist ebenfalls stark konzentriert und liegt in der Hand weniger Einzelhandelsketten.

CSR führt nicht weit genug

Wie jüngste Studien belegen, sind die Arbeitsbedingungen sowohl im Anbau als auch in der weiterverarbeitenden Industrie in Brasilien äußerst problematisch: prekäre Beschäftigung und Diskriminierung, Löhne, die kein Leben in Würde erlauben. Arbeits- und Gesundheitsschutz gibt es zumeist gar nicht.

Unternehmen des Einzelhandels haben auf diese Problematik reagiert und bemühen sich nach eigenen Angaben um unternehmerische Sozialverantwortung (CSR). CSR steht dabei für verantwortliches unternehmerisches Handeln, das zu einer nachhaltigen Entwicklung beiträgt und Arbeitsbedingungen bei Zulieferern sicherstellt, die über die gesetzlichen Forderungen hinausgehen.

Allerdings: CSR bezeichnet eine leider nur unverbindliche Selbstverpflichtung der Unternehmen, die bisher eben KEINE nachhaltigen Verbesserungen bewirkt hat!

Soziale Verantwortung braucht verbindliche Standards

Freiwillige Vereinbarungen wie die CSR sehen wir von ver.di kritisch, denn sie greifen zu kurz und die soziale Verantwortung der selbstverpflichteten Unternehmen reicht in dieser Form nicht aus! Gemeinsam mit anderen NGO fordern wir daher verbindliche Regelungen, die auch überprüfbar sind.

Ein gutes Beispiel für nachhaltige, verbindliche Vorgaben ist das Netzwerk Unternehmensverantwortung (kurz CorA für ”Corporate Accountability”). Hier sind zivilgesellschaftliche Organisationen zum Thema “verbindliche Unternehmensverantwortung” zusammengeschlossen. Sie setzen sich gemeinsam für verbindliche Regeln ein, die Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf Mensch und Umwelt zur Rechenschaft ziehen und sie zur Einhaltung der Menschenrechte sowie internationaler Sozial- und Umweltstandards verpflichten.

Mehr Infos zu CorA und seinen Zielen gibt es auf der Website des Netzwerks.

Und genau so ein Netzwerk wollen wir auch entlang der Wertschöpfungskette in der Orangenproduktion schaffen!

Schritt 1: Bildungsveranstaltung bei ver.di

Wie sind die bisherigen Initiativen einzuschätzen? Was können wir als Einzelhandelsbeschäftigte dazu beitragen, dass Arbeitsbedingungen auch in den Produktionsländern menschengerecht gestaltet werden? Wie kann gewerkschaftliche Solidarität konkret aussehen?

Diese und weitere Themen haben wir gemeinsam diskutiert: auf einer Bildungsveranstaltung Anfang Oktober 2014. Den genauen Programmablauf dieser Veranstaltung gibt es auf der rechten Seite zum Download als PDF.

Screenshot aus dem ver.di TV-Beitrag "Wütende Orangen" ver.di TV Wütende Orangen

Wir freuen uns, am 07.10.2014, dem „Tag für menschenwürdige Arbeit“, in Frankfurt am Main zusammengekommen zu sein und Vertreter_innen aller beteiligter Organisationen getroffen zu haben.

Unser Treffen diente dem Austausch von Erfahrungen und brachte weitere Erkenntnisse über gemeinsame Probleme und Herausforderungen bei den Arbeitsbedingungen. Die Parallelen bei der Orangensaftproduktion und dem Einzelhandel liegen auf der Hand. „Billig zu Lasten der Arbeitnehmer_innen“ scheint die Politik der Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette zu sein.

Für uns eine inakzeptable Einstellung – und ein guter Grund, noch etwas draufzusetzen!

Schritt 2: Das Aktionsbündnis Orangensaft

Wir haben beschlossen, unsere Kooperation fortzusetzen:

  • um unsere Mitglieder- und Organisationskraft zu stärken und um Verbündete zu finden, also unsere Basis zu verbreitern.
  • um unseren Informationsaustausch zu vertiefen und unseren Kolleginnen und Kollegen den Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen in diesem Zusammenhang zu eröffnen.
  • um ein Aktionsbündnis zu schließen.

Unsere Ziele:

  • Verbesserungen der Arbeitsbedingungen entlang der Lieferkette von Orangen durch internationale Zusammenarbeit: unser besonderes Augenmerk liegt dabei auf Pflückerei und Landwirtschaft, Verarbeitung und Fabrikation, Vertrieb und Einzelhandel.
  • Unternehmen für Arbeitsbedingungen in die Verantwortung zu nehmen, um dort Nachhaltigkeit und Würde zu erreichen, Ausbeutung und Dumping zu beenden.

Die Bündispartner:

  • ver.di Bundesfachgruppe Einzelhandel
  • TIE Global
  • CIR
  • CONTAC-CUT
  • Sindicato dos empregados rurais assalariados de Duartina SP (Landarbeiter_innen)
  • STR de Piratininga SP (Industriearbeiter_innen)

Wir freuen uns auf weitere anregende Diskussionen und auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit – gemeinsam stark für gute Arbeit!