Einzelhandel

Prekäre Arbeit auf dem Vormarsch

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Prekäre Arbeit auf dem Vormarsch

ver.di fordert allgemeinverbindliche Tarifverträge und keine Ausweitung von Sonntagsarbeit.
Gute Arbeit altersgerecht gestalten ver.di Gute Arbeit altersgerecht gestalten

Der Einzel- und Versandhandel boomt. Doch während die Umsätze gestiegen sind, nehmen Vollzeitstellen und Tarifbindung weiter ab. (Quelle: Pressemitteilung der ver.di vom 01.06.2017)

Zugleich wächst der Anteil der Niedriglohnbezieher – fast jeder Dritte verdiente 2014 weniger als zehn Euro brutto Stundenlohn – sowie der atypischen Arbeitszeiten, etwa in den Abendstunden, an Samstagen oder Sonn- und Feiertagen. Das zeigen neue Antworten der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion.

"Die Beschäftigungsverhältnisse im Handel verschlechtern sich. Immer mehr Beschäftigte beziehen einen Niedriglohn, finden nur noch eine – oft unfreiwillige – Teilzeitstelle oder bekommen durch die Arbeit in den Abend- und Nachtstunden oder am Wochenende die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kaum unter einen Hut.

Die Ergebnisse zeigen: Wir brauchen für den Einzel- und Versandhandel allgemeinverbindliche Tarifverträge, um die Beschäftigten vor Lohndumping und schlechten Arbeitsbedingungen zu schützen. Wir wenden uns zudem gegen jede unnötige Sonntagsarbeit oder eine Ausweitung von Sonntagsöffnungen.

Wir brauchen allgemeinverbindliche Tarifverträge gegen Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen. Und wir wenden uns entschieden gegen jede unnötige Sonntagsarbeit!

Stefanie Nutzenberger, Bundesvorstandsmitglied der ver.di

Denn die Zeche dafür zahlen die Beschäftigten und die gesamte Gesellschaft. Der Sonntagsschutz ist ein verfassungsrechtliches Gut, das der ökonomischen Verwertung Grenzen setzt", sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die Debatte um mehr Sonntagsöffnungen verkenne zentrale Zusammenhänge: "Ausgeweitete Öffnungszeiten fördern prekäre Beschäftigung, denn die Arbeitgeber decken diese fast nur noch durch Teilzeitkräfte ab, die hochflexibel arbeiten sollen", so Nutzenberger.

"Zudem verstärkt dies die Monotonisierung der Innenstädte, denn vor allem Großunternehmen können sich längere Öffnungszeiten leisten und verdrängen so kleinere Geschäfte. Damit wird dem Vernichtungswettbewerb weiter Vorschub geleistet."

Datenmaterial

Die Daten aus der kleinen Anfrage zeigen unter anderem:

  • Zwar wuchs die Beschäftigung im Einzelhandel zwischen 2007 und 2016 um 7,7 Prozent, Vollzeitstellen sind aber weiterhin rückläufig (minus 6 Prozent).
  • Über 1,8 der etwas über drei Millionen Beschäftigten im Einzelhandel arbeiteten 2016 in Teilzeit bzw. als sogenannte Minijobber.
  • Fast jeder dritte Beschäftigte (32,3 Prozent) erhielt 2014 nur einen Niedriglohn von weniger als zehn Euro brutto in der Stunde (plus 73,6 Prozent gegenüber 2006).
  • Die Steuerzahler bezuschussten das Geschäftsmodell der Einzelhändler 2015 mit rund 1,4 Milliarden Euro (Aufstockerleistungen).
  • Rund 70 Prozent der Beschäftigten arbeiten samstags. 2014 betrug der Umsatz im Einzelhandel 526 Milliarden Euro (plus 14,3 Prozent gegenüber 2009), im Versandhandel 35,7 Milliarden Euro (plus 88 Prozent gegenüber 2009).